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Hannover hat sich zur 
Laufmetropole des 
Nordens gemausert

Die Stadt hat einen Lauf Hannover hat sich zur 
Laufmetropole des 
Nordens gemausert

Expostadt, Messestadt, Fahrradstadt, Lena-City – Hannover hat schon viele Beinamen bekommen. Nur einer ist noch nicht gefallen: Laufstadt. Dabei hat sich Hannover in den vergangenen Jahren still und leise zur Laufmetropole entwickelt.

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„Sport kann wie ein Antidepressivum wirken“

Unser Autor Frerk Schenker auf der Strecke am Altwarmbüchener Moor.

Quelle: Kris Finn

Wer sich sonntags am Maschsee aufhält, hat das unweigerliche Gefühl, die halbe Stadt stecke in Laufschuhen. Glaubt man dem Laufmagazin „Runner’s World“, hat das einen Grund: Kaum eine Großstadt in Deutschland eignet sich so gut zum Laufen wie Hannover. Bei einem im Frühjahr veröffentlichten Ranking unter 25 deutschen Städten landete Hannover hinter Karlsruhe und Münster auf Platz drei – und damit vor Marathonstädten wie Hamburg und Berlin. Abgefragt wurden 15 Kriterien, darunter die Anzahl der Wettkämpfe, der Grünflächenanteil, die Luftqualität und die Zahl der Hunde und Autos in einer Stadt. „Hannover war für uns die Überraschung“, sagt Chefredakteur Frank Hofmann. Denn die Kriterien seien so angelegt, dass Großstädte wie Hannover eher schlechter hätten abschneiden müssen.

Also ein Zufall? Nein, sagen Kenner der hannoverschen Laufszene, vielmehr Bestätigung für eine Entwicklung, die in Hannover vor einigen Jahren eingesetzt hat.

Laufen ist Volkssport in Deutschland, jeder Vierte schnürt nach Angaben des Deutschen Leichtathletikverbandes regelmäßig oder gelegentlich die Joggingschuhe. Weil es preisgünstig ist, man überall eine Laufstrecke findet – „und weil sich viele etwas beweisen wollen“, wie Det Seeska, Inhaber von Det’s Laufshop in der Lavesstraße, aus der Erfahrung mit seinen Kunden zu berichten weiß. Ein Marathon sei in der heutigen Zeit „das am besten zu erreichende große Abenteuer“, meint Seeska.

Trotz der Laufbegeisterung stiegen die Zahlen der Volksläufe und deren Teilnehmer in den vergangenen zwei Jahren bundesweit nur leicht an. In Hannover und dem Umland hingegen explodierten sie förmlich. Nahmen 2007 nach Angaben des Niedersächsischen Leichtathletikverbandes rund 34.000 Sportler an Volksläufen in der Region teil, waren es 2009 bereits 44.000. „Wir erleben hier einen richtigen Boom“, sagt Michael Kramer, Pressesprecher des Hannover Marathons, der in diesem Mai mit fast 14.000 Läufern einen Teilnehmerrekord vermelden konnte.

Vor sieben, acht Jahren sah das noch anders aus. Der Hannover Marathon kämpfte ums Überleben, viele Volksläufe waren eher Geheimtipp als Großveranstaltung. „Und der Silvesterlauf war praktisch tot“, erinnert sich Kramer, der auch für diese Veranstaltung verantwortlich ist. Heute ist der Lauf um den Maschsee mit 3000 Anmeldungen einer der größten zum Jahreswechsel in Deutschland.

Fragt man nach Gründen für diesen Laufboom, bekommt man in Hannover vor allem eine Antwort: Grün. Die Farbe steht für Eilenriede, Maschsee und Herrenhäuser Gärten, für die Wege an Leine und Mittellandkanal. Allein im Stadtwald gibt es rund 80 Kilometer Wanderwege – ein endloses Repertoire für Freizeitsportler. „Man kommt von Ost nach West und läuft immer im Grünen, fast ganz ohne Ampeln“, schwärmt Jens Schärff. Er bietet in Hannover „Touristjogging“ an, und viele Auswärtige, die seine Stadtführungen im Laufschritt buchen, seien von Hannover positiv überrascht. „Diese Verbindung zwischen Grün und Wasser ist etwas Besonderes“, sagt Schärff.

Doch kann das allein den Laufboom erklären? Hannover ist schließlich nicht über Nacht ergrünt. Es zögen eben alle an einem Strang, sagt Kramer – die Stadt, die Region und die Laufveranstalter. Man arbeite miteinander, Neidereien zwischen Veranstaltern gebe es nicht. Das Resultat dieses Miteinanders wird nicht zuletzt am Maschsee und in der Eilenriede sichtbar. Dort hat die Stadt, an deren Spitze mit Oberbürgermeister Stephan Weil ein begeisterter Läufer steht, vor einigen Jahren Laufstrecken vermessen und mit Kilometermarkierungen versehen, der Uferweg am Maschsee ist komplett beleuchtet. „In der Eilenriede haben wir jetzt sogar einen Halbmarathonkurs“, betont Weil. Noch mehr ausgeschilderte Laufrunden wird es in naher Zukunft aber wohl nicht geben: „Läufer sind auch Individualisten, die sich ihre Strecken selbst wählen“, meint Weil.

Und noch ein Wort fällt bei der Frage nach der hannoverschen Laufbegeisterung: der „Laufpass“ mit seinen 39 Volksläufen in Stadt und Umland. Eine Serie mit nahezu allen wichtigen Laufveranstaltungen einer Region – in dieser Größenordnung ist das bundesweit einmalig. „Da hat Hannover eine Vorreiterrolle“, sagt Kramer. Die Sportler honorieren es mit großer Meldebereitschaft. „Der Laufpass ist eine tolle Plattform für uns Läufer“, sagt Timo Kuhlmann, im vergangenen Jahr Sieger des HAZ-Laufpass-Rankings. Das Punktesammeln sei ein großer Anreiz, noch regelmäßiger zu trainieren.

Dass Hannover von Fachleuten in Sachen Laufsport so hoch eingeschätzt wird, überrascht den 19-Jährigen nicht: „Man muss sich nur zehn Minuten an den Maschsee setzen und die Läufer zählen. Das sagt doch schon alles.“ Nur ein Manko werde die Lauftsatdt Hannover wohl auch in Zukunft nicht los: „Es fehlen die Berge.“

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Auf dem Laufenden: HAZ-Redakteur Norbert Fettback (rechts) und Journalist Frerk Schenker verbinden in ihrem Blog die Themen „Laufen" und „Hannover" – mit Tipps zu Trainingsstrecken und Wettkämpfen sowie skurrilen Geschichten aus dem Läuferalltag.
10. Mai 2017 - Frerk Schenker in HAZ-Laufpass

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