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„Wenn mein Bein ab ist, kann ich schneller rennen“

Paralympics 2016 „Wenn mein Bein ab ist, kann ich schneller rennen“

Danielle Bradshaw will zu den Paralympics 2016 nach Brasilien. Doch die einseitig amputierte Engländerin kommt sportlich derzeit nicht weiter, weil ihr gesundes Bein schmerzt. Nun will sie sich dieses auch amputieren lassen und wie Pistorius auf zwei Stelzen laufen.

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Danielle Bradshaw, die im Sprint, Diskuswerfen und Kugelstoßen antritt, hat bei englischen Meisterschaften schon einige Medaillen gewonnen.

Quelle: dpa

Leipzig. Der Wunsch von Danielle Bradshaw ist so radikal wie außergewöhnlich. Die 15-Jährige aus Manchester will sich auch ihr zweites Bein amputieren lassen, um sich so ihren Traum von den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro zu erfüllen. „Für die Zukunft hoffe ich, dass ich eine Doppel-Amputierte werde und dort die Beste sein kann. Ich hoffe, dass ich Bestleistungen über 100 Meter, im Diskuswerfen und Kugelstoßen bringen kann“, sagte die Teenagerin in einem Youtube-Video von „Daily News Television“.

Selbstbewusst schaut Danielle Bradshaw in die Kamera - sie sich ihrer Sache ganz sicher. Denn sie will nur eines: Sport treiben und sich mit den weltbesten Behindertensportlern messen. Doch das geht derzeit nicht, Probleme mit dem linken Bein machen ihr zu schaffen. Deshalb ist Danielle Bradshaw überzeugt: „Wenn mein Bein ab ist, kann ich schneller rennen.“

Danielle Bradshaw wurde mit einer beidseitigen Fehlstellung der Hüfte und einer Fehlbildung des rechten Knies geboren. Ihr rechtes Bein konnte sie nie benutzen, sie war immer auf einen Rollstuhl oder Krücken angewiesen. Auch zwölf Operationen besserten ihren Zustand nicht. „Sie ist nie gerannt, sie hatte keine Kindheit wie andere“, sagte ihre Mutter Debbie Quigley „Foxnews“ und warb um Verständnis für den Wunsch ihrer Tochter: „Sie will ihr Leben jetzt leben und nicht erst, wenn sie alt ist.“

Inspiriert von dem beidseitig amputierten Paralympics-Star Oscar Pistorius und Afghanistan-Soldaten bat Danielle Bradshaw im Alter von elf Jahren Ärzte, ihr das rechte Bein zu amputieren und schockte damit Familie und Freunde. Doch die Mediziner erfüllten ihr den Wunsch. „Sport ist ihr Leben. Das Wort Nein gibt es in ihrem Wortschatz nicht. Wenn sie etwas will, bekommt sie es auch“, sagte Bradshaws Stiefvater Darren Quigley dem „Daily Express“.

Preis für „Tapferkeit im Angesicht der Behinderung“

Kurz nach der Operation im September 2010 erhielt Danielle Bradshaw eine Prothese, die an die Hightech-Stelzen von „Bladrunner“ Pistorius erinnert. Den Südafrikaner hat die Schülerin auch schon getroffen und mit ihm über ihre Erfahrungen gesprochen. „Es wird immer wieder harte Zeiten geben, aber die machen dich stärker. Toll, dass du diesen Weg gehst“, gab Pistorius der Nachwuchssportlerin im Sommer 2011 mit auf den Weg. In diesem Jahr traf sie im Buckingham-Palast zudem die englische Prinzessin Anne und wurde mit einem Preis für „Tapferkeit im Angesicht der Behinderung“ ausgezeichnet.

Mittlerweile hat Danielle Bradshaw, die im Sprint, Diskuswerfen und Kugelstoßen antritt, bei englischen Meisterschaften schon einige Medaillen gewonnen. Doch nun behindert das linke Bein die 15-Jährige in ihrer sportlichen Entwicklung, ihre Zeiten wurden schlechter. Die Engländerin verspürt Schmerzen, da das „gesunde“ Bein den hohen Belastungen des Trainings nicht standhält. Die Zehen an ihrem linken Fuß sind verformt, die Bänder stark geschädigt.

„Sie muss jeden Tag Medikamente nehmen, trägt an Knie und Knöchel unterstützende Bandagen. Das alles macht sie langsamer“, erklärt ihr Stiefvater. „Danielle will einfach nur laufen und lässt sich dabei von niemandem aufhalten - auch nicht von ihrem Fuß. Diese Operation würde ihre Lebensqualität verbessern. Sie will nicht mit diesen ständigen Schmerzen leben.“

Deshalb will sie sich nun auch das linke Bein amputieren lassen, um dann auf zwei Prothesen - wie Pistorius oder die deutsche Weitsprung-Europameisterin Vanessa Low - an internationalen paralympischen Wettkämpfen teilnehmen zu können. „Nichts wird mich davon abhalten, meinen Sport zu machen. Ich will in dem, was ich mache, richtig gut werden. Und ich will andere behinderte Menschen ermutigen, Sport zu machen“, sagt Danielle Bradshaw.

dpa

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