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Dirk Nowitzki ist ein großer Deutscher

Basketball-Star Dirk Nowitzki ist ein großer Deutscher

Hunderttausende Amerikaner feiern heute den neuen Basketball-Champion Dirk Nowitzki. Der 2,13-Meter-Mann kontert die Aufregung in Dallas mit Würzburger Bescheidenheit.

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Dirk Nowitzki gewinnt die NBA-Meisterschaft und die Sympathien der Basketball-Fans.

Quelle: dpa

In der Anzeigenabteilung beim „Miami Herald“ hatten sie es besonders eilig. „Congratulations Miami!“ stand da am Montag in recht großen Buchstaben auf einer fast ganzseitigen Anzeige der Zeitung zu lesen – einen Tag, nachdem Dirk Nowitzki und seine Dallas Ma­vericks den favorisierten Heat aus Florida den Knock-out in der NBA-Finalserie versetzt hatten.Sogar erste Fanartikel wie bedruckte Shirts und Kappen wurden in der Anzeige der Kaufhauskette Macy’s schon voreilig feilgeboten.

Peinlich für Zeitung und Kaufhaus, symptomatisch aber auch für eine Haltung gegenüber einem Sportler, an deren Veränderung sich die amerikanische Öffentlichkeit seit drei Tagen zu gewöhnen versucht. Ein gewinnender Typ war er immer, dieser große Deutsche, aber eben kein Siegertyp, keiner für den Titel. Witze hatten sie gemacht, die gegnerischen Fans auf Plakaten mit seinem Namen („No-win-ski“), zuletzt sogar die gegnerischen Spieler während der Finals, als sie sich vor laufender Kamera über eine fiebrige Erkältung des Würzburgers lustig machten.

Am heutigen Donnerstag werden geschätzte 250.000 Menschen in Dallas Spalier stehen und diesen Deutschen feiern, wie Amerikaner noch nie einen Deutschen gefeiert haben. Und auch in Restamerika tritt das „German Wunderkind“ in diesen Tagen nicht in eine Reihe mit deutschen Stars wie Max Schmeling, Boris Becker und Michael Schumacher, er tritt einen Schritt vor. Weil er es in ihrem Land in ­ihrer Sportart geschafft hat.

Seitdem der 2,13 Meter große Blonde den NBA-Pokal Richtung Decke der American Airlines Arena in Miami gestreckt hat, ist aus No-win-ski Now-win-ski geworden, die meisten belassen es beim einfachen „Dörk“. Der Titel war, was fehlte. Nun brechen alle Dämme. Die ganze Nation liegt dem ab Sonntag 33-Jährigen zu Füßen, der sich zum König der amerikanischen Ursportart Basketball aufgeschwungen hat – mit zwölf Jahren Anlauf und mit den schwierigsten Voraussetzungen, die man sich in diesem Metier ausmalen kann: ein weißer Ausländer aus einem Basketballentwicklungsland, ohne Streetballvergangenheit, ohne Gettovergangenheit, ohne Allüren und Skandale, ohne großflächige Tätowierungen auf großflächigen Oberarmen, bescheiden, strebsam, belesen, mit zurückhaltendem Charme und guter Kinderstube.

Das Gegenstück zu den Typen, die das durch und durch egozentrische Bild der nordamerikanischen Eliteliga in der Showsportart Basketball spätestens seit den achtziger Jahren und Michael Jordan prägten. Nichts gab es außer der National Basketball Association, dort zauberten die Außerirdischen, alles andere war vom Planeten NBA aus gesehen Amateursport.

Man denke nur an die Olympischen Spiele 1992 zurück, die die USA als Werbebühne nutzten und vor einer weltweiten Öffentlichkeit ihre Superstars zum Schaulaufen schickten. Manche der frisch gedemütigten gegnerischen Spieler hatten die Kamera schon Sekunden nach Spielschluss gezückt, um sich mit lebenden Legenden wie Magic Johnson, Charles Barkley, Patrick Ewing oder eben „Air“ Jordan fotografieren zu lassen. Diese Spieler waren ihren Gegnern jeder für sich so überlegen, dass sie nicht einmal groß als Mannschaft trainieren mussten. Und es war ein spätes Balsam auf eine tiefe sportliche Kriegswunde, die ihnen die Russen im Olympischen Endspiel 1972 in München zugefügt hatten.

Diese Struktur überragender Einzel­talente und mit ihr den Mythos der Unbesiegbarkeit hat die Basketballliga in den USA lange mit sich herumgetragen. Dass es zu lange war und die Wirklichkeit im 21. Jahrhundert ein bisschen am Planeten NBA vorbeigezogen ist, haben schon die gelegentlichen Niederlagen angedeutet, die US-Profi-Teams bei Olympischen Turnieren der vergangenen Jahre einstecken mussten. Den letzten Beweis hat nun „Dörk“ geführt. Und das Erstaunlichste ist: Die Amerikaner lieben ihn dafür.

Der Deutsche ist kein Spektakel auf zwei Beinen, der die Schwerkraft aufhebt und sich – wie sein Finalgegenspieler LeBron James – „The Chosen One“ (Der Auserwählte) auf den Leib nadeln lässt. „Dörk“ kann auch etwas mit dem Ball: Er wirft ihn einfach in den Korb. Zauberfrei. Aber entnervend sicher und entnervend oft. Deutsch eben. So einfach, wie der englische Kicker Gary Lineker den Fußball erklärt hat („22 Spieler jagen 90 Minuten einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen“), könnten die Amerikaner Nowitzki erklären. Ein Systembasketballer, mit überragenden Fähigkeiten ausgestattet, aber auch mit Teamgeist, Gemeinschaftssinn.

Einer, den in erster Linie das Mannschaftsergebnis interessiert und der zufrieden ist, wenn er dazu seinen Beitrag geleistet hat, egal, ob er – wie in Nowitzkis Fall meistens – der entscheidende ist. Die an Angebertypen gewohnte Sportöffentlichkeit ist fasziniert von diesem weißen Riesen, vor allem, weil er diesen Zug, den man drüben so unübersetzbar schön „spirit“ nennt, nicht nur als Attitüde, als Masche vor sich herträgt, sondern lebt, verkörpert. Als das, was man hüben so unübersetzbar schön „Haltung“ nennt.

Wie viele Flausen hätte sich dieser Multimillionär schon in den Kopf setzen lassen können? Wie viel Geld hätte er mit Werbung verdienen können, anstatt als seriöser Sportsmann für eine Direktbank den Kopf hinzuhalten, die im Gegenzug den Deutschen Basketball-Bund unterstützt? Wie viel Dampf hätte der in den ­Finalspielen durch einen Sehnenriss im Finger, besagte Grippe und gegnerische Respektlosigkeiten gebeutelte „Dirkules“ abzulassen gehabt?

Doch er machte sich Luft, indem er mit Abpfiff des letzten Spiels in die Kabine rannte und „ein bisschen heulen“ ging. Um anschließend wieder von der Mannschaft zu schwärmen, die ihn immer aufgefangen habe, wenn es bei ihm persönlich nicht so laufen wollte. Gar zum Sportmärchen wird diese Geschichte von verstörend strahlender Reinheit, wenn man an die 16 Millionen Dollar denkt, auf die Nowitzki bei seinem letzten Vertragsdeal verzichtete, damit die Dallas Mavericks, die sein einziger bisheriger NBA-Klub sind und auch wohl bleiben werden, Verstärkungen holen können.

Nicht nur deshalb verbindet Nowitzki und Klubbesitzer Mark Cuban neben ihrer Geschäftsbeziehung auch eine Freundschaft. Cuban hielt auch zu Nowitzki, als der für fehlende Durchsetzungskraft kritisiert wurde. Das hat Nowitzki ihm nicht vergessen. Die Loyalität zu dem 52-jährigen Selfmade-Milliardär, der die Mave­ricks und Nowitzki vor elf Jahren für 258 Millionen Dollar kaufte, passt perfekt ins perfekte Bild. Selbst die Geschichte mit seiner Verlobten Crystal Taylor, die kurz vor der Heirat als Schwindlerin aufflog, sorgte allenfalls für ein paar Imagekratzer, nach dem Motto: War vielleicht naiv, aber er ist eben eine treue Seele.

Holger Geschwindner gegenüber sowieso, einem ehemaligen deutschen Nationalspieler, der den Würzburger entdeckte, förderte und der zum Berater und Mentor wurde. Er lehrte seinen Schützling zweierlei: die totale Fokussierung auf den Sport im Glamourzirkus NBA. Und der Blick über den Tellerrand. Geschwindner riet Nowitzki, Bücher zu lesen. „Ersatz­vater“ nennt ihn der gelegentlich.

Seine richtigen Eltern werden zur heutigen großen Siegerparade in Dallas auch endlich einfliegen. Vater Jörg ist auch Meister. Malermeister. 2006 war er rübergeflogen, als Sohn Dirk NBA-Meister werden wollte, aber damals – ebenfalls gegen Miami – im Finale unterlag. Diesmal hat er es sich verkniffen. Zur großen Sause in den Straßen von Dallas werden der ehemalige Handball-Oberligaspieler, seine Frau Helga und Dirks vier Jahre ältere Schwester Silke, beides ehemalige Basketball-Nationalspielerinnen, aber vor Ort sein und die neue Dörkmania mit eigenen Augen erleben. Und eine Sport­nation, die sich plötzlich mit deutschen Sporttugenden identifiziert. Wegen eines fränkischen Blondschopfs, der eigentlich Tennisspieler werden wollte und unterfränkischer Meister in der B-Jugend war.

Das hat man auch bei der TG Würzburg nicht vergessen. Die Tennisabteilung, 2. Kreisklasse, hat Nowitzki für die Saison gemeldet. Am 3. Juli geht’s gegen den Stadtrivalen Blau-Weiß. Er hat Interesse bekundet. Ganz ernsthaft.

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Von Dirk Nowitzkis Höhenflug in Übersee wollen auch die Korbjäger in der Heimat profitieren.

Dieser Name zieht: Dirk Nowitzkis Erfolg in der nordamerikanischen Profiliga NBA soll dem deutschen Basketball Schwung verleihen. „Dirk ist das Aushängeschild des deutschen Basketballs, wir hoffen, dass wir davon alle profitieren werden“, sagt Verbandssprecherin Elisabeth Kozlowski.

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