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Heiner, der Handball-Rentner

Interview mit Weltmeistertrainer Heiner, der Handball-Rentner

Der Handball-Weltmeistertrainer hat nur noch wenig mit dem aktuellen Geschehen am Hut. Im Interview erzählt er von seinem neuen Leben, dem aktuellen deutschen Team vor der Europameisterschaft und seinem Ärger mit dem Verband.

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Heiner Brand wurde mit der deutschen Nationalmannschaft im Handball im Jahr 2007 Weltmeister.

Quelle: dpa

Hannover. Herr Brand, was machen Sie am Sonnabend um 18.30 Uhr?
Weiß ich nicht. Wenn Sie so fragen, wird ja wohl ein Handballspiel übertragen.

Ja, da treffen die Deutschen in ihrem ersten EM-Spiel auf Spanien.
(lacht) Das werde ich wohl gucken, habe auch nix anderes vor.

Das klingt, als ob der Weltmeistertrainer a. D. dem Handball nur noch sporadisch verbunden ist.
In der Tat. Ich bin beim Weltverband als Berater der Schiedsrichter- und Regelkommission aktiv. Das sind aber nur ein paar Tage im Jahr. Sonst habe ich mit dem Handball nur noch als Mitarbeiter von Sky bei der Champions League zu tun, das sind so 25 Spiele pro Jahr. Sonst mache ich nichts mehr. Halt. Im Beirat beim VfL Gummersbach bin ich noch ehrenamtlich aktiv.

Und sonst?
Ich halte Vorträge in der Wirtschaft. Mein Sohn hat zum 1. Januar meine Versicherungsagentur übernommen, die ja immer noch unter meinem Namen lief. Sonst bin ich Ruheständler.

Und Opa. Sind Sie immer noch hinter den Enkeln mit dem Handstaubsauger her oder bekommen Schweißausbrüche, wenn sie mit Schokoladen-Händen vor der Tapete stehen?
So schlimm ist es nicht mehr, auch wenn der Jüngste drei ist, überall rumdüst. Als Älterer muss man sich schon dran gewöhnen, wenn fünf Kinder in der Wohnung rumlaufen. Aber es ist wunderschön, ich genieße es.

Vermissen Sie den Handball?
Gar nicht. Seitdem ich als Trainer aufgehört habe, hatte ich nicht einmal das Gefühl, dass ich wieder da unten am Spielfeldrand stehen will. Sicher auch deshalb, weil ich immer gesagt habe, dass ich mit 60 nicht mehr da rumhüpfen und mich über Schiris aufregen will.

Was trauen Sie den Deutschen nach den vielen Ausfällen zu?
Sicher ist Uwe Gensheimer mit seinen außergewöhnlichen Toren von außen ein Verlust und auch beim nahezu perfekten Zusammenspiel im Tempogegenstoß mit Patrick Groetzki (ebenfalls verletzt – d. Red.). Ich habe aber immer gesagt, wenn der Rückraum vernünftig spielt, kriegen die Außen auch eine Chance. Fatal wäre ein Ausfall von Rune Dahmke. Und ich glaube, dass der Ausfall von Patrick Wiencek ein Problem ist, für die Abwehr und den Angriff.

Und was trauen Sie der deutschen Mannschaft nun zu?
Die Situation im deutschen Handball ist im Augenblick sehr gut. Es gab in den letzten 20 Jahren noch nie so viel junge Leute, die in der Liga auf zentralen Positionen als Leistungsträger überzeugen. Dissinger, Ernst, Wiede – sie können sich während des Turniers beweisen, befreit aufspielen. Bis auf Frankreich gibt es zudem keine Ausnahmemannschaft. Dänemark, Polen, Kroatien – sie sind alle nicht weit weg. Ich traue unserem Team eine Überraschung zu.

So wie 2007 beim WM-Gold. War das der besondere Moment in Ihrem Leben?
Privat war das eher die Geburt meiner Kinder. Im Sport aber schon. Weltmeister 1978, da habe ich mich gefreut. Aber nach der WM war das als Spieler erledigt, bis auf die Tatsache, dass wir uns in der Truppe heute immer noch treffen. Köln 2007 war da schon etwas Besonderes, mit den 20 000 in der Arena, dann noch in meiner Heimat.

Gab es im Jubel da einen außergewöhnlichen Moment?
Den, als ich nach dem Titel allein in den Katakomben war. Da ging mir so viel durch den Kopf. Die Zeit als kleiner Junge, der durch seine älteren Brüder sehr früh dran war am Handball. Die Entscheidung, ob ich nach dem Studium Wirtschaftsprüfer werde oder in die Versicherungsagentur des Vaters einsteige und so Handball spielen kann. Da waren auch die Bilder der Zeit in Gummersbach, der WM-Titel 1978, die Trainerkarriere, die ja durch einen Zufall begann. Alles war da plötzlich präsent. Auch das Thema Bundestrainer mit all dem Spaß mit den Spielern und dem ewigen Kampf mit den Vereinen. Mein Handballleben lief wie in einem Sekunden-Film vor mir ab.

Gab es Entscheidungen, die Sie bereut haben?
Dass man Dinge falsch macht, das gehört dazu. Aber bereut? Ja, dass ich wegen des Olympia-Boykotts 1980 in Moskau aus der Nationalmannschaft zu früh zurückgetreten bin. Ein voreiliger Entschluss. Momente, die man streichen will, da gab es nur einen: den tragischen Unfall von Jo in Tatabanya.

Haben Sie noch Kontakt zu Joachim Deckarm?
Ich bin im Verwaltungsausschuss seines Fonds, telefoniere mit Jo auch regelmäßig. Ich habe auch zu seiner Betreuerin Kontakt. Wenn es Probleme gibt, bin ich ihr Ansprechpartner.

Greifen Sie mit 63 noch selbst zum Handball?
Nee, nee. Mit der 78er-Truppe haben wir ja noch relativ lange gespielt. Jetzt kriege ich auch keinen Ball mehr bis zum Tor, da würde mir die Schulter rausfliegen.

Belastung ist auch jetzt ein Thema. Spieler, Manager, sie alle klagen ...
Ich will das Thema nicht zu wichtig machen. Bei vernünftiger Lebensweise und Planung lässt sich viel auffangen. Die NBA-Basketballer schaffen es auch, plus weite Reisen und Zeitumstellung. Zunächst sollten alle professionell arbeiten. Da gibt es immer noch Defizite bei einem Teil der Spieler, die zu bequem sind, bei trainingsfrei lieber shoppen gehen als zum Physio. Sicher, die Belastung ist schon hoch, gerade bei den Teams, die Champions League spielen. Und ja, man könnte weniger Spiele machen, auch in der Liga, das würde sich aber auf der Einnahmeseite bemerkbar machen. Ich bezweifle, dass die Spieler, die jetzt vehement nach weniger Partien schreien, sich dann auch mit weniger Gehalt zufriedengeben würden.

Es wird auch diskutiert, WM und EM nur noch alle vier statt zwei Jahre auszutragen ...
Ich bin froh, dass sich das Geschrei gelegt hat. Mittlerweile haben wohl alle begriffen, dass die Nationalmannschaft für den Sport das Zugpferd ist und bleibt. Das ist zum Glück auch beim letzten Vereinsvertreter angekommen.

Abschließend: Haben Sie Kontakt zu Bob Hanning, Ihrem ehemaligen Co-Trainer?
Nein.

Im Zuge des Rücktritts um Ex-Präsident Bernhard Bauer haben Sie ihm eine narzisstische Persönlichkeitsausprägung und persönlichen Machtgewinn vorgeworfen ...

Und dabei bleibe ich, auch dabei, dass auch ich auf ihn hereingefallen bin. Es gibt auch keinen Grund, dies zurückzunehmen. Es gibt genügend Leute in der Handballszene, die eine ähnliche Meinung haben, sie aus den unterschiedlichsten Gründen aber nicht öffentlich machen können und wollen. Ich kann auch alle Sachen belegen, das hat aber nie einen interessiert. Eher die Schlagzeile, dass ich einen Rentenvertrag beim DHB angestrebt hätte und deswegen sauer sei. Das war eine über das Präsidium schön gesteuerte Lüge. Ich hatte Bernhard Bauer lediglich angeboten, ihm zu helfen – und das ehrenamtlich. Das Thema ist für mich erledigt. Ich wünsche dem DHB alles Gute.

Interview: Jens Kürbis

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