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Zu Besuch bei den Rollstuhlbasketballern

Hannover United Zu Besuch bei den Rollstuhlbasketballern

Rollstuhl, Ball, Gegner, Korb: Rollstuhlbasketball birgt mehr Action als gedacht. HAZ-Sportredakteur Christian Purbs hat mit den Bundesliga-Rollstuhlbasketballern von Hannover United trainiert.

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Die Rollstuhlbasketballer von Hannover United trainieren ihre Treffsicherheit für die großen Auftritte in der Bundesliga.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Es ist das erste Mal – und es macht richtig Bock. Aber, ups, darf man das überhaupt sagen, darf man sich seinen Spaß anmerken lassen, wenn man in einem Rollstuhl sitzt? Ein Blick auf die anderen Rollstuhlfahrer in der Turnhalle reicht als Antwort: Die Atmosphäre ist locker, es wird gelacht, alle haben Spaß. Alles okay.

Es ist Montagabend, ich bin mit Martin Kluck, Spielertrainer des Erstligisten Hannover United, verabredet, um beim Training des Rollstuhlbasketball-Teams mitzumachen. Es ist das erste Mal, dass ich einen Sport im Sitzen ausübe, was meinem Alter und Naturell entgegenkommen sollte. Eine Fehleinschätzung, wie sich schon nach den ersten Minuten zeigt. Doch dazu später. Mein erster Eindruck: Ich bin überrascht, wie wendig und gut zu steuern der Rollstuhl ist. Kluck erklärt kurz, wie ich mit dem Sportgerät, bei dem besonders die extreme Neigung der Räder (bis zu 20 Grad) auffällt, richtig beschleunige und bremse. Und an welchem Rad ich drehen muss, wenn ich die Kurve kriegen will. Das ist einfach.

HAZ-Sportredakteur Christian Purbs war zu Gast bei den Rollstuhlbasketballern von Hannover United.

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Dann wirft mir der United-Trainer einen Ball zu. Ich lege den Ball auf meinen Schoß und fahre zum Korb. Easy. „Na ja“, sagt Kluck, „ganz so einfach geht das dann doch nicht.“ Die Spieler müssen genau wie beim sogenannten Fußgängerbasketball auch beim Rollstuhlbasketball dribbeln. Zieht der Spieler mehr als zweimal am Greifring des Rades, während der Ball auf den Beinen liegt, hat er einen Schubfehler begangen – dem Äquivalent zum Schrittfehler.

Überhaupt unterscheidet sich Rollstuhlbasketball nicht sehr vom herkömmlichen Basketballspiel: Fünf Spieler pro Team, die Regeln entstammen dem klassischen Basketball, und der Korb hängt ebenfalls in 3,05 Meter Höhe. Was jedoch sitzend betrachtet sehr hoch ist. Ich fahre gemütlich unter den Korb, werfe und treffe – im fünften Versuch. Okay, es kann losgehen, ich bin bereit.

Nur eine Sache noch: Die Bundesliga-Mannschaft von United hat auf dem großen Spielfeld bereits mit dem Training begonnen, immer wieder rasseln die Spieler mit ihren Rollstühlen zusammen. Ist das nicht gefährlich? „Es sieht spektakulärer aus, als es ist. Und wenn die Spieler aus dem Rollstuhl fallen, dann fallen sie ja nicht so tief“, sagt Spielertrainer Kluck: „Wenn überhaupt, gibt es fast nur Prellungen.“
Der 31-Jährige ist Stützpunkt- und Landestrainer für Rollstuhlbasketball beim Behinderten-Sportverband Niedersachsen und hat als „Fußgänger“ schon als Kind seine Begeisterung für diesen Sport entdeckt. „Mein Vater hat eine Rollstuhlbasketball-Mannschaft trainiert. Wenn ein Rollstuhl frei war, saß ich da drin. Mit zwölf Jahren habe ich mir einen Rollstuhl zu Weihnachten gewünscht. Seitdem bin ich dabei.“

Genau wie ich jetzt im Trainingsspiel, vier gegen vier. Und ich verstehe erst mal gar nichts. „Wir fischen nicht nach dem Ball, bevor wir den Stuhl nicht gestellt haben“, erklärt Stefan Tilgner, Trainer der Regionalliga- und Landesliga-Teams von United. Schon klar. Fischen, stellen, pushen, blocken: Ich bin völlig überfordert – und dennoch begeistert von der Dynamik dieser Sportart. Hin und her geht es mit dem Rollstuhl, dem Gegner den Weg verstellen, auf Finten schnell reagieren und dann selbst mit Volldampf in den Angriff, um sich in eine gute Wurfposition zu bringen.

Rollstuhl, Ball, Gegner, Korb: Das ist jedoch alles ein bisschen viel auf einmal. „Du nimmst auf unserer Abwehrseite die Zweite und blockst sie“, sagt mein Mitspieler Gunter. Die zweite Gegnerin, die auf unseren Korb zurollt, heißt Kristina, umkurvt mich problemlos und kommt frei zum Wurf. „Okay“, sagt Gunter, „ich erkläre es dir noch einmal.“

Besonders das Blocken, also sich dem Gegenspieler mit dem Rollstuhl in den Weg stellen, dass es kracht, kostet am Anfang Überwindung. Keine Frage, der Sport bietet mehr Action, als ich erwartet hatte. Nach einer halben Stunde ist mein Shirt durchgeschwitzt, die Blasen an beiden Händen schmerzen höllisch. Auch die Arme wollen nicht mehr, sie fühlen sich schwer an und zittern so sehr, dass mein letzter Wurfversuch peinlich weit danebengeht. Zeit zum Aufhören.

Spaß gemacht hat’s dennoch, ein tolles, rasantes Erlebnis. Gunter sagt, ich soll nächste Woche wieder vorbeikommen. Ich gebe ihm Zeit, damit er in seinen nächsten Satz etwas Lob für den Neuen und vielleicht das Wort Talent einbauen kann. Er sagt: „Wir können hier jeden gebrauchen.“     

Verstärkung gesucht

Wer hochklassiges Rollstuhlbasketball einmal live erleben möchte, hat dazu am 24. Oktober beim United-Heimspiel gegen den USC München die nächste Gelegenheit. Gespielt wird in der Halle der IGS Stöcken, Eichsfelder Straße 38. Beginn ist um 18 Uhr. Vielleicht gibt es dann nach Niederlagen gegen Hamburg und den RSV Lahn-Dill (30:92) das erste Erfolgserlebnis für den Bundesliga-Aufsteiger. Wer Rollstuhlbasketball einmal selbst ausprobieren möchte, kann montags nach vorheriger Anmeldung (info@hannover-united.de) zum Training in die Halle des LSB-Internats kommen. Weitere Infos gibt es unter www.hannover-united.de

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