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Victor An entzückt Putin

Südkorea-Import gewinnt Shorttrack Victor An entzückt Putin

Das hat vor ihm noch keiner geschafft. Bei Olympia 2006 in Turin startete er für Südkorea und war der erfolgreichste Athlet der Spiele. In Sotschi wiederholte Victor An dieses Kunststück - nur diesmal startete der Shorttracker für Russland.

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Die Russen feierten ihren Shorttrack-Import Victor An aus Südkorea lautstark mit „Molodez“-Rufen (Prachtkerl).

Quelle: dpa

Sotschi . Victor An konnte seine Tränen nur mühsam unterdrücken. Die Russen feierten ihren Shorttrack-Import aus Südkorea lautstark mit „Molodez“-Rufen (Prachtkerl), Kremlchef Wladimir Putin gratulierte stolz. Mit olympischem Doppel-Gold über 500 Meter und in der Staffel innerhalb von nur einer Stunde wurde der 28 Jahre alte An bei den Sotschi-Spielen auch in seiner neuen Heimat zum Helden. „Das war die beste Erfahrung meiner Karriere. Ich werde Dich nie vergessen, Sotschi“, sagte der Sprinter mit dem gefärbten roten Haarschopf nach seinem Super-Coup.

Bei Olympia 2006 in Turin startete der wendige, fintenreiche Shorttracker für Südkorea - und war mit dreimal Gold und einmal Bronze der Star der Winterspiele. Acht Jahre später wiederholte er dieses bemerkenswerte Kunststück - nur diesmal für Russland. Mit jetzt sechs Olympiasiegen und zwei Bronzemedaillen rückte An damit in der ewigen Bestenliste der erfolgreichsten Winterolympioniken auf Platz fünf vor. „Es ist für mich eine Riesen-Ehre, in einer Reihe mit den größten Athleten zu stehen“, sagte der Asiate brav. „Ich hatte das nie erwartet.“ Zudem zog er dank seiner achten Medaille mit dem bei Olympia meistdekorierten Shorttracker Apolo Anton Ohno aus den USA (2/2/4) gleich.

Allein für jeden Olympiasieg kassierte An 122 000 Dollar (89 000 Euro), so dass er Sotschi mit fast 300 000 Euro Staatsprämie verlässt. Russlands neuer Importschlager reibt sich die Hände - er gilt als einer der begehrtesten Partner für Sponsoren. Die Tageszeitung «Sowjetski Sport» brachte die Euphorie im Lande auf den Punkt: „Man möchte auf die Straße laufen und vor Glück schreien! Victor An – der König von Olympia in Sotschi!“ Auch Staatspräsident Putin ließ es sich nicht nehmen, zu gratulieren. „Sie haben mit Ihrer Geschwindigkeit und Ihrer Technik alle Rivalen übertroffen und Siege in schwierigsten Rennen erkämpft“, erklärte Putin.

An versteckte seine Gefühle hinter einer bläulich schimmernden Sonnenbrille. „Auf diese Momente habe ich lange hingearbeitet und viele Schwierigkeiten überwunden“, sagte er nicht ohne Genugtuung. In Turin war er im Alter von 20 als Ahn Hyun-Soo erfolgreich, wurde in Südkorea auf Händen getragen und kassierte Millionen aus der Werbebranche. Doch 2008 begann nach einer schweren Knieverletzung seine Leidenszeit. An verpasste die Qualifikation für Vancouver und zerstritt sich mit dem Verband.

Im Sommer 2011 wechselte er nach Russland. Noch immer ist nicht gänzlich geklärt, wie ihn sein Weg dorthin führte. Der russische Eislauf-Verband dementiert jedenfalls, An mit viel Geld angelockt und dabei auch die USA ausgestochen zu haben. „Das sind Anschuldigungen. Es hat keinen Kampf zwischen Russland und den USA gegeben“, sagte Verbandspräsident Alexej Krawzow. „Angefangen hat alles mit einem Brief seines Onkels, der auch sein Agent ist, im März 2011. Ich lud ihn zu Gesprächen nach Moskau“, meinte er. Allerdings seien die Ärzte damals sehr skeptisch gewesen wegen Ans Fitness. „Sie sagten, Victors Verletzungen seien zu ernst, um nochmals das Olympia-Ziel ins Auge zu fassen“, enthüllte Krawzow in Sotschi. Dennoch erhielt An im Dezember 2011 die russische Staatsbürgerschaft.

Seinen neuen Namen nahm er in Würdigung des sowjetischen Rockmusikers Viktor Zoi an, der ebenfalls koreanische Wurzeln hat. „Und außerdem, weil das Victory im Namen steckt“, verriet An. Mit seinen koreanischen Gegnern pflege er inzwischen einen entspannten Umgang, behauptete er. „Es gibt weder Kränkungen noch Hass.“ Interessant wird sein, ob und für welches Land An in vier Jahren bei den Spielen im südkoreanischen Pyeongchang an den Start gehen wird. Sein Vertrag in Russland läuft nach der Saison aus, im Moment hält er sich alle Optionen offen.

dpa

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Die erfolgreichsten deutschen Sportler bei Winterspielen

Wer stand so oft ganz oben auf dem Treppchen wie sonst kein deutscher Wintersportler? Die zehn besten Athleten bei Olympischen Spielen auf dem Eis, im Schnee und in der Bobbahn:

Winterolympia in Zahlen
  • Die ersten Winterspiele: 1924 in Chamonix 
  • Die meisten Länder : 88 in Sotschi 2014
  • Die meisten Teilnehmer: zirka 2900 in Sotschi
  • Die meisten Entscheidungen: 98 in Sotschi
  • Häufigste Starter Männer : Albert Demtschenko (Russland) im Rodeln von 1992-2014;
    Noriaki Kasai (Japan) im Skispringen von 1992-2014 (jeweils sieben Teilnahmen)
  • Häufigste Starter Frauen : Emese Hunyady (Österreich) im Eisschnelllauf von 1984-2002;
    Marja-Liisa Kirvesniemi (Finnland) im Skilanglauf von 1976-1994;
    Gerda Weissensteiner (Italien) im Bob/Rodeln von 1988-2006;
    Claudia Pechstein (Berlin) im Eisschnelllauf von 1992-2014
  • Erfolgreichster Athlet: Björn Dählie (Norwegen) im Skilanglauf von 1992-98 mit acht Gold- und vier Silbermedaillen
  • Erfolgreichste Athletin: Ljubow Jegorowa (GUS) im Skilanglauf von 1992-94 mit sechs Gold- und drei Silbermedaillen
  • Erfolgreichste Nationen :  Deutschland mit 129 Olympiasiegen vor Russland mit 124 Goldmedaillen
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