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Die Säfkens stemmen es gemeinsam

Turntalente aus Hannover Die Säfkens stemmen es gemeinsam

Genau wie Olympia-Held Andreas Toba, der in Rio, trotz Kreuzbandriss, die deutsche Nationalmannschaft ins Finale turnte, sind die Geschwister Säfken hannoversche Eigengewächse. Die Erfolge beruhen vor allem auf Spaß und wenig Druck.

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„Ehrgeizig und zäh“: Die Leidenschaft von Mika und Finja Säfken ist das Geräteturnen, dafür investieren die beiden Teenager viel Trainingszeit.

Quelle: Wolters

Hannover. Das Magnesiumpulver in die Handflächen gerieben und rauf auf den Barren. Wenn sich die Geschwister Mika und Finja Säfken dann mit grandioser Körperbeherrschung in die Luft stemmen, sieht Geräteturnen so leicht aus. Keine einzige Schweißperle ist auf ihrer Stirn zu sehen, keine Regung der Anstrengung in ihrem Gesicht zu erkennen. Was sie da machen, muss anstrengend sein. Doch sie schaffen es, die anspruchsvollen und kraftintensiven Übungen an den Turngeräten ganz einfach und elegant aussehen zu lassen. Die Schwerkraft hat Pause.

Der 16-jährige Mika ist dreifacher deutscher Meister und turnt bereits für den TuS Vinnhorst in der zweiten Bundesliga. Auch seine 19-jährige Schwester Finja war als Juniorin erfolgreich. Jetzt turnt sie in der Seniorenklasse für den VfL Eintracht Hannover um den Aufstieg in die 1. Liga mit.

Die beiden sind hannoversche Eigengewächse. Genau wie Olympia-Held Andreas Toba, der in Rio, trotz Kreuzbandriss, die deutsche Nationalmannschaft ins Finale turnte. Besonders Mika trainiert mit Toba eng zusammen. „Andi ist wie ein Bruder für mich“, sagt der Nachwuchs-Turner des TK Hannover. Toba gebe ihm Tipps, motiviere ihn und sei für ihn einfach ein Freund und Vorbild. Mika verfolgte den olympischen Wettkampf von Toba live vorm Fernseher mit. Als der Olympionike nach seinem Sturz mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden lag „wusste ich genau, was Andi fühlte und dachte. Am schlimmsten waren für ihn die seelischen Schmerzen, weil er sein Aus vor Augen hatte.“ Doch es war nicht das Aus. Toba turnte seine Mannschaft trotzdem noch ins Finale. „Das würde echt nicht jeder machen“, sagt Mika beeindruckt.

„Bei unserer hohen körperlichen Belastung stecken wir schon mal Schmerzen weg, anders als vielleicht einige Fußballer“, sagt die Leistungsturnerin Finja mit einem Zwinkern. Turner seien insgesamt einfach ehrgeizig und zäh. Neben ihrem Studium für Sport und Physik trainiert Finja bis zu sechsmal die Woche. Mika absolviert ein ähnliches Pensum. Zu schaffen ist das für den Schüler nur durch das Besuchen eines Teilzeitinternats. Dadurch kann er zwischen den Trainingsphasen optimal regenerieren. Bei all den Erfolgen, die Mika schon erreicht hat, spricht der junge Turner aber auch über schlechte Phasen. Zeiten, in denen auch gar nichts funktionieren will. Finja kennt sich mit solchen Situationen aus. Auch deshalb schafft sie es, ihren Bruder immer wieder zu motivieren.

Die Geschwister sind für einander da, stecken sich zusammen neue Ziele und sind auch bei Wettkämpfen moralische Stützen für den anderen. „Ich höre Finja beim Wettkampf immer aus dem Publikum heraus, das ist Motivation pur“, sagt Mika lachend. Bei Finjas Wettkämpfen ist es Mikas Aufgabe, seine Schwester zu beruhigen. Eine Umarmung und ein „Du schaffst das“ wirken da am allerbesten.

Möglich sei das Turnen auf so hohem Niveau nur durch die Unterstützung ihrer Eltern, sagen die Geschwister. Hilfe bei den Schulaufgaben, Organisation des Alltags oder die Motivation bei Wettkämpfen - alles wichtig, um Höchstleistungen zu bringen.

Für die elterliche Anerkennung hätten die beiden nie Erfolge bringen müssen, dadurch hätte es auch nie Neid zwischen den Geschwistern gegeben. Trainieren mit Spaß und ohne hohen Druck ist Teil des Erfolgsrezepts der Säfkens.

Wenn Mika zu Beginn seiner Karriere in der Schule von seinem Turnsport sprach, musste er sich anhören: „Purzelbaum? Das kann ich doch auch.“ Das sagt mittlerweile keiner mehr. Jetzt trägt er den Titel dreifacher deutscher Jugendmeister. Nur mit „Purzelbaum“ hat das sicherlich nicht mehr viel zu tun.

Für die Zukunft haben Mika und Finja ambitionierte Ziele. Für Mika stehen im nächsten Jahr die EYOF-Jugendspiele auf dem Programm. Dabei will der hannoversche Turner vor allem die britische Konkurrenz, eine Macht im Jugendbereich, ins Schwitzen bringen. Seine Schwester Finja möchte mit ihrer Mannschaft den Aufstieg in die 1. Bundesliga schaffen. Nebenbei trainiert sie noch eine Gruppe Nachwuchsturner und gibt so ihre Erfahrung weiter.

Mikas Trainer Adrian Catanoiu, auch Coach von Olympia-Held Toba, gibt ehrgeizigere Ziele für das junge Talent aus: „Mika zeichnet sein starker Wille aus, ich halte es für gut möglich, ihn 2020 in Tokio zu sehen.“ Als Turn-Geschwisterpaar wahrgenommen zu werden, gefällt den Säfkens übrigens. Aber eine Schaueinlage wie den gemeinsamen Zieleinlauf der Hahner-Zwillinge beim Marathon in Rio werde man von ihnen nicht sehen, sagen die beiden lachend.

Von Justus Wolters

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