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„Diesen Olympiasieg habe ich für immer“

100-Meter-Läuferin Annegret Richter „Diesen Olympiasieg habe ich für immer“

Als Annegret Richter 25 Jahre ist, hat sie zwei Träume: Olympiasiegerin werden und als erste Frau der Welt die 100 Meter in unter elf Sekunden laufen. Ein Traum geht vor 40 Jahren bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal in Erfüllung, der andere bleibt ihr verwehrt.

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„Da ist eine große Last von mir gefallen“: Annegret Richter läuft über 100 Meter bei den Olympischen Spielen in Montreal in 11,08 Sekunden als Erste ins Ziel.

Quelle: Imago

Es ist das Duell der großen Rivalinnen. Annegret Richter gegen Renate Stecher. BRD gegen DDR. Beide zählen bei den Olympischen Spielen in Montreal über 100 Meter zu den Favoritinnen auf die Goldmedaille. Im Halbfinale läuft Richter neuen Weltrekord. Bei 11,01 Sekunden stoppt die Uhr. Es ist eine Kampfansage an die Konkurrentin aus dem Osten und zugleich der Moment, der Richter noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Olympia in Montreal, 25. Juli 1976. Beim 100-Meter-Halbfinale lassen Sie, deutlich in Führung liegend, plötzlich austrudeln. Warum?
Das wirkte nur so. Ich bin schon durchgelaufen. Locker durchgelaufen.

11,01 Sekunden - neuer Weltrekord! Ihr Trainer meinte später, mit „voller Pulle“ wären Sie unter elf Sekunden geblieben, als erste Frau der Welt. Ärgern Sie sich darüber?
Darüber kann ich mich nicht ärgern. Eher über den Endlauf: drei Fehlstarts! Beim ersten Versuch ist die Startmessung ausgefallen, man hat uns sehr spät zurückgeschossen. Da hatte ich einen Start erwischt wie noch nie. Damit wäre ich unter elf Sekunden geblieben.

Nach dem vierten Start im Finale laufen Sie durchs Ziel, diesmal mit „voller Pulle“, DDR-Sprinterin Renate Stecher hinter Ihnen, Sie gewinnen Gold in 11,08 - welcher Gedanke schießt Ihnen in den Kopf in dieser einen Sekunde?
Gedanke? Ich war noch nicht hundertprozentig sicher, ob ich vorne war. Das habe ich erst auf der Leinwand gesehen, das gab es ja in Montreal das erste Mal. Da ist eine große Last von mir gefallen. Ich war so erleichtert. Den Gedanken, was durch den Olympiasieg alles kommen wird, den hatte ich da noch gar nicht.

Sie waren die schnellste Frau der Welt, zumindest für ein Jahr. Was hat Ihnen das bedeutet?
Das ist ein schönes Renommee. Aber ein Weltrekord ist vergänglich. Der Olympiasieg war mir viel wichtiger. Den kann mir keiner nehmen, den habe ich für immer. An diesem Tag, dem wichtigsten Wettkampf des Jahres, genau auf den Punkt fit zu sein und die beste Leistung abzurufen, das bedeutet mir unheimlich viel.

Wie war das für Sie und Renate Stecher: zwei Sprinterinnen, beide aus Deutschland, aber trotzdem Rivalinnen?
Renate und ich sind uns über meine gesamte sportliche Laufbahn immer wieder begegnet. Wir haben uns respektiert. Irgendwie waren wir uns schon näher als Athletinnen anderer Nationen, auch wenn vor allem sie das nicht so zeigen konnte. Aber wir haben auch Möglichkeiten genutzt, kurz zu sprechen.
Sie haben sich mit ihr befreundet, nach dem Fall der Mauer?
Ja. Wir haben uns direkt nach der Grenzöffnung wieder in Verbindung gesetzt und haben einen sehr guten Kontakt. Wir treffen uns ab und zu, wir telefonieren.

War Doping zwischen Ihnen beiden ein Gesprächsthema?
Nein. Ich habe sie so respektiert, wie ich sie gesehen habe. Ich glaube, das war auch gut so.

Sind Sie selbst jemals ermuntert worden, leistungssteigernde Mittel zu nehmen?
Nein.

Trauen Sie den Fabelzeiten der Sprinter etwa aus Jamaika?
Schwierige Frage. Für mich gilt der Grundsatz: Solange ein Athlet nicht überführt wurde, ist er für mich ein sauberer Athlet. Da zweifle ich auch nichts an.

Marlis Göhr aus der DDR ist 1977 die erste Frau unter elf Sekunden gewesen: Weltrekord in 10,88. Das war eigentlich immer Ihr Traum.
Ja. Ich habe mir jedes Jahr ein relativ hohes Ziel gesetzt. 1976 bin ich Weltrekord gelaufen und Olympiasiegerin geworden. Nach der Saison wollte ich dann noch ein Jahr weitermachen mit dem Ziel, unter elf Sekunden zu laufen. Da ist mir Marlis mit ihrem Weltrekord zuvorgekommen. Ich habe dann im Herbst 1977 meinen Rücktritt erklärt - aber mir fehlte der Sport zu sehr. Deswegen nahm ich im Frühjahr 1978 das Training wieder auf. Das Ziel: Olympia 1980 in Moskau. Das wären nach München 1972 und Montreal meine dritten Spiele gewesen.

Wie haben Sie den Beschluss der Bundesregierung empfunden, wegen des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan die Spiele in Moskau zu boykottieren?
Das hat mich hart getroffen. Die Athleten, die sich so lange darauf vorbereitet haben, mussten darunter leiden. Und das Ganze hat nichts gebracht.

Fehlt Ihnen dadurch der Abschluss Ihrer Laufbahn?
Ja, das wurde mir genommen.

Wo würden Sie bei Olympia in Rio landen, mit der Zeit von 11,01 Sekunden?
Hm, damit könnte man mit etwas Glück in den Endkampf kommen. Gutes Wetter werden sie wahrscheinlich haben ...

Sitzen Sie dann vorm Fernseher?
Auf jeden Fall. Da bin ich sehr intensiv dabei.

Mit wem fiebern Sie besonders mit?
Mit der deutschen Sprinterin Gina Lückenkemper. Die läuft jetzt auch für meinen Verein, die LG Olympia Dortmund. Ich hoffe, dass sie sich bei den Spielen in Rio zeigen kann.

Ihr Tipp: Was könnte sie erreichen?
Wenn sie in Rio ihre Leistung abruft, traue ich ihr den Endlauf über 100 Meter zu.

Sie sind jetzt 66. Wie halten Sie sich fit?
Ich laufe, und zwei- bis dreimal die Woche gehe ich ins Fitnessstudio.

Wie schnell sind Sie heute über 100 Meter?
Das weiß ich nicht. Ich habe die Spikes nie wieder angezogen.

Von Lars Fetköter

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