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Hannovers Sportfotograf Nummer 1 wird 75 Jahre alt

Ulrich zur Nieden Hannovers Sportfotograf Nummer 1 wird 75 Jahre alt

Er ist Hannovers Sportfotograf Nummer 1. Und das seit 44 Jahren. Ulrich zur Nieden hat sie alle fotografiert für die HAZ, vom Spieler aus der Pampersliga bis zum Superstar. Für ein gutes Motiv macht er da keinen Unterschied. Am Sonnabend wird er 75 Jahre alt. Ein Blick in seine Fotoschatzkiste. Und ein Interview zum Geburtstag.

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Da freut sich der Fotograf: Der ehemalige 96-Profi Jiri Stajner liefert Ulrich zur Nieden eine Nahaufnahme der besonderen Art.

Quelle: Ralf Decker

Herr zur Nieden, Sie fotografieren jetzt seit bereits 44 Jahren hannoverschen Sport und vor allem die „Roten“. Sind Sie eigentlich ein Fußballfan?
Nein, eher allgemein ein Fan der Sportfotografie. Ein Vielseitigkeitsreiter im Wassergraben, oder zwei Polospieler, die sich weit aus dem Sattel lehnen, um sich abzudrängen, sind für mich gleichwertig mit einem guten Fußballbild.

Ein halbes Leben an der Seitenlinie bei 96. Muss man da nicht zwangsläufig zum 96-Fan werden?
Ich lebe seit Jahrzehnten mit 96, das ist meine Antwort.

Wann kommen Sie glücklicher von einem Spiel heim: Von einem 96-Sieg mit durchschnittlichen Bildern oder vom 0:1 mit einem Superfoto?
Ich bin zufrieden, wenn ich das richtige Bild zur Schlagzeile geliefert habe, und zwar noch bevor die Schlagzeile überhaupt feststeht.

Sportfotograf Ulrich zur Nieden, oder „zN“, wie ihn viele nannten, ist in Hannovers Sportszene seit Jahrzehnten eine bekannte Größe. Am 23. Januar 2015 ist der HAZ-Fotograf im Alter von 78 Jahren gestorben.

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Wann haben Sie das letzte Mal ein Fußballspiel ohne Kamera gesehen, nur so aus Interesse?
Das kommt ganz selten vor. Mal ein Europapokal- oder Länderspiel im Fernsehen. Aber im Stadion? Nein.

Sie sitzen stoisch bei Hitze und Kälte in den Stadien oder am Trainingsplatz. Früher auf Ihrem schon legendären Aluminium-Fotokoffer, jetzt auf einem Dreibein. Sind Sie da nur eine Randerscheinung? Oder lassen Spieler und Trainer Sie ein bisschen an sich heran?
Es gibt Spieler, die vermitteln mir, dass ich auf eine ganz bestimmte Art dazugehöre. Blickkontakte mit Robert Enke, mal ein Plausch mit Christian Schulz. Oder eine Frotzelei mit Altin Lala. Der schnauzt dann schon mal: „Sitz da nicht nur rum. Nimm mal ab, du alte Sau.“

Und: Was antworten Sie ihm dann spontan?
„Halt die Fresse!“

Hat sich der Umgang zwischen Fußballer und Fotograf geändert über die Jahrzehnte?
Jupp Heynckes habe ich seinerzeit jede Woche zu Hause besucht. Er hatte mich gebeten, das Heranwachsen seiner Tochter auf Film festzuhalten. Da gab es dann Kaffee und Kuchen von seiner Frau – und Interna aus der Mannschaft. Früher waren Homestorys leichter, heute geht das nur noch unter größten Schwierigkeiten. Die Spieler haben ein großes Sicherheitsbewusstsein.

Gibt es aus all der Zeit einen Lieblingsspieler für Sie?
Ich habe Otto Addo als Fußballer und als Mensch richtig ins Herz geschlossen. Dem haben manche Schreiber in der Regionalliga die 2. Liga nicht zugetraut. Und in der 2. Liga haben sie ihm die Bundesliga nicht zugetraut. „Das reicht nie“, hat es geheißen. Aber der hatte den Mut zum Dribbling und die Fähigkeit, es zu gewinnen. Jan Schlaudraff aus dem aktuellen 96-Kader kann das auch, mein nächster Lieblingsspieler. Und mein Herz hüpft, wenn Didier Ya Konan an der Seitenlinie einen vernascht und die Energie, den Druck hat, sich dann bis zum Tor durchzusetzen. Und als Mensch Robert Enke. Sein Umgang mit anderen Menschen war etwas Besonderes.

Und Trainer?
Mir imponierte Ralf Rangnick, ein Mann mit gutem Sozialempfinden. Aber die haben alle die Schwierigkeit, dass sie mit Millionären klarkommen müssen. Das ist ein Riesenproblem. Straftraining nachts um zwei Uhr nach der Busrückfahrt von einer Niederlage: Das ist doch heute unvorstellbar.

Fordern Redaktionen heute andere Bilder als einst?
Heute unmöglich, früher normal: Ich stand mit der Kamera in der Kabine, wenn die Spieler nach dem Urlaub auf die Waage mussten.

Wie hat sich das Spiel verändert?
Die technische Brillanz hat zugenommen, da liegen Welten dazwischen. Mit der Spielgestaltung eines Hans Siemensmeyer, zu seiner Zeit eminent wichtig für 96, könnte man sich heute in der 1. Liga nicht mehr durchsetzen.

Was ist für Sie ein perfektes Fußballfoto?
Eine perfekte Situation ist es, wenn ich ein Motiv mit der richtigen Brennweite, aus dem richtigen Bildwinkel und aus der richtigen Distanz erwische. Das geht nur mit sehr viel Erfahrung, wenn man die Bewegungsabläufe der Spieler kennt. Wenn ich durchs Objektiv sehe, wie Sergio Pinto den Ball durchs Mittelfeld treibt, weiß ich unterbewusst, ob er als Nächstes einen Pass spielt oder aufs Tor schießt.

Ist der Fußball im Laufe der Jahre schöner, fotogener geworden?
Nein, nicht schöner, aber dynamischer, attraktiver.

Wissen eigentlich die Spieler im Stadion immer, wo die Kamera steht?
Ich bin sicher, dass Mike Hanke immer wusste, wo ich sitze.

Gibt es so eine Art Superfoto, das Sie unbedingt noch machen wollen, oder haben Sie im Fußball schon alles gesehen?
Vieles auf jeden Fall. Ich freue mich, wenn ich weiß, dass ich genau das Bild habe, das die Geschichte eines Spieles authentisch zeigt. Nicht das „Sportfoto des Jahres“, sondern den Knackpunkt im Spiel. Zum Beispiel das Bild von Pintos Foul an Michael Ballack. Dann ist meine erste Frage an mein Team: „Haben wir das?“

Im Stadion sitzen neben Ihnen die Fotografen vieler Agenturen, die vom Alter her Ihre Enkel sein könnten. Wie bestehen Sie in der Konkurrenz um die besten Bilder?
Wir sind immer mit einem Team um den Platz verteilt. Und Hannover braucht spezifische Bilder. Wenn zum Beispiel 96 in München spielt, fotografieren Agenturkollegen die stürmenden Bayern. Aber sie vernachlässigen den am Boden liegenden oder vor Wut in den Rasen beißenden 96er.

Was mögen Sie eigentlich außer Sportfotografie?
Ich bin ein Krimifan, meine Favoriten sind die Engländer mit trockenem Humor und wenig Blut und die Skandinavier, die durch ihren flotten Schnitt und gute Schauspieler unseren „Tatort“ überholt haben. Und wenn ich mal zur Ruhe komme, was praktisch nie vorkommt, Chansons von Edith Piaf oder Georges Brassens. Ein Sinfoniekonzert kann mich ziemlich aufwühlen.

Wann hören Sie auf zu fotografieren?
Wenn der liebe Gott mich lässt im Sommer 2012.

Werden Ihnen dann Hannovers Sport und besonders die „Roten“ fehlen?
Ich bin so neugierig, dass ich jeden Tag den Sportteil lesen werde.

Interview: Volker Wiedersheim

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