Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Fall Schaffelhuber überschattet Goldmedaillen

Paralympics in Sotschi Fall Schaffelhuber überschattet Goldmedaillen

Noch mehr als zwei Goldmedaillen beschäftigt die deutschen Paralympioniken das Hin und Her um die Disqualifikation von Anna Schaffelhuber. Die Jury eröffnet ihr nun eine Mini-Chance, doch noch gewertet zu werden. Ein Regierungsvertreter kommt nicht nach Sotschi.

Voriger Artikel
Putin eröffnet Winter-Paralympics
Nächster Artikel
Happy End für Schaffelhuber

Anna Schaffelhuber.

Quelle: dpa

Krasnaja Poljana. Die deutschen Paralympioniken konnten sich kaum über ihre Goldmedaillen fünf und sechs bei den Sotschi-Spielen freuen – zu sehr stand eine sportjuristische Hängepartie im Mittelpunkt. Covergirl Anna Schaffelhuber wurde am Mittwoch als Slalom-Führende von der Jury disqualifiziert und vergoss bittere Tränen, ehe das Internationale Paralympische Komitee (IPC) ihr doch noch eine letzte Mini-Chance auf den dritten Triumph eröffnete: Bei einer Anhörung am Donnerstag (11 Uhr) soll die finale Entscheidung fallen, ob die Läufe der 21-Jährigen gewertet werden oder nicht.

Ihrer Goldmedaille sicher sein darf sich Andrea Rothfuss in der stehenden Slalom-Klasse. Nur unter Vorbehalt kann dagegen Schaffelhubers sitzende Kollegin Anna-Lena Forster jubeln: Offen, ob sie Platz eins behält, falls Schaffelhubers zunächst inoffizieller zweiter Lauf noch Gültigkeit erhält. Ihre Zeit gab das IPC nicht bekannt. Ganz verloren hat Andrea Eskau ihre Bronzemedaille: Die Jury gab einem Protest der Russen statt und setzte die 42-Jährige im Langlauf-Sprint auf Platz sechs zurück. Eskau hatte die viertplatzierte Marta Sainullina kurz vor dem Ziel behindert – und räumte ihr Fehlverhalten auch ein: „Ich weiß, das nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist“, gab sie zu.

Ob Schaffelhuber ihr drittes Gold nun doch noch bekommt oder Forster den Spitzenplatz auch nach der Sitzung am Grünen Tisch behält: Vier Tage vor Abschluss der Paralympics stehen sechs Siege fürs deutsche Team. „Das ist eine wunderbare Bilanz“, sagte Verbandspräsident Friedhelm Julius Beucher – obwohl die Bilanz von Vancouver 2010 noch besser war.

Wie bereits zuletzt müssen die Deutschen auch an den Schlusstagen in Sotschi und Krasnaja Poljana ohne ranghohe Unterstützung aus der Politik auskommen. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) gab bekannt, dass wie erwartet kein Regierungsvertreter mehr nach Russland reisen werde. „Wegen der eher schwieriger als leichter werdenden Lage auf der Krim kommt das jetzt nicht in Frage“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Schaffelhuber, Siegerin in Abfahrt und Super-G, erhielt nach ihrem starken ersten Slalomlauf die unerwartete Nachricht von der Jury. Der Bayerin wurde vorgeworfen, am Start unerlaubterweise zweimal mit den Ski-Stöcken angeschoben zu haben. Die IPC-Regeln erlaubten das streng genommen nicht, argumentierten die Österreicher – und protestierten gegen Schaffelhuber und auch gegen Forster. Das IPC nahm die eine daraufhin aus dem Rennen heraus und beließ die spätere Siegerin im Wettbewerb. Nach langen Verhandlungen setzte der Deutsche Behindertensportverband immerhin durch, dass Schaffelhuber unter Vorbehalt noch ein zweites Mal die Piste herunterfahren durfte.

„Wir haben die feste Überzeugung, dass sie nicht gegen das Regelwerk verstoßen hat, dass sie sich nicht bewegt hat am Start mit ihren Stockhilfen. Dazu haben wir einen Videobeweis“, sagte Beucher. Den Protest Österreichs kritisierte er: „Den gilt es aus Gründen der Sportfairness besonders zu bewerten.“ Chef de Mission Karl Quade geißelte das Hin und Her des IPC: „So kann man nicht umgehen mit den Athleten, dass keiner weiß, ob man jetzt noch dabei ist oder nicht. Das muss zügiger gehen, für den Sport ist das Verfahren unglücklich.“

Mit umgedrehtem Leibchen kam Schaffelhuber vor dem regulären zweiten Durchgang als Erste unten an – verzweifelt suchte sie im Außenbereich Trost bei ihren Trainern und Betreuern. „Das ist eine nervliche Ausnahmesituation. Für mich ist das unverständlich“, klagte die querschnittsgelähmte Alpinspezialistin.

„Das war schon ein Schock, Anna hat uns total leid getan“, umschrieb Forster die Gefühlslage im Team nach der Disqualifikation. Zumindest ihr eigenes Ziel hat sie erreichte: „Ich wollte unbedingt eine Medaille holen. Das habe ich geschafft.“ Die deutsche Fahnenträgerin Rothfuss, zuletzt psychisch arg geknickt nach Ausfällen in Abfahrt und Super-G, war außer sich vor Freude: „Da geht ein Traum in Erfüllung. Ich will noch gar nicht richtig ankommen in der Realität.“

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Schlusstag bei den Paralympics
Foto: Schwarz, Rot und jede Menge Gold: Die deutsche Mannschaft hat bei den Winter-Paralympics viele Medaillen gewonnen.

Auch am letzten Tag der Winter-Paraylmpics in Sotschi gab es noch mal Doppelgold für Deutschland. Damit hat das nach Russland gereiste Team des Deutschen Behindertensportverbands mit 13 Athleten insgesamt 15 Medaillen erkämpft - ein herausragendes Ergebnis.

mehr
Mehr aus Sotschi 2014
Die erfolgreichsten deutschen Sportler bei Winterspielen

Wer stand so oft ganz oben auf dem Treppchen wie sonst kein deutscher Wintersportler? Die zehn besten Athleten bei Olympischen Spielen auf dem Eis, im Schnee und in der Bobbahn:

Winterolympia in Zahlen
  • Die ersten Winterspiele: 1924 in Chamonix 
  • Die meisten Länder : 88 in Sotschi 2014
  • Die meisten Teilnehmer: zirka 2900 in Sotschi
  • Die meisten Entscheidungen: 98 in Sotschi
  • Häufigste Starter Männer : Albert Demtschenko (Russland) im Rodeln von 1992-2014;
    Noriaki Kasai (Japan) im Skispringen von 1992-2014 (jeweils sieben Teilnahmen)
  • Häufigste Starter Frauen : Emese Hunyady (Österreich) im Eisschnelllauf von 1984-2002;
    Marja-Liisa Kirvesniemi (Finnland) im Skilanglauf von 1976-1994;
    Gerda Weissensteiner (Italien) im Bob/Rodeln von 1988-2006;
    Claudia Pechstein (Berlin) im Eisschnelllauf von 1992-2014
  • Erfolgreichster Athlet: Björn Dählie (Norwegen) im Skilanglauf von 1992-98 mit acht Gold- und vier Silbermedaillen
  • Erfolgreichste Athletin: Ljubow Jegorowa (GUS) im Skilanglauf von 1992-94 mit sechs Gold- und drei Silbermedaillen
  • Erfolgreichste Nationen :  Deutschland mit 129 Olympiasiegen vor Russland mit 124 Goldmedaillen
Anzeige