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Untrennbares Team

Herrchen und Hund

Von Stefan Stosch

Die Beziehung zwischen Herrchen/Frauchen und Hund ist eine vielschichtige – und das nach so viel gemeinsam verbrachter Zeit. Kein anderes Tier hat den Weg des Menschen so lange und so eng begleitet. Bereits in der griechischen Mythologie spielt der Hund eine hervorragende Rolle.
Herrchen und Hunde

Weggefährten: Vielen Menschen sind Hunde treue Begleiter.

© Christian Burkert

Wer erkannte den als Bettler verkleideten Odysseus bei seiner Rückkehr? Nicht der treue Schweinehirt und nicht die eigene Frau. Der greise Hund Argos wedelte mit dem Schwanz – wenngleich dem grauhaarigen Burschen auch die Kraft fehlte, um auf seinen Herren zuzulaufen.

Die Methode schien vielversprechend: Auf einer langen Liste sollte der künftige Hundehalter die Eigenschaften ankreuzen, die er an seinem neuen vierbeinigen Freund besonders schätzen würde – also beispielsweise Kinderfreundlichkeit, Intelligenz,Lauffreude und anderes mehr. Die Hunderasse mit den meisten Nennungen wäre dann logischerweise die geeignete. Doch was kam summa summarum beim Ankreuztest heraus? Kein Golden Retriever, kein Labrador, auch kein Schäferhund, sondern: ein Pudel. Dem angehenden Hundehalter erging es so, als würde ein überzeugter Linkswähler beim Ausfüllen des „Wahl-o-maten“ vor einer Bundestagswahl erschrocken feststellen, dass ihn am meisten mit der FDP verbindet.

Nichts gegen Pudel, aber gehören die nicht eher zum Accessoire der Jacob-Sisters? Oder zu betagten Damen, die ihren Hund beim Kaffeekränzchen auf dem freien Stuhl neben sich im Lokal platzieren und mit Sachertorte füttern? Jedenfalls haben Pudel doch eher den Ruf eines Langweilers unter den Vierbeinern. Oder sitzt man hier einem Vorurteil der Hundewerbung auf? Vermutlich ist ein Pudel momentan nur nicht so sehr in Mode.

25 000 Jahre alt waren die Abdrücke von Hundepfoten, die Wissenschaftler in der Chauvet-Höhle in Südfrankreich fanden. Schon damals, so schlussfolgerten die Forscher, befanden sich Hunde in Nähe der Menschen. Allerdings: Ob die Tiere bei der Nahrungsbeschaffung dienlich waren oder selbst als Nahrung dienten, ist weniger eindeutig.

Möglich auch, dass die Züchtung des Canis lupus familiaris, also des Haushundes, sogar noch früher begann. Irgendwann muss der Zweibeiner entdeckt haben, dass ihm ein Vierbeiner an seiner Seite nützlich ist. Höhlenmensch und Höhlenhund erledigten von nun an gemeinsame Aufgaben. Man ging zusammen auf die Jagd. In dichten Wäldern war der Hund ein entscheidender Überlebensvorteil, um die Beute zu stellen.

Herrchen und Hund bildeten ein aufeinander eingespieltes Team. Sagen wir ruhig: ein Rudel, bei dem der Zweibeiner das Alphatier war und in der Hierarchie eindeutig oben stand. Heute soll es Fälle geben, in denen die Rangordnung nicht mehr so klar festgelegt ist. Das ist dann der Moment, in dem Herr und Hund sich in die Hundeschule begeben sollten.

Abends, nach einem langen, harten Tag, hat wohl auch der Höhlenmensch sein müdes Haupt ins Fell seines tierischen Kumpels gebettet. Die Beziehung zwischen Hund und Herr ging schon früh über das rein Funktionale hinaus. In der Nähe von Bonn fanden Wissenschaftler ein 14 000 Jahre altes Grab, in dem ein Mann und eine Frau gemeinsam bestattet waren. Zusammen mit dem Paar hatte ein Hund dort seine letzte Ruhestätte gefunden. Katzen dagegen sind erst seit rund 7000 Jahren mit von der Partie, und sie gelten bis heute als eher selbstständige Mitbewohner. Sie zeigen ihren Besitzern auch schon mal die Krallen.

Rund zehn Millionen Hunde leben gegenwärtig in deutschen Haushalten. Sie müssen keinen Karren mehr ziehen, selten einen Hof bewachen, und erst recht kämpfen sie nicht mehr wie einst bei Cäsar in den vordersten Reihen der römischen Truppe. Wozu sind sie da?

Manche Halter missbrauchen ihren Pit Bull oder Mastino als Statussymbol: billiger als ein tiefergelegtes Auto, aber im Zweifelsfall ebenso eindrucksvoll. Nur hat leider nicht jeder seine vierbeinigen Kameraden so gut im Griff wie Magnums Hausverwalter Higgins seine beiden Dobermänner Zeus und Apollo.

Ebenso vertreten unter den Haltern ist der Mode-Typ, der seinen Hund auswählt wie sein neues Wohnzimmersofa. Schönheit und Eleganz zählen beim Kauf. Gelegentlich auch das Gegenteil davon: Warum man Hunde haben muss, die schon beim langsamen Laufen kaum noch japsen können oder im Gesicht wie eine Knautschzone nach dem Unfall aussehen, wissen nur Züchter und Käufer allein. Inzwischen sind sogenannte Designer-Dogs populär. Sie heißen Labradoodle (Labrador und Pudel), Cockapoo (Cockerspaniel und Pudel) oder Maltipoo (Malteser und Pudel). Woran man sieht: Der so oft missachtete Pudel ist immer dabei.

Andere Besitzer tragen ihre Hunde herum wie ihre Handtaschen – siehe Partygirl Paris Hilton und ihre Chihuahuas. Genauso werden die Hunde dann aber abgestellt: In den Tierheimen an der Westküste der USA drängeln sich die Schoßhündchen wie anderswo die Kampfhunde.

In den allermeisten Fällen ist der Hund jedoch Familienmitglied, Partner bei Sport und Spiel, Reisebegleiter, Wanderfreund, Knuddeltier. Er gehört einfach dazu und ist aus dem Leben vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Der Mensch ist auf den Hund gekommen. Und der Hund auf den Menschen.

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  • Auf den Hund gekommen Christine Kerr – 12.03.10
    Ich habe diesen Artikel mit grossem Interesse gelesen. Wir sind schon vor Jahren auf den Hund gekommen, immer aus dem Tierheim oder von Leuten, die sich nicht um den Hund kuemmerten.
    Wir leben in Texas und hier in den USA ist es unmoeglich, die Hunde ueberall mitzunehmen. Da ist es in Deutschland doch viel besser. Ungezogene Kinder sind im Restaurant erlaubt, aber win gut erzogener Hund nicht. Selbst im Strassen Cafe darf das nicht sein. Land of the free, solange Du nicht vier Beine hast!

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