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Bereit für das Duell mit den Chinesen

Tischtennis-EM Bereit für das Duell mit den Chinesen

Tischtennis-Profi Dimitrij Ovtcharov hat seinen EM-Titel verteidigt, ist aber längst nicht am Ziel. Der erste Anruf nach jedem wichtigen Spiel gilt immer seinen Eltern. So auch am Sonntagabend. Überraschen konnte er die beiden mit seiner freudigen Nachricht indes nicht.

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„Ich bin die Nummer eins von Europa“: Dimitrij Ovtcharov hat bei der Tischtennis-EM in Jekaterinburg alle seine 14 Einzel gewonnen.

Quelle: dpa

Jekaterinburg. So ausgelassen hat man Dimitrij „Dima“ Ovtcharov noch nie erlebt. Er sprintete nach seinem Matchball los, sprang über die Bande, zog sein Trikot aus und streckte die Arme in die Luft. Dieser Spontanjubel sei ein Statement gewesen, sagte er hinterher. Ein Statement, mit dem er unterstreichen wollte: „Ich bin Europas Nummer eins.“ Der 27-Jährige, der in Tündern im Kreis Hameln-Pyrmont aufgewachsen ist, hat im russischen Jekaterinburg den kontinentalen Tischtennisthron erklommen. Und das zum zweiten Mal nach 2013.

Wie gut er wirklich ist, zeigte er nicht nur im Jekaterinburg-Expo, wo er all seine 14 Turnier-Einzel gewann und im Finale gegen den Portugiesen Marcos Freitas sein wohl bestes Tischtennis spielte. Schon vorher hatte er den „Europe Top 16 Cup“ und die 1. Europaspiele in Baku gewonnen. Mehr geht auf diesem Kontinent nicht. „,Dima’ ist der beste Spieler in Europa“, sagte Bundestrainer Jörg Roßkopf, „von der Weltrangliste her und wenn er sein Potenzial abruft.“

Viel Zeit für eine ausgiebige Feier blieb dennoch nicht. Ovtcharov genehmigte sich beim Empfang im deutschen Team-Hotel ein paar Bierchen und eine Siegerpizza. Das wars. „Ich bin auch ganz schön platt“, bekannte Ovtcharov. Danach ging es ein, zwei Stunden ins Bett und schon wenig später per Flieger via Moskau zurück in die Heimat.

Heimat heißt für ihn seit einigen Jahren allerdings nicht mehr Tündern, sondern Düsseldorf, wo er mit seiner schwedischen Frau Jenny lebt.

Dennoch ist er noch oft in dieser Gegend, eigentlich zu jeder sich bietenden Gelegenheit. Und zwar in Bennigsen, dorthin sind seine Eltern Mikhail und Tatjana, zu denen er ein sehr inniges Verhältnis hat, nämlich umgezogen. Vater Mikhail ist immer sein Trainer, ärgster Kritiker und erster Ansprechpartner in Sachen Tischtennis geblieben. Trotz der Weltkarriere, die „Dima“ hingelegt hat. Mikhail Ovtcharov war einst selbst Profi bei Dynamo Kiew und Nationalspieler der damaligen Sowjetunion.

Der erste Anruf nach jedem wichtigen Spiel gilt immer seinen Eltern. So auch am Sonntagabend. Überraschen konnte er die beiden mit seiner freudigen Nachricht indes nicht. „Wir hatten das Finale im Internet gesehen und mitgefiebert“, sagte seine Mutter. „Die Freude war riesengroß.“Für einen Kurzbesuch bei den Eltern hat es jedoch nicht gereicht. „Champions League und World Cup stehen an“, sagte Tatjana Ovtcharov. Und da „Dima“ sehr ehrgeizig ist, bereitet er sich gewissenhaft auf seine nächsten Aufgaben vor. „Natürlich gibt mir der EM-Triumph weiteres Selbstvertrauen“, sagte Ovtcharov, „aber er ist auch das Resultat täglicher harter Arbeit.“ Und dann folgt ein Satz, der viel über den 27-Jährigen aussagt: „Die asiatische Konkurrenz ist noch mal viel härter, die arbeitet sauhart und ist noch stärker. Da darf man nicht zurückstecken.“

Ovtcharov blickt immer nach vorn, selbst im Moment des großes Erfolgs. Als Elfjähriger hat er der HAZ mal verraten, dass der russische Welt- und Europameister Wladimir Samsonow sein großes Vorbild sei. „Dima“ hat ihn fast eingeholt, aber eben nur fast. Auf der ganz großen Bühne stehen ihm dazu die Chinesen im Wege. Ein WM-Triumph im Einzel ist für ihn nur schwer zu verwirklichen. Darum ist sein nächstes Ziel ein klein wenig bescheidener: Er will nach dreimal Silber mit dem deutschen Team unbedingt eine WM-Medaille im Einzel gewinnen. Zuzutrauen ist ihm das allemal. Wetten, dass er dann wieder ähnlich ausgelassen feiert ...

Von Tündern in die weite Welt

Ein Ausnahmetalent: Mit drei Jahren ist Dimitrij Ovtcharov, der am 2. September 1988 in Kiew geboren wurde, mit seinen Eltern nach Tündern gezogen. Schon wenig später trat er mit seinem Vater Mikhail, einem ehemaligen Tischtennis-Nationalspieler der früheren Sowjetunion, dem dortigen Club TSV Schwalbe bei. Bereits als Elfjähriger spielte er mit der TSV-Reserve bei den Männern in der Bezirksoberliga, ein Jahr später rückte er in die Erste und damit in die Regionalliga auf. 2005 stieg er mit dem Club bis in die Bundesliga auf, spielte schon 2006, als 18-Jähriger, an der Spitzenposition und wurde im gleichen Jahr zum Nationalspieler.

Sein sportlicher Aufstieg ging ähnlich rasant weiter. 2007 schloss er sich dem deutschen Spitzenclub Borussia Düsseldorf an, zwei Jahre später zog er weiter nach Belgien zu Royal Vilette Charleroi, bevor er 2010 schließlich zum russischen Club Fakel Gazprom Orenburg wechselte, für den er noch heute aufschlägt und mit dem er bereits dreimal die Champions League gewann.

„Es war schon ganz früh zu sehen, dass er ein absolutes Ausnahmetalent ist“, sagt Uwe Rehbein, der in Hannover nur „Mister Tischtennis“ genannt wird. Der Unternehmer hat Ovtcharov bereits als 16-Jährigen in den Kreis der Großen geholt und ließ ihn bei einem Schaukampf in Hannover mit den damaligen Weltstars Jörg Roßkopf, Jörgen Persson und Jan-Ove Waldner mitmachen. ,„Dima’ schlug sich auch da prima“, sagt Rehbein, der Schwalbe Tündern zwei Jahre in der Bundesliga managte. „Der Kontakt zu ,Dima’ ist nie abgebrochen.“ Gleich nach dem EM-Triumph am Sonntag hat der 71-Jährigen Ovtcharov eine Mail geschickt – im Anhang versehen mit Bildern „aus guten alten Zeiten“ (Rehbein).

„Mister Tischtennis“ war auch vor einem Jahr zu Ovtcharovs Hochzeit in Schweden eingeladen, hatte aber absagen müssen. „Schade, der ,Dima’ ist ein klasse Kerl“, sagt Rehbein – und macht dem inzwischen 27-Jährigen das wohl schönste Kompliment: „Ihm sind die riesigen Erfolge nie zu Kopf gestiegen. Er ist immer der Alte geblieben, bescheiden und zuverlässig.“ gru

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