Beim Stand von 23:23 im Handball-Zweitligaspiel zwischen dem HSV Hannover und dem Dessau-Roßlauer HV zog sich HSV-Ersatztorwart Oliver Mayer rund eine Viertelstunde vor Schluss seine Trainingsjacke aus und machte sich mit kreisenden Armbewegungen warm. Stammkeeper Hendrik Müller verstand dieses Zeichen von der Trainerbank und vernagelte in den folgenden Spielminuten förmlich sein Tor. Seine Vorderleute setzten sich auf 26:23 ab, am Ende reichte es aber doch nicht für einen Sieg.
Die Hannoveraner trennten sich von dem Gast aus Dessau mit 28:28 (14:14). Diese Form von sanftem Druck auf den Torhüter hat schon zweimal in dieser Saison funktioniert – aber jeweils umgekehrt, mit Mayer auf dem Feld in den Partien gegen den VfL Edewecht und Empor Rostock. Da war es jeweils Müller, der sich am Rand aufwärmte, weil Mayer – wie man in der Handballer-Sprache so schön sagt – keinen Ball „anfasste“.
Wie damals Müller konnte auch am Sonntagnachmittag vor 600 Zuschauern im Langenhagener Soccio-Center Mayer seine Trainingsjacke wieder anziehen, weil sich der Kollege im Tor rechtzeitig zur Höchstform steigerte. Ärgerlich aus Sicht des HSV: Der durch Müllers Paraden erspielte Vorsprung von drei Toren war fünf Minuten vor Schluss schon wieder Makulatur, denn Dessau glich durch Matthias Rudow, mit zehn Toren bester Werfer der Gäste, zum 27:27 aus. Dennoch besaß der HSV noch eine Siegchance. In eigener Überzahl hatte die Mannschaft 35 vor der Sirene den Ballbesitz, konnte aber nicht mehr das 29:28 erzielen.
„Für mich ist es ein Punktverlust. Wir haben bei einem Vorsprung nicht geduldig agiert, sondern es mit der Brechstange versucht“, sagte HSV-Trainer Alfred Thienel. Namen nannte er nicht, aber dass Eryk Kaluzinski für das zwischenzeitliche 27:23 hätte sorgen müssen und auch den letzten Angriff viel zu früh und hektisch abschloss, hatte jeder gesehen. Vielleicht sollte sich beim nächsten Mal sein Rückraumkollege Jan Mohrmann mal in den finalen Minuten am Spielfeldrand aufwärmen.
Tore für den HSV: Blagojevic (10/davon 6 Siebenmeter), Kaluzynski (7), John (4), Mohrmann (3), Schirmer (2), Karpstein und Leinhart.
von Stephan Hartung
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