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Diese neuen Regeln gelten im Handball

Weitreichende Änderungen Diese neuen Regeln gelten im Handball

Im Handball gelten ab sofort neue Regeln. „Recken“-Trainer Jens Bürkle erklärt in der HAZ die Vor- und Nachteile.

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Neue Sortierungen auf der Taktiktafel: Jens Bürkle, der Trainer des Handball-Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf, erwartet Änderungen vor allem im Angriffs- und Abwehrverhalten.

Quelle: Florian Petrow

Hannover. „Die Zuschauer müssen sich teilweise umstellen“, sagt Jens Bürkle. Der Trainer des Handball-Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf meint damit ausnahmsweise nicht einmal seine Profimannschaft. Seine Aussage bezieht sich auf den Handballsport im Allgemeinen, der seit heute mit weitreichenden Regeländerungen zurechtkommen muss. Dass es diese Neuerungen ausgerechnet kurz vor einem Höhepunkt - dem olympischen Turnier im August - gibt, stößt auf Kritik.

Zurückhaltend äußerte sich der Europäische Verband EHF. „Verständlicherweise war es keine europäische Entscheidung, die Regelhoheit liegt beim Weltverband IHF. Es ist die Aufgabe der an Olympia teilnehmenden Mannschaften, das zu kommentieren“, sagte EHF-Generalsekretär Michael Wiederer. Klarer wurde da der deutsche Schiedsrichter-Chef Peter Rauchfuß. „Die IHF hat uns ein schönes Ei ins Nest gelegt“, sagte er.

Dabei dreht es sich um die Stichworte Blaue Karte, Zwangspause für Verletzte, passives Spiel, Fouls kurz vor Spielende und kein Leibchen für den siebten Feldspieler. Bürkle will die Reform nicht in Bausch und Bogen verdammen. „Manches ändert sich kaum, anderes ist nicht immer im Sinne der Aktiven“, sagte er.

Die neuen Regeln im Detail und Bürkles Einschätzung:

Im Angriff darf für den Torwart ein siebter Feldspieler eingesetzt werden. Dieser braucht nicht mit einem Leibchen gekennzeichnet zu sein. Er darf dann aber auch nicht anstelle des Keepers den Torraum betreten. Das könnte die verteidigende Mannschaft zu Fernwürfen ins gegnerische Netz nutzen.

Bürkle meint wie viele Experten, dass sich durch diese Regel das Defensivverhalten verändern wird. „Es gibt nun die Möglichkeit zu einer permanenten Überzahl“, sagte er. „Wir müssen abwarten, ob offensive Varianten in der Abwehr dann noch gepflegt werden.“ Das könnte insbesondere die Bundesliga-Spitzenteams aus Kiel, Flensburg und Mannheim betreffen. Diese haben in der Vergangenheit den ballführenden Gegner nicht mit einer Sechser-Abwehrmauer am Kreis erwartet, sondern mit vorpreschenden Spielern versucht, die Angriffe zu stören. Die Gefahr von sogenannten Empty-Net-Torwürfen hält er für kalkulierbar. „Das könnte häufiger als bisher passieren“, sagt er. Es ist aber jederzeit möglich, den Torwart wieder einzuwechseln - und dann muss nicht wie früher der Mann mit dem Leibchen raus, sondern ein beliebiger Feldspieler. „Das erlaubt eine rechtzeitige Reaktion beim Gegenangriff“, sagt Bürkle. Mehr Tore erwartet er nicht zwingend durch die Überzahlsituationen. „Es könnte auch sein, dass die Teams die Angriffe konzentrierter ausspielen, um Ballverluste zu vermeiden.“ Weniger Risikobereitschaft könnte auch weniger Überraschungsmomente mit sich bringen.

Verletzte Spieler, die auf dem Feld behandelt werden, müssen künftig drei Angriffe ihrer Mannschaft pausieren. Damit soll Schauspielerei und Zeitschinderei eingedämmt werden. Das gilt im Gegensatz zu den sonstigen Veränderungen nicht bei den Amateuren und im Nachwuchsbereich.

Von dieser Neuerung ist Bürkle überhaupt nicht begeistert. „Drei Angriffe Pause ist zu lang“, sagt er. „Die wenigsten bleiben doch freiwillig liegen.“ Manchmal gehe es bei den Einsätzen der Physiotherapeuten auch einfach nur darum, kurz zu prüfen, ob nach einem Sturz etwas Harz ins Auge gelangt ist.

Zeigen die Schiedsrichter Zeitspiel an, darf die angreifende Mannschaft nur noch sechs Pässe spielen, bevor abgepfiffen wird und der Gegner den Ball erhält.

Bürkle nimmt die neue Anweisung gelassen. „Das ist eine Situation, die sich im Spiel vielleicht zwei-, dreimal für uns ergibt. Ich messe ihr daher keine allzu große Bedeutung bei.“

Besonders hart bestraft wird künftig Unfairness in den letzten 30 Sekunden eines Spiels. Begeht ein Abwehrspieler in diesem Zeitraum eine grobe Regelwidrigkeit oder blockiert zum Beispiel einen Anwurf oder Freiwurf, erhält er eine Rote Karte und die angreifende Mannschaft automatisch einen Siebenmeter.

Auch diese Neuerung bereitet dem hannoverschen Coach kein Kopfzerbrechen. „Diese Auslegung gab es schon in der vergangenen Bundesligasaison“, sagte Bürkle. Prinzipiell begrüßt er das Bemühen um ein sauberes Spiel gerade in einer umkämpften Endphase. Er gibt aber auch zu bedenken, dass mithilfe der Regel nicht alle bedenklichen Fälle zu verhindern sind. „Ein Team, das mit einem Tor zurückliegt, könnte so 30 Sekunden vor Schluss einen Strafwurf provozieren, den vielleicht der eigene Torwart hält. Dann wäre es in Ballbesitz und hätte selbst noch die Ausgleichschance“, sagt Bürkle.

Die Blaue Karte wird eingeführt. Damit wird nach einer Roten Karte angezeigt, dass ein Zusatzbericht des Schiedsrichters folgt, der weitere disziplinarische Maßnahmen wie Sperren nach sich ziehen kann.

Bürkle begrüßt die Klarstellung, die auf diese Weise geschaffen wird. „Nach einer Roten Karte stand im gewissen Sinne bisher schon eine schriftliche Stellungnahme im Raum. Nun weiß man, was kommt“, sagt er.

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