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„Die Konkurrenz hofft, dass ich als Vater langsamer fahre“

Rallyefahrer Sébastien Ogier „Die Konkurrenz hofft, dass ich als Vater langsamer fahre“

Weltmeister Sébastien Ogier, Fahrer des Hannover-Polos, spricht im Interview über Rallye- und Geburtstermine und eine neue Verantwortung.

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Geburtstermin wichtiger als Rallye: VW-Pilot Sébastien Ogier und Andrea Kaiser.

Quelle: Bildagentur Kräling

Hannover. Herr Ogier, schön, dass Sie mal wieder in Hannover sind, der Stadt, aus der Ihr Erfolgsauto stammt. Was ist der Grund für den Besuch?

Wir haben Filmaufnahmen für einen Werbeclip gemacht. Das war der Hauptgrund. Ich bin leider selten in Hannover bei Volkswagen Motorsport. Es fehlt einfach die Zeit zwischen den Rallyes. Wenn ich dann hier bin, freue ich mich, immer viele Leute von meinem Team zu treffen und Hallo zu sagen. Vor allem ist es natürlich für mich wichtig, mit den Ingenieuren zu sprechen.

Wie sieht es aus mit Ihren Hannover-Kenntnissen?

Vor einigen Jahren war ich auf dem Maschseefest, das hat mir gut gefallen. Und ich war schon mal im Stadion und habe dort ein Spiel von Hannover 96 gesehen, als sie noch im Europacup gespielt haben.

Zwischen dem WM-Lauf in Mexiko und der Rallye Argentinien lagen sechs Wochen. Was macht man da so als Rallye-Weltmeister?

Die Pause ist für uns ungewöhnlich lange. Zumal wir in dieser Zeit keine Tests mit unserem Polo R WRC hatten. Ich habe schon fast vergessen, dass ich Rallyefahrer bin (lacht, d. Red.). Daher bin ich glücklich, dass es endlich wieder losgeht. Aber ich habe auch die freie Zeit mit meiner schwangeren Frau daheim genossen, zu Hause das Babyzimmer eingerichtet. Einen Familienzuwachs haben wir schon: Wir haben vor vier Wochen eine kleine Mischlingshündin aus dem Tierheim adoptiert. Und natürlich habe ich mich auch körperlich fit gehalten und viel trainiert. Ich bin topfit.

Sehen Sie bei den Rennen etwas von der Landschaft? Sie fahren ja nicht wie in der Formel 1 einen asphaltierten Rundkurs.

Im Rennen bin ich komplett fokussiert auf die Strecke. Aber bei Rallyes, die ich häufiger gefahren bin, sehe ich inzwischen auch etwas von der Landschaft. Besonders auf den Überführungsetappen. Das ist ein Vorteil als Rallyefahrer, es ist sehr abwechslungsreich.

Könnten Sie sich vorstellen, immer im Kreis zu fahren?

Wir sehen deutlich mehr von Land und Leuten. Es wird nie langweilig, es ist nie das Gleiche. Wir müssen viel stärker auf Gefühl und Antizipation vertrauen, um neue Situationen zu meistern. Das liebe ich am Rallyesport. Und es gibt eine große Vielfalt. Wir fahren auf Schotter, Asphalt, Sand und auch auf Schnee. Das ist es, was Rallye aufregend macht - für Fahrer und Fans. Klar würde ich gern mal ein Formel-1-Auto fahren, aber mein Herz schlägt für die Rallye.

Welchen Sport machen Sie gern in Ihrer Freizeit?

Ich fahre gerne Ski, früher habe ich in meiner Heimat in den französischen Alpen sogar als Skilehrer gearbeitet. Außerdem fahre ich viel Mountainbike, wandere und klettere in den Bergen.

Sie sind dreifacher Weltmeister, haben fast jede Rallye gewonnen, die es zu gewinnen gibt. Welche Rallye fehlt noch in der Sammlung?

Einzig die kommende Rallye in Argentinien habe ich noch nie gewonnen. Und natürlich die Rallyes, die wir zum ersten Mal fahren, wie zum Beispiel China im September. Aber letztlich ist das nur Statistik. Es zählt allein, am Ende des Jahres oben zu stehen.

Sie haben erzählt, dass Sie immer nah am Limit fahren. Wird sich daran etwas ändern, wenn Sie Vater sind?

Ich denke nicht. Also, meine Konkurrenten hoffen wahrscheinlich, dass ich dann langsamer fahre (lacht). Aber ich habe schon immer das Leben geliebt und werde es nicht vorsätzlich riskieren oder mich verletzen. Klar, es wird eine neue große Verantwortung in meinem Leben geben, wenn ich Vater werde. Aber es ändert nicht mein Rennverhalten.

Kennen Mutter und Baby den Rallye-Terminkalender?

Der Geburtstermin liegt eigentlich in einer Pause zwischen zwei Rallyes. Doch wenn er sich verzögert, kann es auch während einer Rallye passieren. Für diesen Fall habe ich ein Privatflugzeug organisiert, das mich sofort nach Hause bringt. Ich fände es zwar schade, deswegen ein Rennen aufgeben zu müssen. Aber letztlich ist es mir am wichtigsten, bei der Geburt unseres Kindes dabei zu sein.

Interview: Hannah Salome Nauerth

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