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Verlieren hasste er schon immer

Eduard Geyer wird 70 Jahre alt Verlieren hasste er schon immer

Er ist immer noch einer der bekanntesten Trainer aus dem Osten: Am Dienstag feiert Eduard Geyer seinen 70. Geburtstag. Für den Fußball im Osten des Landes sieht er allerdings schwarz.

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War der letzte Nationaltrainer der DDR und später mit Energie Cottbus erfolgreich: Eduard Geyer.

Quelle: dpa

Berlin. Auf dem Trainingsplatz arbeitet Eduard Geyer schon lange nicht mehr. Doch "Ede Gnadenlos" steht noch immer wie kein anderer Trainer, der in der DDR großgeworden ist, für die Wende, den Neubeginn und auch die bescheidenen Erfolge im Ost-Fußball. "Es ist klar, wenn so ein großer epochaler Umschwung kommt, dann geht es neu los", sagte Geyer. Als historische Figur sieht sich der einstige knallharte Verteidiger von Dynamo Dresden aber nicht. Dabei hatte er als letzter Nationalcoach der DDR vor 25 Jahren den Umbruch in der ersten Reihe erlebt, später den kleinen FC Energie in die Beletage des deutschen Fußballs gebracht. "Über all das habe ich mir keine großen Gedanken gemacht", sagte Geyer jetzt.

Am Dienstag feiert der Sachse seinen 70. Geburtstag. Längst ist er in ganz Deutschland bekannt für Fußball mit viel Maloche sowie für seine deftigen Sprüche. "Ja, Ehrentag kann man wirklich sagen", bemerkte Geyer mit Augenzwinkern. "Ich habe gerade wieder in der Altliga Fußball gespielt und mit meiner Mannschaft gewonnen. Da geht es mir gut", ergänzte der Mann, der das Verlieren schon immer hasste - sogar beim Mensch-ärgere-dich-nicht mit seinen Kindern. "Mehr als ein paar Arschwackler und ein paar Flanken kamen dabei nicht rum", hatte Geyer einmal zu einem seiner Spieler nach einer Niederlage gesagt.

Inzwischen ist Geyer ruhiger geworden und weiß auch seine Sprüche einzuordnen, die er sich manchmal "vorher nicht überlegt" habe. "Was die Leute akzeptiert haben, waren ehrliche Arbeit, ehrliche Aussagen, dass man nicht rumeiert und alles entschuldigt", betonte der Jubilar in einem dpa-Interview. Wohl auch deshalb hat Geyer mit einigen Umwegen seinen Platz in der Bundesliga erobert, obwohl er als Inoffizieller Mitarbeiter im besonderen Einsatz tätig war, nachdem die Stasi einen feucht-fröhlichen Abend Geyers 1971 in Amsterdam als Druckmittel benutzt hatte.

"Wie es gekommen ist, ist es in Ordnung. Auch nach der Wende bin ich gut zurechtgekommen. Natürlich hatte ich mir auch vorgestellt, mal einen Bundesliga-Verein zu trainieren, der wie einst Dynamo Dresden international spielt. Aber im Nachhinein kann ich mit meiner ganzen Vita zufrieden sein", bemerkte Geyer, der am Geburtstag selbst mit seiner Familie zum Essen ausgehen will und am Wochenende nochmals seine Freunde eingeladen hat. "Man hat immer mit jungen Leuten gearbeitet, das hält einen selbst frisch und jung. Und jetzt wünsche ich, dass meine Familie und ich gesundbleiben. Ich hoffe, dass wir das die nächsten 30 Jahre gut über die Runden kriegen", sagte Geyer.

Der Abstand zum großen Fußball ist größer geworden. Doch auch durch seine zwei Söhne und drei Enkel dreht sich noch viel um das runde Leder. Mit dem dreijährigen Enkel geht es bald ins "Trainingslager", berichtete Opa Geyer: "Er wird gerade getestet. Wir sind eine reine Jungs-Familie, außer der Mutter, die ist eine Frau." Die heutige Unterhaltungsbranche Profifußball sieht der Ex-Trainer mit zwiespältigen Gefühlen. "Alles wird immer gläserner. Die Medien beschäftigen sich noch intensiver mit Fußball. Das Spiel wird mit Statistiken zerlegt. Die Spieler geben über Twitter ihre Weisheiten wieder, was nicht immer sehr förderlich ist", bemerkte Geyer: "Viele Fußballer heute nehmen ihren Beruf aber auch ernster."

Kürzlich hat sich Geyer nochmals mit Genuss das Video vom 3:0-Sieg der Cottbuser 1997 im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den Karlsruher SC angeguckt. "Das erste Mal übrigens. Wie wir da auf dem Platz gearbeitet und gekämpft haben - war schon bewundernswert", sagte Geyer. Auch heute könnte sich die Geschichte des FC Energie, der immerhin sechs Jahre in der Bundesliga gespielt hat, durchaus wiederholen, "wenn die richtigen klugen Leute zusammen sind. Man braucht ein bisschen Geduld - und Geld, nicht mal einen Abramowitsch". Für die Traditionsvereine im Osten allerdings sieht Geyer nicht viel Licht: "Wenn sechs der einst besten Mannschaften in der 3. Liga sind, braucht man nicht rumzueiern, wo der Osten im Fußball steht. Das Geld spielt eine immer größere Rolle. Wozu einige Vereine in der Lage sind, sich Mannschaften zu kaufen, da sind wir hier so weit weg wie der Mond von der Erde."

dpa

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