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DOSB-Chef Hörmann teilt aus

Mitgliederversammlung in Hannover DOSB-Chef Hörmann teilt aus

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat auf der Mitgliederversammlung im Maritim Airport Hotel in Hannover eine Erklärung zu „Flüchtlingen in Sportdeutschland“ verabschiedet. Außerdem zeigte sich der Dachverband empört über die Planung eines "Bundesamtes für Sport". Präsident Hörmann hielt eine mutige Ruckrede.

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Der Präsident des DOSB, Alfons Hörmann, spricht während der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes in Hannover.

Quelle: dpa
  • Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hält im Maritim Airport Hotel in Hannover seine Mitgliederversammlung ab.
  • Der DOSB ist empört über einen Vorschlag des Bundesinstituts für Sportwissenschaften (BISp), ein „Bundesamt für Sport“ zu schaffen.
  • Außerdem verabschiedete der DOSB eine Erklärung zu "Flüchtlingen in Sportdeutschland".

Hannover. Die Eröffnung der Mitgliederversammlung fand Freitagabend im Schloss Herrenhausen statt. Bereits am Vormittag trug sich DOSB-Chef Alfons Hörmann ins Goldene Buch der Stadt Hannover ein. „Ein herzliches Dankeschön an die Sportstadt Hannover für die seit 65 Jahren fortwährende Partnerschaft mit ,Sportdeutschland‘“, schrieb Hörmann. Man habe in Hannover die Gelegenheit, die Dinge sehr offen und transparent miteinander zu diskutieren, hatte Hörmann zuletzt im Bezug auf Hamburg 2024 gesagt. Dabei müsse man auch darüber nachdenken, wie es mit dem deutschen Sport weitergeht, insbesondere mit Blick auf die geplante Leistungssportreform.

"Wir sollten in die Hände spucken und an die Arbeit gehen“

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat am Sonnabend den Sport nach der gescheiterten Hamburger Olympia-Bewerbung aufgefordert, nach vorn zu schauen. „Der letzte Sonntag war eine riesige Enttäuschung nicht nur für den Sport, sondern für uns alle“, sagte er auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Samstag in Hannover. „Es wäre aber falsch, sich in Enttäuschung zu ergötzen oder uns mit Schuldzuweisungen zu beschäftigen. Wir sollten in die Hände spucken und an die Arbeit gehen.“

Jetzt sei es besonders wichtig, die Neustrukturierung des Leistungssports voranzutreiben. „Ich glaube, dass die Reform des Spitzensports unabhängig von einer Olympia-Bewerbung notwendig ist“, sagte der CDU-Politiker und forderte, gemeinsam und vertraulich daran zu arbeiten: „Müssen wir es tun? Ich fände es schöner, wenn wir sagen: Wir möchten es tun!“ Das Innenministerium und der DOSB lägen mit ihren Ansichten nahe beieinander.

Der Deutsche Olympische Sportbund will auf seiner Mitgliederversammlung in Hannover einen Schlussstrich unter die gescheiterte Olympia-Bewerbung Hamburgs ziehen.

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Beim Thema der zukünftigen finanziellen Förderung blieb der Minister vage. „Erst müssen wir vernünftige Konzepte erarbeiten und dann müssen wir klären, wen und was wir finanzieren“, erklärte de Maizière, der aus dem Ziel, mehr Medaillen bei Olympischen Spielen zu gewinnen, keinen Hehl macht. Er betonte deshalb noch einmal: „Wenn der Staat Spitzensportförderung macht, muss auch Spitzensport rauskommen. Das ist das Ziel.“

Sorge um Sporthallen-Belegung mit Flüchtlingen

Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat auf der Mitgliederversammlung in Hannover seine Sorgen über die Sporthallen-Belegung mit Flüchtlingen artikuliert. Außerdem fordert der DOSB eine signifikante Erhöhung der Zuwendungen für das Bundesprogramm „Integration durch Sport“, um den Aufgaben angesichts des großen Zustroms von Flüchtlingen gerecht werden zu können. Dies sind Eckpunkte einer vom DOSB am Samstag einstimmig verabschiedeten Erklärung zu „Flüchtlingen in Sportdeutschland“.

Der DOSB sorgt sich über die zunehmende und oft kurzfristige Nutzung von Sporthallen zur Unterbringung von Flüchtlingen und befürchtet, dass künftig auch „die Beschlagnahmung von vereinseigenen  Sporträumen“ nicht ausgeschlossen ist. Die Belegung von Sporthallen dürften nur als „letzte Notlösung“ dienen, und die Zweckentfremdung müsse „auf ein unvermeidbares Minimum“ beschränkt werden.

Der DOSB appelliert an die Kommunen, die Länder und den Bund, „mit aller Kraft, national und international politische Lösungen zu finden“ und die Zivilgesellschaften einzubinden, um Flüchtlinge adäquat willkommen heißen und vor allem für einen „wertschätzenden Umgang“ mit ihnen Sorge tragen zu können.

„Sportdeutschland ist sich seiner Mitverantwortung zur Unterstützung von Menschen in Not bewusst und bereit, im partnerschaftlichen Miteinander seinen Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen zu leisten“, heißt es in der DOSB-Erklärung.

Reform wird "ein nationaler Kraftakt"

DOSB-Präsident Alfons Hörmann zog mit einer mutigen Ruckrede einen dicken Schlussstrich unter das schmerzliche Olympia-Aus und schwor den Sportbund zugleich auf die Zukunft ein. In seinem sportpolitischen Rundumschlag übte er unverblümt Kritik an Politik, an den in Skandale verstrickten Sportverbänden und Funktionären. Die Delegierten quittierten den Auftritt mit Ovationen. Auch von de Maizière erhielt er Lob: "Das war eine Rede mit einem starken Führungsanspruch."

Sechs Tage nach dem Olympia-Aus an der Elbe und den negativen Auswirkungen darauf durch die jüngsten Skandale in großen Sportverbänden entlud sich noch einmal die Enttäuschung und Wut bei Hörmann. "Es war kein normales Sportjahr wie viele zuvor", sagte er und attackierte besonders den Fußball-Weltverband FIFA und dessen suspendierten Präsidenten Joseph Blatter.

"Es ist nur noch inakzeptabel, was in dieser Organisation läuft", wetterte er und fügte in Bezug zur Bewerbungspleite hinzu: "Alleine diese Person und Organisation haben viel Kredit und viel Rückenwind versaut." Nach den jüngsten Ereignissen am FIFA-Sitz Zürich "trauen wir uns selbst kaum noch, uns zu outen, dass wir Sportfunktionäre sind. Das kann nicht unsere Zukunft sein."

Enttäuscht zeigte sich Hörmann auch über Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der am Abend des Nein zu Olympia sagte, der Sport müsse liebenswürdiger werden. "Das klingt in der Adventszeit gut und sympathisch", stellte Hörmann ironisch fest und fragte süffisant: Sei es denn liebenswürdig, dass ein Drittel der Schulsportstunden entfallen oder das Bestehen des Schulwettbewerbs "Jugend trainiert für Olympia" am seidenen Faden hing? "Das verstehen wir nicht unter Liebenswürdigkeit."

Überhaupt kein Verständnis hatte er dafür, dass vor dem DOSB-Konvent auf der Webseite des staatlich geförderten Bundesinstituts für Sportwissenschaften (BISp) der Vorschlag gemacht wurde, ein "Bundesamt für Sport" unter Regie des Bundesinnenministeriums zu schaffen, das auch die Förderung der Verbände steuern soll. "Ich sage für den Sport: Das ist nicht unsere Vision", konterte Hörmann diesen Angriff auf die Autonomie des Sports. "Erspart uns eine solche Entwicklung zurück in die vergangenen Jahrhunderte." 

Streit um geplantes "Bundesamt für Sport"

Dem auf der BISp-Homepage veröffentlichten Papier zufolge soll das neue Bundesamt „die Haushalt-Verantwortlichkeit für die gesamte Sportförderung des Bundes“ erhalten. Pikant ist: Die Überlegungen wurden am Vorabend der DOSB-Mitgliederversammlung am Samstag in Hannover und sechs Tage nach dem Aus der Hamburger Olympia-Bewerbung für 2024 bekannt.

„Der DOSB ist keine Unterabteilung des Bundesinnenministeriums. Diese Konstruktion wäre absurd“, wetterte der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper und fürchtet um die Autonomie und Selbststeuerung des Sports. Auch DOSB-Vizepräsident Ingo Weiß war entsetzt: „Das ist Schwachsinn. Da wird ein nach dem Scheitern der Olympia-Bewerbung angeschlagener DOSB attackiert.“

Thomas de Maizière: „Das ist einfach dämlich"

Das BMI, es finanziert das BISp, ist von der Veröffentlichung und dem im Zuge der Neustrukturierung des Leistungssports entwickelten Modells einer „zentralen staatlichen Steuerungs- und Koordinierungsebene unter dem Dach des BMI“ selbst überrascht worden. „Wir haben nicht im Ansatz davon gewusst“, versicherte Gerhard Böhm, Abteilungsleiter Sport im Berliner Innenministerium.

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière wusste nichts von dem BISp-Papier: „Wenn jemand etwa im Internet veröffentlicht, ist es plötzlich ein Geheimplan des Ministeriums“, meinte der CDU-Politiker und fügte an: „Das ist einfach dämlich. Wir sollten uns durch stille Post unser Vertrauen nicht nehmen lassen.“

Die Inventur des deutschen Leistungssports, vom BMI gefordert, läuft seit einem Jahr. Bei dieser Begutachtung geht es darum, überkommene Strukturen anzupassen und um Effizienzsteigerung mit dem Ziel, mehr Medaillen bei Olympia, WM oder EM zu gewinnen - mit einer möglichst  gleichen oder vertretbar höheren finanziellen Förderung durch den Bund. Pro Jahr schüttet das BMI gegenwärtig mehr als 153 Millionen Euro für den Spitzensport aus.

Von einer Verstaatlichung des Spitzensports, wie sie nach dem BISp-Modell drohen könnte, war bisher keine Rede. Und auch nicht davon, dass dem DOSB nur noch die Aufgabe zukommen soll, in Abstimmung mit dem BMI insbesondere zuständig für die „sportfachliche Steuerung und das Controlling der olympischen und nicht-olympischen Spitzenverbände“ zu sein.

In dem Papier mit der Überschrift „Das BISp positioniert sich!“ wird zudem harsche Kritik an den sportwissenschaftlichen Einrichtungen Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) in Leipzig und dem Forschungsinstitut für die Entwicklung von Sportgerät (FES) in Berlin geübt. Beide Institute forschen ausschließlich für die deutschen Sportverbände. Ihnen wird vorgeworfen, träge geworden zu sein. Außerdem verhindere ihre Monopolstellung laut BISp „die Förderung bzw. Einbeziehung innovativer kreativer Wettbewerber und limitiert dadurch die Möglichkeiten eines potenziellen Wissensvorsprungs für den deutschen Spitzensport“.

dpa/ska/jos

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