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Deutsche Handballer müssen zum Rapport

Nach WM-Aus Deutsche Handballer müssen zum Rapport

Die deutschen Handballer haben zum dritten Mal nach Olympia 2012 und der EM in diesem Jahr ein Großereignis verpasst. Damit ist auch die Zukunft von Bundestrainer Heuberger offen. Am Mittwoch muss er beim DHB zum Rapport. Allerdings gibt es Lobeshymnen auf seine Arbeit.

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Niederlage in der WM-Qualifikation: Die deutschen Handballer müssen über ihre Leistungen nachdenken.

Quelle: dpa

Magdeburg. Mit hängenden Schultern und betroffenen Gesichtern saßen Präsident Bernhard Bauer und sein Vize Bob Hanning vor ihren Mikros. Die deutschen Handball-Erneuerer wollten über die olympische Gold-Vision 2020, die weitere Professionalisierung des Verbandes, die WM 2015 als nächste Zwischenstation reden, stattdessen mussten sie ein Desaster erklären. Deutschlands Handballer haben in den Playoffs mit Polen mit einer 28:29 (14:10)-Pleite die WM-Qualifikation verspielt.

Der Faktor Magdeburg, die offiziell 6573 Zuschauer, die „für drei, vier Tore gut sind“ (Hanning), hatten nach der 24:25-Niederlage im Hinspiel nicht geholfen. Jetzt geht es gemeinsam in die Wüste. Für Polen zum Treff der Weltelite im Januar nach Katar, für Deutschland für die nächsten Jahre in die Bedeutungslosigkeit. Nach Olympia 2012 und der EM im Januar in Dänemark ist die Nation mit der stärksten Liga der Welt zum dritten Mal in Folge nur in der Zuschauerrolle. Eine WM wurde zuletzt vor 17 Jahren verpasst. Und: Olympia 2016 ist nur noch durch das Hintertürchen erreichbar. „Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass jetzt eine lange Durststrecke vor uns liegt“, gab Bauer zu. Deutschland verschwindet auf Jahre von der großen Bühne, auch medial.

„Natürlich sind wir etwas enttäuscht, aber es wird weiter Handball gespielt“, sagte Bauer. Auch Hanning war um Schadensbegrenzung bemüht, sagte, dass dies in den Verträgen mit den neuen DHB-Partnern (AOK, DKB) schon mit eingepreist sei. „Wir müssen jetzt aber Demut lernen.“ Erklärungsversuche in Magdeburger Endzeitstimmung. „Ich spüre nur noch Trauer in mir“, war Käptn Uwe Gensheimer fassungslos. Für den 2007er Weltmeister Holger Glandorf war es „meine bitterste Stunde in der Nationalmannschaft“.

Und Trainer Martin Heuberger? Er hatte nach dem Spiel lange im verwaisten Kabinengang gestanden, der wartenden Meute vor der Glastür den Rücken zugedreht. Er hatte ins Nichts geschaut, um Fassung gerungen, um die richtigen Worte. Wohlwissend, dass seine Uhr mit dem auslaufenden Vertrag Ende Juni wohl abgelaufen ist: „Das liegt nicht mehr in meiner Hand, dazu kann ich nichts sagen.“ Hanning schon: „Wir werden jetzt zwei, drei Nächte drüber schlafen und dann in aller Ruhe zeitnah entscheiden.“ Am Mittwoch will er sich mit Bauer und Heuberger treffen. Doch Nibelungentreue hört sich anders an. Martin Schwalb wird schon als Nachfolger gehandelt. Doch der Noch-Hamburger und Hanning sind alles andere als ziemlich beste Freunde. Ein Kandidat: Fuchs-Coach Dagur Sigurdsson. Er hatte sich bereits 2011 um den Job beworben, eine Top-Vorstellung abgegeben, doch der DHB wollte einen deutschen Trainer.

Zur Pause war in Magdeburg noch alles gut. Deutschland spielte Express-Handball. Glandorf traf aus dem Rückraum, Gensheimer war diesmal sicher, und Heinevetter vernagelte sein Tor (zehn Paraden). Nach 12:7 (25.) war Deutschland nach 30 Minuten (14:10) mit einem Bein schon im Sand von Katar. „Wir haben es da verpasst, den Sack zuzumachen“, sagte Heuberger. Einziges Manko: Kiels Kreisläufer Patrick Wiencek humpelte nach zehn Minuten vom Feld. Der Trumpf aus dem Hinspiel, der starke Mittelblock mit Pekeler, ihn gab es nicht mehr. „Ich habe mir das Knie verdreht, es gab dann ja keinen Grund zum Wechseln. Aber ich hätte in jedem Fall weiterspielen können.“

Und so musste er von der Bank aus mit ansehen, wie sein Team den Faden verlor, am polnischen Ersatzkeeper Wyszomirski scheiterte, der Ex-Magdeburger Bielecki das deutsche Team fast im Alleingang abschoss, sich im Stress die Fehler häuften. Das Überzahlspiel? Eine Katastrophe. Auszeiten zum falschen Zeitpunkt, ein verpasster Torwartwechsel (Heinevetter fasste nichts mehr an) passten ins nun konfuse Bild. Und dennoch: Beim 27:25 (57.) hatten Gensheimer & Co. das Ticket in der Tasche. Es waren kleine Fehler, die entschieden – ein Fäth-Fehlpass, ein Weinhold-Wurf neben das Tor. 40 Sekunden vor Schluss machten die Polen mit dem 28:27 alles klar.

Für Heuberger waren drei Gründe entscheidend: „Polen hatte mehr individuelle Klasse. Jurecki, Lijewski und Bielecki, Typen, die Spiele allein entscheiden, fehlen uns.“ Einige Schiri-Pfiffe in der Schlussphase hätten ihn zudem „kolossal geärgert. Und Wiencek hat uns gefehlt, da fehlte mir im Mittelblock die Alternative“. Beim Kieler selbst hörte sich das aber anders an.

Und wie geht es nun weiter? „Was das für den deutschen Handball bedeutet? Da muss man ’ne Marktforschung machen, was fehlende TV-Quote kostet. Aber wir sind auf einem guten Weg, müssen weiter hart arbeiten“, sagte Gensheimer. Glandorf will sich derweil überlegen, „ob ich nach zwölf Jahren noch weitermache“. Und Hanning redete dann doch noch Klartext: „Das war ein Schlag in die, ja Fresse, wir haben durch das Aus Schaden genommen.“ Wie groß der ist, wird sich in der Zukunft zeigen.

Von Jens Kürbis

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28:29 gegen Polen
Die polnische Mannschaft startete in der zweiten Halbzeit eine starke Aufholjagd.

Die deutschen Handballer haben zum dritten Mal nach Olympia 2012 und der EM in diesem Jahr ein Großereignis verpasst. Damit ist auch die Zukunft von Bundestrainer Martin Heuberger wieder offen. Nach der Niederlage der Deutschen fährt nun Polen zur WM 2015 nach Katar.

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