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Löws Zukunftspläne weiterhin ungewiss

Sehnsucht nach Jogiburg Löws Zukunftspläne weiterhin ungewiss

Bundestrainer Joachim Löw hat geschafft, was nur Optimisten für möglich hielten – aber macht er auch weiter? „Ich brauche ein paar Tage der Ruhe, weil ich keine Entscheidungen unter Emotionen treffen möchte“, sagte Löw am Sonntag, „ich muss mir überlegen, ob ich die Kraft und die Energie habe, die Mannschaft weiter voranzubringen.“

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Es geht um Geld, Gefühle – und Geduld: Joachim Löw will nicht sofort über die Fortsetzung des Bundestrainerjobs entscheiden.

Quelle: dpa

„Soccer City“, das gewaltige WM-Stadion in Soweto, da hätte Joachim Löw gerne ein zweites Mal gespielt. Joburg nennen die Südafrikaner ihre WM-Hauptstadt Johannesburg, deutsche Fans haben sie spaßeshalber in Jogiburg umgetauft. Finale mit Löw in Jogiburg, das wäre es am Sonntag gewesen. Doch als dort um 20.30 Uhr das WM-Endspiel zwischen Spanien und den Niederlanden angepfiffen wurde, war der Bundestrainer mit seiner Mannschaft bereits seit einer halben Stunde in der Luft, auf dem Heimweg nach Deutschland. Vom Ausgang des Finales erfuhr Löw vom Piloten im Airbus A 380.

Für Löw war die WM einen Tag vorher mit dem Spiel um Platz 3 zu Ende gegangen. Der 3:2-Sieg gegen Uruguay war sein 56. Länderspiel als Bundestrainer, 39 davon hat er gewonnen. 2008 ist er mit Deutschland Vizeeuropameister geworden. An der Seite von Jürgen Klinsmann führte Löw die Mannschaft im deutschen WM-Sommermärchen vor vier Jahren zum 3. Platz. Bei seiner ersten WM als allein verantwortlicher Chefcoach wurde Löw erneut Dritter – gerechnet hatten vor der WM damit nur Optimisten. Löw ist, so kurios das klingt, seit dem Schlusspfiff in Port Elizabeth arbeitslos. Sein Vertrag – und der seines gesamten Trainerteams inklusive Nationalelfmanager Oliver Bierhoff – endete mit der WM. Mit dem Abpfiff wird damit auch für ihn zum Thema, was er während der vergangenen 60 Tage „komplett beiseite geschoben“ hat: seine Zukunft. War die WM auch Löws persönlicher Schlusspunkt? War das 56. Länderspiel sein letztes als Bundestrainer? Oder sitzt er im August beim ersten Spiel nach der WM in Dänemark zum 57. Mal auf der Bank und wird die Nationalmannschaft zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine führen?

Finale: Spanien hat es geschafft! Mit 1:0 (0:0) besiegt es die Niederlande und wird zum ersten Mal Fußball-Weltmeister.

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Löw saß am Sonntag gemeinsam mit Theo Zwanziger, dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), und Bundespräsident Christian Wulff auf dem Podium im WM-Quartier in Erasmia. Um exakt 12.16 Uhr begann die letzte deutsche Pressekonferenz in Südafrika. Es gab viele warme Worte, Zwanziger startete eine etwas verhaltenere Werbeoffensive um Löw und für eine Vertragsverlängerung des Bundestrainers als in den vergangenen Tagen. Löw blieb seinem Kurs treu und nannte seine Zukunft „völlig offen“. So hatte es auch Klinsmann 2006 getan, um dann nach einer Bedenkzeit dem DFB mitzuteilen, dass er seine Mission als beendet ansieht. Wird es Löw genauso machen? Seine Worte am Sonntag erinnerten stark an die von Klinsmann vor vier Jahren: „Ich brauche ein paar Tage der Ruhe, weil ich keine Entscheidungen unter Emotionen treffen möchte“, sagte Löw, „ich muss mir überlegen, ob ich die Kraft und die Energie habe, die Mannschaft weiter voranzubringen.“

Selbst Vertraute schwören Indianerehrenworte, dass sie nicht wissen, was Löw vorhat. „Darüber hat er während der WM kein einziges Wort geredet“, sagte einer aus dem Löw-Zirkel. Wahrscheinlich ist das wirklich so: Löw hat sich während des Turniers jeden Tag mit seinen Spielern und den Gegnern beschäftigt, er hatte mit dem ersten Tag der Vorbereitung beschlossen, das Thema links liegen zu lassen, weil es ihn nur abgelenkt hätte. Das erscheint glaubwürdig, weil Löw in seiner Amtszeit nie den Eindruck erweckt hat, dass ihm sein eigenes Fortkommen wichtiger ist als der Fortschritt seiner Mannschaft. Hätte er am Sonntag, einen Tag nach dem Turnierende für Deutschland, verraten, was er machen wird, wären alle Beteuerungen unglaubwürdig gewesen.

Unstrittig ist, dass ihn Indiskretionen des DFB nach den geplatzten Vertragsverhandlungen Anfang des Jahres gekränkt haben. Da konnte Verbandspräsident Theo Zwanziger noch so oft betonen, alles sei mittlerweile ausgeräumt. Dass Gesprächsinhalte aus kleinen, vertraulichen Runden auf dem Marktplatz des Boulevards landeten und Löw in der Öffentlichkeit als Raffzahn dastand, hat ihn nicht nur geärgert. Das hat ihn verletzt. Dass Zwanziger der „Bild“-Zeitung vor dem Spiel um Platz 3 verriet, dass es in früheren Gesprächen mit ihm nie um eine Vertragsverlängerung bis 2014 gegangen sei, wird Löw erneut zu denken gegeben haben. Bei der Siegerehrung für Platz 3 in Port Elizabeth ließ Löw den DFB-Chef die Distanz spüren.

Es gilt als sicher, dass Löw bei einem Scheitern in der Vorrunde aufgehört hätte. Doch der Erfolg bei der WM – Deutschland gehört erneut zu den besten vier Teams der Welt – und vor allem die Spielweise seiner jungen Mannschaft könnten Löw das Weitermachen erleichtern. Er ist es, der diese Mannschaft nach seinen Vorstellungen geformt und geprägt hat. Eine junge Truppe mit Spielern, die sich wünschen, dass ihr Bundestrainer auch künftig Löw heißt, und die das auch bei jeder Gelegenheit artikulieren. Diese Mannschaft wird größtenteils zusammenbleiben, sie ist noch nicht am Ende ihres Weges, und Löw ist ehrgeizig genug für die Herausforderung, die Spieler bis zum Erreichen des Ziels – einem Titelgewinn – zu begleiten. „Die Mannschaft hat ein weltmeisterliches Turnier gespielt“, sagte der 50-Jährige.

Zum Abschluss der Fußball-WM haben wir einige der besten Bilder zusammengestellt....

Bild: Fans beim Spiel Deutschland-Australien

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Löw-Kenner gehen deshalb davon aus, dass die Chancen, dass er Bundestrainer bleibt, mit der WM gestiegen und größer sind als die Gefahr, dass er Schluss macht. Auch die Zustimmung aus der Liga dürfte Löw nicht kaltlassen. „Diesen Trainer und diese Mannschaft darf man nicht trennen. Sie haben das Potenzial, auf Jahre hinaus eine führende Rolle im Weltfußball zu spielen“, sagte beispielsweise Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge.

Am Geld wird es nicht scheitern. 2,5 Millionen Euro verdiente Löw pro Jahr, zum Vergleich: Englands Trainer Fabio Capello bekam bisher 8,8 Millionen Euro überwiesen. So viel wird für den Bundestrainer nicht drin sein, gegen eine Aufstockung auf mindestens drei Millionen Euro wird sich der DFB aber nicht sperren. Spannender bleibt, ob Löw seine durch die Liga- und Fanmeinung sowie den Erfolg gestärkte Machtposition benutzt, um Bedingungen für ein Weitermachen zu stellen. Manager Bierhoff hat bereits gesagt, dass er nur mit Löw weitermachen würde, es gilt als sicher, dass das umgekehrt auch gilt. Es werden spannende Tage. Auch nach der WM.

Aus Pretoria berichtet Heiko Rehberg

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