Die 20. Olympischen Winterspiele in Turin hätten für die Deutschen nicht besser beginnen können: Am ersten Wettkampftag gab es binnen anderthalb Stunden gleich zwei Goldmedaillen für den Biathelten Michael Greis und den Nordischen Kombinierer Georg Hettich. Insgesamt räumte Deutschland 29 Medaillen ab (11-12-6), gefolgt von den USA (9-9-7) und Österreich (9-7-7), Russland (8-6-8) und Kanada (7-10-7). 2002 in Salt Lake City gewannen die Deutschen sogar 36 Olympiamedaillen (12-16-8), lagen aber letztlich hinter Norwegen (13-5-7), das in der Hauptstadt des Piemont und der Bergregion um Sestriere nur zwei Olympiasiege feiern konnte (2-8-9).
Die zweiten Olympischen Winterspiele in Italien – 50 Jahre nach Cortina d’Ampezzo – ließen aber trotz spannender Wettkämpfe euphorische Fans und strahlende Helden vermissen. Bei etlichen Entscheidungen blieben die Zuschauerränge fast leer, von einer Million Tickets waren nur 900.000 verkauft worden.
Die hervorragende deutsche Bilanz geht vor allem auf das Konto der Biathleten, die in San Sicario allein elf Medaillen holten, darunter fünf goldene – 2002 waren es insgesamt neun (dreimal Gold). Michael Greis holte als erster Deutscher dreimal goldenes Edelmetall bei Winterspielen, dreimal standen auch Kati Wilhelm (einmal Gold), Sven Fischer (zweimal Gold) und Martina Glagow (dreimal Silber) auf dem Turiner Treppchen. Uschi Disl gewann ihre insgesamt neunte Medaille seit 1992, Ricco Gross die achte, darunter die vierte goldene mit der Staffel.
Im Bobfahren standen deutsche Athleten in allen drei Disziplinen ganz oben auf dem Podest. Pilot Andre Lange fuhr seine Teams zu zwei Olympiasiegen. Je vier Medaillen holten die Rodler und Skilangläufer – beide Staffeln erliefen Silber.
Die erfolgsverwöhnten Eisschnellläuferinnen, bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City noch mit sieben Medaillen dekoriert, mussten in Turin mit drei auskommen, darunter Gold im neuen Teamwettbewerb. Claudia Pechstein bleibt die erfolgreichste deutsche Sportlerin bei den Turiner Winterspielen (5-2-2).
Nicht der "Sportler des Jahres 2005", Ronny Ackermann, sondern Georg Hettich war der Beste in der Nordischen Kombination mit je einer Medaille jeder Farbe. Ebenso überraschend gewann Amelie Kober Silber mit dem Snowboard.
Auch jenseits der Medaillengewinne schnitt die deutsche Mannschaft mit ihren 161 Sportlern in Turin gut ab: Sie erreichte noch 43 weitere Endkampfplatzierungen von Rang vier bis acht (8-8-9-11-7), fünf mehr als noch 2002.
Neben den Glanzleistungen gab es aber auch Enttäuschungen bei den deutschen Sportlern: Das Alpin-Team fuhr sein schlechtestes Olympia-Ergebnis seit 1968 ein und auch die Skispringer und Eiskunstläufer gingen ohne Edelmetall nach Hause. Die Stasi-Affäre um Trainer Ingo Steuer lastete zu schwer auf den Eiskunstläufern Aljona Savchenko und Robin Szolkowy: Im Paarlauf wurden sie nur Sechste.
Eisschnellläuferin Anni Friesinger holte nur mit dem Team Gold, über 1000 Meter gewann sie im Einzel lediglich Bronze. Auch Claudia Pechstein musste sich im Einzel mit Silber über 5000 Meter begnügen. Der Team-Olympiasieg katapultierte sie aber mit insgesamt fünf Gold- sowie je zwei Silber- und Bronzemedaillen auf Platz fünf der Bestenliste der erfolgreichsten deutschen Winter-Olympioniken seit 1992.
Beschattet wurden die 20. Olympischen Winterspiele allerdings durch Doping: Zum negativen Dauerbrenner entwickelte sich der Österreich-Skandal, der mit einer spektakuläre Polizeirazzia in Außenquartieren begann und bis heute in der Alpenrepublik nachwirkt. Der Olympia-Zweiten im Biathlon über 15 Kilometer, Olga Pylewa, wurde außerdem nach einem positiven Test Silber aberkannt.
In Vancouver will das deutsche Team nun seine Spitzenposition von Turin verteidigen. In der Wertung aller Winterspiele könnten die Deutschen sogar (bisher 118 Goldmedaillen) erstmals Tabellenführer Russland (120) überholen, wenn alle Favoriten in Bestform sind. Als Goldkandidaten zählen die Bob- und Rodel-Damen, die Biathleten, Eissprinterin Jenny Wolf und Eisschnellläuferin Anni Friesinger, die Ski-Weltmeisterinnen Maria Riesch und Kathrin Hölzl sowie das Eiskunstläuferpaar Aljona Savchenko und Robin Szolkowy.
Quelle: Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)
| Medaillenspiegel Olympische Winterspiele 2006 in Turin | ||||
| Gold | Silber | Bronze | Gesamt | |
| 1. Deutschland | 11 | 12 | 6 | 29 |
| 2. USA | 9 | 9 | 7 | 25 |
| 3. Österreich | 9 | 7 | 7 | 23 |
| 4. Russland | 8 | 6 | 8 | 22 |
| 5. Kanada | 7 | 10 | 7 | 24 |
| 6. Schweden | 7 | 2 | 5 | 14 |
| 7. Südkorea | 6 | 3 | 2 | 11 |
| 8. Schweiz | 5 | 4 | 5 | 14 |
| 9. Italien | 5 | 0 | 6 | 11 |
| 10. Frankreich | 3 | 2 | 4 | 9 |
| Die erfolgreichsten Sportler bei den Winterspielen in Turin 2006 | ||
| Sportler | Sportart | G-S-B |
| 1. Ahn Hyun-Soo (Südkorea) | Shorttrack | 3-0-1 |
|
2. Michael Greis (Deutschland) Jin Sun-Yu (Südkorea) |
Biathlon Shorttrack |
3-0-0 3-0-0 |
| 4. Felix Gottwald (Österreich) | Nordische Kombination | 2-1-0 |
|
5. Enrico Fabris (Italien) Sven Fischer (Deutschland) |
Eisschnelllauf Biathlon |
2-0-1 2-0-1 |
|
7. Georgio di Centa (Italien) Michaela Dorfmeister (Österreich) Swetlana Ischmuratowa (Russland) Kevin Kuske (Deutschland) André Lange (Deutschland) Björn Lind (Schweden) Thomas Morgenstern (Österr.) Benjamin Raich (Österreich) Kristina Smigun (Estland) |
Langlauf Ski alpin Biathlon Bob Bob Langlauf Skispringen Ski alpin Langlauf |
2-0-0 2-0-0 2-0-0 2-0-0 2-0-0 2-0-0 2-0-0 2-0-0 2-0-0 |
HAZ.de Anmeldung