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Interview

„Sport kann wie ein Antidepressivum wirken“

Von Frerk Schenker

Seit fünf Jahren findet in Hannover der „Lauf gegen Depression“ statt. Zudem gibt es einen „Anti-Sucht-Lauf“.
Marcel Sieberer, Facharzt für Psychiatrie an der MHH

Marcel Sieberer, Facharzt für Psychiatrie an der MHH

Herr Sieberer, kann Sport bei psychischen Erkrankungen wie Drogensucht oder Depressionen helfen?

Sport ist schon lange ein unterstützendes Therapieverfahren, die spezifische Wirkung bei psychischen Erkrankungen wird allerdings erst seit einigen Jahren auch wissenschaftlich genauer untersucht. Es gibt aber bereits Untersuchungen die zeigen, dass Patienten, die regelmäßig Ausdauertraining betreiben, länger gesund bleiben und weniger Rückfälle einer Depression haben als andere Patienten. Auch bei Suchtkranken kann Sport vermutlich zu einer Aufrechterhaltung einer Abstinenz beitragen.

Wie wirkt sich Sport auf die Psyche der Betroffenen aus?

Die Patienten bekommen ein besseres Selbstbewusstsein und machen die Erfahrung, dass sie aktiv etwas für ihre psychische Gesundheit tun können. Wir nennen das „Gefühl der Selbstwirksamkeit“. Durch den Sport können sie ihrer inneren psychischen Not aktiv etwas entgegensetzen. Außerdem wissen wir heute, dass regelmäßiger Sport auch günstige Auswirkungen auf Botenstoffe im Gehirn zeigt, wodurch die positiven Effekte auf Angst oder Depressivität erklärt werden. Bei leichten oder mittelgradig ausgeprägten Depressionen kann Ausdauertraining unter Umständen so wirksam sein wie ein Antidepressivum.

Müsste man demnach nicht jedem Patienten Sport verordnen?

Sport darf kein Zwang sein: Die sportliche Aktivität soll vom Patienten als Erfolg erlebt werden können, eine Verordnung bringt da wenig. Außerdem ist Sport kein Allheilmittel, auch diese Therapie ist individuell auf den einzelnen Patienten abzustimmen. Wichtiger als eine Verordnung ist aber sicher die gemeinsame Arbeit an der Motivation.

Kann man das auch auf Gesunde übertragen?

Ja, die positiven Wirkungen von sportlicher Aktivität auf Stimmung, Selbstbewusstsein oder Stressbewältigung sind auch hier gut belegt. Dabei muss nicht jeder einen Halbmarathon laufen, denn jede Form eines körperlich aktiveren Lebensstils wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Wichtig ist, das richtige Maß für sich selbst zu finden. Sich wohlzufühlen ist dabei der wichtigste Gradmesser.

Interview: Frerk Schenker

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