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„Wir kaufen nicht den Rasierschaum-Bestand auf“

HAZ-Interview „Wir kaufen nicht den Rasierschaum-Bestand auf“

Freistoßspray in der Kreisliga? Bernd Domurat erklärt, was die Amateurkicker von den Schiedsrichtern erwarten dürfen.

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Im Amateurbereich kommt das Freistoßspray noch nicht zum Einsatz. Von Eigeninitiative mit Rasierschaum rät der Niedersächsische Fußballverband ab.

Quelle: dpa

Hannover. Am Wochenende rollt der Fußball in der Region Hannover endlich auch wieder in den Bezirksligen und Kreisstaffeln. Müssen die Amateurkicker mit Schiedsrichtern rechnen, die mit Rasierschaum die Mauer beim Freistoß auf Abstand halten? Und gibt es wie bei der WM in Brasilien künftig seltener Gelbe Karten? Bernd Domurat, Niedersachsens oberster Schiedsrichterausbilder, klärt die Amateurkicker im HAZ-Interview auf, was sie in der neuen Saison erwartet – und richtet einen Appell an die Eltern junger Spieler.
Herr Domurat, sind Sie ein Fan des Freistoßsprays?
Na ja, als ich das Freistoßspray zum ersten Mal gesehen habe, konnte ich mich damit nicht so richtig anfreunden.

Warum ?
Ich habe es als überflüssig empfunden. Allerdings hat mich die WM eines Besseren belehrt: Die Mauer hat den Abstand zum Ball tatsächlich immer eingehalten. Mit der Durchführung habe ich dennoch so meine Probleme.

Inwiefern?
Mir gefällt nicht, dass der Schiedsrichter vor der Mauer niederkniet. In hektischen Phasen des Spiels entgeht ihm die Aufmerksamkeit für das, was in seinem Umfeld passiert. Trotzdem muss ich sagen: Das Freistoßspray hat sich bewährt.

Dann könnte es doch eigentlich auch in der Kreisliga eingesetzt werden.
So weit würde ich nicht gehen. Die Bundesliga denkt darüber nach, das Spray einzusetzen, aber ich glaube, dass das frühestens für die Rückrunde ein Thema sein dürfte. Für die Ligen darunter ist das Spray noch kein Thema.

Ein Schiedsrichter aus Mittelsachsen konnte es nicht abwarten. Er hat kürzlich bei einem Kreispokalspiel mit Rasierschaum den Abstand der Mauer markiert.
(lacht) Also, ich glaube nicht, dass unsere Schiedsrichter jetzt losziehen werden und den Bestand an Rasierschaum aufkaufen. Es gibt Anweisungen vom Verband, und solange nicht beschlossen wurde, Rasierschaum oder anderen Schaum zu verwenden, sollten sich die Schiedsrichter daran halten.

Was würde denn passieren, wenn ein Schiedsrichter in der Kreisliga dennoch seinen Rasierschaum mit auf den Platz bringt? Wäre das ein Regelverstoß?
Nein. Es hätte ja keinen Einfluss aufs Spiel. Das wäre ja nicht zum Nachteil irgendeiner Mannschaft. Man würde dem Schiedsrichter einfach sagen, dass er das für die zukünftigen Spiele bitte sein lassen sollte.

Abgesehen vom Freistoßspray: Was haben Sie bei der WM in Brasilien für Trends in der Spielleitung entdeckt? Und was davon werden auch die Amateurschiedsrichter übernehmen?
Was den Amateurfußball betrifft, bin ich ganz beruhigt, da es keine Änderungen zur gewohnten Regelauslegung geben wird. Es gab bei der WM einige Dinge, die mir nicht gefallen haben. Aber das lag nicht an den Regeln, sondern an der Umsetzung.

Es hat deutliche Kritik an der Leistung der Schiedsrichter gegeben.
Ja. Es war auch für mich überraschend, wie großzügig die Schiedsrichter agiert haben. Die Spieler wurden teilweise zu wenig geschützt. Das war eine Auslegung der persönlichen Strafen, die ich mitunter nicht nachvollziehen konnte. Es gab zahlreiche Szenen, bei denen ich dachte: Jetzt muss zwingend eine Gelbe Karten kommen – und sie kam einfach nicht. Das war schon etwas irritierend. Das wollen wir für den Amateurbereich sicher nicht übernehmen.

Die Hobbykicker aus der Kreisliga haben die Szenen aber ja auch gesehen. Fürchten Sie, dass es an den ersten Spieltagen zu mehr Konflikten kommen wird, weil Spieler plötzlich Gelb für Vergehen sehen, die bei der WM folgenlos geblieben sind?
Ach, das glaube ich nicht. Natürlich werden einige Hobbyspieler die Spielleitung der WM im Hinterkopf behalten. Aber wir haben in den vergangenen Wochen auf allen Ebenen bis hinunter in die Kreise darauf hingewirkt, dass die Schiedsrichter das Regelwerk so umsetzen, wie wir das hier in Deutschland möchten. 

Also sind die niedersächsischen Schiedsrichter gut vorbereitet für die neue Saison?
Unsere Schiedsrichter sind auf einem sehr guten Stand. Sehr gut ausgebildet, sehr motiviert. Was uns jedoch immer wieder Sorgen bereitet, das ist der Schiedsrichtermangel in den unteren Ligen. Dort erleben wir einen klaren Schiedsrichterrückgang. 

Haben Sie dafür eine Erklärung?
Das Freizeitangebot für Jugendliche ist heute viel größer als noch vor 20 Jahren. Das merken die Klubs ja auch daran, dass die Mannschaften weniger werden. Und dann ist da auch noch das Problem für die jungen Schiedsrichter …

… die bei Jugendbegegnungen dann leider häufig von den Eltern beschimpft werden.
Genau. Diese jungen Leute machen ihre ersten Spiele, und dann erwarten die Eltern in der E-Jugend den perfekten Schiedsrichter. Das geht nicht. Jeder Schiedsrichter muss irgendwo seine ersten Versuche machen, und dann macht man natürlich Fehler. Man geht ja nicht auf den Platz und kann es auf einmal. Das ist ein Lernprozess, und der wird dem Schiedsrichter nicht immer zugestanden. Ich will das jetzt nicht als Pauschalurteil verstanden wissen, aber viele junge Schiedsrichter fragen sich dann eben doch, warum sie sich das antun sollen.
Die Folge sind Spiele ohne Schiedsrichter.
Richtig. Und das beginnt im Jugendbereich, was eigentlich schade ist. Ich habe einen Siebenjährigen im Bekanntenkreis, der kam kürzlich nach Hause und meinte: Boah, heute war ein richtiger Schiedsrichter da. Das war für ihn das Größte. 

Aber in Zukunft pfeift wohl häufiger der Trainer oder einer der Väter.
Ich will es nicht hoffen. Wir tun jedenfalls alles, um das zu verhindern.

Interview: Patrick Hoffmann

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