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Gladitz im Halbfinale über 400 Meter

Leichtathletik-EM Gladitz im Halbfinale über 400 Meter

Alexander Gladitz aus Hannover hat bei der Leichtathletik-EM in Amsterdam über 400 Meter den Vorlauf überstanden. Gladitz belegte in 46,28 Sekunden in seinem Lauf Platz drei. Die Halbfinals werden am Donnerstagnachmittag ausgetragen.

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Alexander Gladitz.

Quelle: Michael Kappeler

Amsterdam. Wie hart 400 Meter in der Leichtathletik sind, zeigte sich an dem kleinen Versprecher von Alexander Gladitz. Noch 15 Minuten nach seiner Freiluft-Europameisterschaftspremiere stand der Mann von Hannover 96 ziemlich erschöpft in den Katakomben des Olympiastadions von Amsterdam und hatte ein wenig Mühe, seine Gedanken zu sortieren. „Ich bin sehr zufrieden. Die Kür ist erst einmal geschafft, jetzt kommt die Pflicht.“ Der beste Deutsche auf der Stadionrunde meinte es natürlich umgekehrt.

Gladitz hatte im Vorlauf am ersten EM-Tag eine hervorragende Pflicht abgeliefert, belegte sowohl in seinem Rennen als auch in der Addition aller drei Vorläufe Rang drei. Nun freut er sich auf die Kür, die heute um 16.45 Uhr im Semifinale auf ihn wartet.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Mit Platz drei im Vorlauf gehört der 21-Jährige nicht urplötzlich zu den Medaillenkandidaten. Denn Europas Elite wird in allen Sprint- und Langsprint-Disziplinen automatisch fürs Halbfinale gesetzt - in diesem kommen heute noch einmal neun starke und ausgeruhte Athleten hinzu. Dennoch lief der Hannoveraner gestern eine beachtliche Zeit. In 46,28 Sekunden erreichte er die viertbeste Leistung seiner Karriere, obwohl er nach einer unangenehmen Schambeinentzündung - diese war sein großes Handicap im kompletten Juni - erst seit rund einer Woche wieder schmerzfrei ist. Diese Diagnose kam zur Unzeit in der Wettkampfsaison, viele Fußballer fallen damit monatelang aus.

„Durch die Entzündung konnte ich die Beschleunigungsphase nicht so gut trainieren, dabei ist diese meine große Stärke“, erklärte der 96-Athlet, der dennoch forsch anging, auf die beiden Mitfavoriten aus Belgien und Großbritannien auflief und eingangs der Zielgeraden sogar führte. Dass am Ende die Kräfte nachließen, kam aufgrund des Trainingsrückstandes nicht überraschend. „Zudem fehlt mir über 400 Meter auch noch die Erfahrung“, sagte Gladitz, der die wohl härteste Distanz der Leichtathletik als „Hassliebe“ bezeichnet. Zum Glück schob ihn am Ende ein wenig der Rückenwind Richtung Ziellinie. „Dafür hatte ich am Ende der Gegengeraden eine mächtige Brise im Gesicht.“

Froh ist Gladitz, dass er vor Ort von Heimtrainer Edgar Eisenkolb betreut wird. „Mein Coach hat sehr viel Erfahrung auf dieser Strecke. Es war richtig, dass ich vor drei Jahren zu ihm gewechselt bin. Er kann mich viel besser auf so ein Rennen einstellen als ein Bundestrainer, den ich zwei-, dreimal im Jahr sehe.“

Gladitz verhehlt nicht, dass er in der Nacht vor dem Rennen vor Aufregung mehrfach wach war. „Aber Nervosität gehört dazu, wenn man bei so einer Meisterschaft eine Top-Leistung abliefern will.“ Trotz kurzer Erholungszeit will er heute die 46-Sekunden-Grenze attackieren, die er zweimal schon unterboten hat. Eines ist ihm in Amsterdam auf jeden Fall gelungen: Er hat sein klares Vorlauf-Ausscheiden bei der Hallen-EM 2015 in Prag wettgemacht. „Dort habe ich viel zu viel nach rechts und links geguckt. Jetzt bin ich ein Jahr älter und habe gelernt, mein Rennen durchzuziehen.“ Auf die heutige Zugabe darf man gespannt sein.

Von Frank Schober

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