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André Greipel nicht zu schlagen

Tour de France André Greipel nicht zu schlagen

Auf den Spuren von Erik Zabel: Der Rostocker André Greipel hat mit bereits zwei Etappensiegen bei der Tour de France nicht nur das Grüne Trikot des bestens Sprinters erobert, er hat sich auch den Respekt der anderen Radsportler erarbeitet. "Der gewinnt nur kleine Scheißrennen" – dieser Satz von Mark Cavendish trifft nicht mehr zu.

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Schon zwei Etappen gewonnen: André Greipel im Grünen Trikot.

Quelle: dpa

Le Havre. Zu seinen Tour-Anfängen stand er im Schatten von Mark Cavendish und Marcel Kittel. Bestenfalls konnte André Greipel den Titel des Kronprinzen unter den Topsprintern beanspruchen. Bei der Tour de France 2015 ist alles anders. Zwei Siege nach fünf Etappen, dazu das Grüne Trikot: Mit insgesamt acht Etappenerfolgen ist er zusammen mit dem diesmal wegen Formschwäche fehlenden Kittel und Altmeister Rudi Altig die Nummer zwei hinter Erik Zabel (12) in der deutschen Ewigen-Bestenliste. "Ich genieße jeden Tag hier", sagte Greipel nach seinem Triumph in Amiens. Dort hatte Altig, der erste deutsche Radprofi in grün, 1962 gesiegt.

Das Tour-Zentralorgan "L'Équipe" beschrieb die augenblickliche Dominanz Greipels und bedauerte die chancenlose Konkurrenz "unter dem Joch des Gorillas". Diesen eigentlich wenig schmeichelhaften Spitznamen aus der Tierwelt bekam der gebürtige Rostocker wegen seiner imposanten Muskelberge - und hat ihn inzwischen zu einer Art Markenzeichen gemacht. "Ich denke, meine Eltern haben einen guten Job gemacht, ich habe die richtigen Schnellkraft-Muskeln", sagte Greipel.

Sein neues Erfolgsgeheimnis: So locker wie jetzt wirkte der Familienvater, kein Freund großer Worte, noch nie. Vor der Tour versuchte sich der 32-Jährige als Rapper ("Ready to Fight"), bei Interviews des französischen Fernsehens sogar in der Landessprache. Überhaupt wirkt der zweifache deutsche Meister mit steigendem Erfolg immer zugänglicher und weniger verbissen.

Über Cavendish redet kaum noch jemand

Greipel durfte erst in reifem Rennfahrer-Alter 2011 seine erste Tour bestreiten und gewann seitdem jedes Mal wenigstens einen Tagesabschnitt. Davor, zu Zeiten des T-Mobile-Nachfolgers HTC Columbi, hatte ihn stets Cavendish ausgebremst und seinen Teamkollegen mit Schmähungen ("Der kann nur kleine Schießrennen gewinnen.") wenig gentlemanlike getriezt.

Inzwischen gewinnt Greipel längst die ganz großen Rennen und hat auch mit dem impulsiven Briten aus Tony Martins Etixx-Quick-Step-Mannschaft ein wenig Frieden geschlossen. Bei der 102. Tour redet zur Zeit kaum jemand noch von Cavendish, der sowohl in Zeeland als auch in Amiens keine Chance gegen den "Gorilla" hatte.

Das Grüne Trikot als Ziel für Paris

An Greipels Erfolgsstory hat auch sein alter Kumpel und Teamkollege Marcel Sieberg mitgeschrieben. Beide kennen sich seit 20 Jahren. "Er ist nicht nur ein Klassefahrer, sondern auch mein bester Freund", sagte Greipel über den mit 1,98 Meter Längsten im Tourfeld. "Marcel ackert für drei. Er ist in der Form seines Lebens". Sein selbstloser Helfer fühlt sich im Augenblick jedenfalls "so glücklich wie noch nie", schränkte aber ein: "Ich hatte bisher nie die Möglichkeit, einen großen Sieg herauszufahren, ich weiß also nicht, ob diese Glücksgefühle noch zu steigern sind."

Die Leitung seiner belgischen Lotto-Soudal-Mannschaft unter der Regie des Ex-Profis Marc Sergeant hat offensichtlich das Grüne Trikot als großes Ziel für Greipel ausgemacht. Der Spitzenreiter der Punktwertung, der sich noch mit aller Kraft auch in die Zwischensprints wirft, ist aber Realist. "Ich werde das Grüne Trikot nicht so einfach hergeben, aber Sagan wird auf den Bergetappen mehr Punkte machen als ich - das wird schwer", meinte Greipel, der aus Aberglaube nach jeder Etappe seine Rennschuhe höchst persönlich wäscht.

dpa

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