Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
"Nicht mehr im Alter, in dem man rumzickt“

Hochspringer Eike Onnen "Nicht mehr im Alter, in dem man rumzickt“

Eike Onnen legt derzeit einen Höhenflug nach dem anderen hin. Binnen sechs Tagen sprang er dreimal über die WM-Norm. Im HAZ-Interview spricht Hannovers Hochsprungstar über neuen Spaß, die WM in Peking und seine Mutter als Trainerin.

Voriger Artikel
Massensturz überschattet dritte Tour-Etappe
Nächster Artikel
Elias Sander tritt beim Ironman-Rennen an

„Ich gehe fest davon aus, dass es klappen wird“: Eike Onnen wird bei der Leichtathletik-WM im August Hannovers Mann in Peking.

Quelle: Petrow

Herr Onnen, binnen sechs Tagen sind Sie in Bühl, Köln und Verden dreimal über jene Höhe gesprungen, für die es das Flugticket zur am 22. August beginnenden Weltmeisterschaft in Peking gibt. Wollen Sie es mit 32 Jahren noch einmal wissen?

Es läuft einfach super. Ich genieße es, versuche dabei, mir eine gewisse Lockerheit zu bewahren, und mache mir möglichst wenig Gedanken.

Sie werden aber darüber nachgedacht haben, was diesem Höhenflug zugrunde liegt. Zuvor waren Sie zwei Jahre nicht über 2,12 Meter gekommen – und das bei einer Bestleistung von 2,34 Metern.

Das hat mehrere Gründe. Ich habe einige Kilogramm verloren, statt knapp 100 sind es jetzt 90, und ich bin verletzungsfrei. Wohl auch deshalb, weil ich viel für die Elastizität und Beweglichkeit getan habe. Was auch wichtig ist: Es macht einfach wieder Spaß, ich bin im Kopf freier.

Wer zur WM reisen wird, darüber entscheidet der nationale Verband nach der deutschen Meisterschaft am letzten Juli-Wochenende. An Eike Onnen in dieser Form dürfte kein Weg vorbeiführen, oder?

Die eigentliche Norm von 2,30 Metern habe ich erfüllt, den zusätzlich geforderten Nachweis habe ich mehrfach erbracht. Ich gehe fest davon aus, dass es klappen wird.

Hat sich Bundestrainerin Brigitte Kurschilgen schon bei Ihnen gemeldet?

Sie hat mich in Bühl (Onnen sprang da 2,32 Meter hoch – d. Red.) und Köln (2,30 – d. Red.) in Aktion erlebt. Auch wenn wir nicht direkt über die WM gesprochen haben, so hatte ich den Eindruck, dass sie meint, es sehe gut aus mit meinem Start in Peking.

WM-Titel für 2,41

Der dritte Versuch: Mit den 2,32 Metern bei seinem Sieg in Bühl am 28. Juni liegt Eike Onnen derzeit auf Platz 11 der Welt-Jahresbestenliste, gleichauf mit Olympiasieger Iwan Uchow (Russland). Sie wird von Mutaz Essa Barshim (Katar, 2,41), dem aktuellen Vizeweltmeister, angeführt.

Den Weltrekord hält Javier Sotomayor mit 2,45 Metern; diese Leistung aus dem Jahr 1993 bekam durch spätere Dopingverwicklungen des Kubaners aber einen faden Beigeschmack.

National hat Onnen derzeit Konkurrenz durch Mateusz Przybylko von Bayer Leverkusen, der Ende Mai 2,30 Meter schaffte.

Weitere Kandidaten für die WM in Peking (22. bis 30. August) gibt es aus Sicht des Deutschen Leichtathletik-Verbandes derzeit nicht. Mit Martin Buß (2001, 2,36 Meter) hatte Deutschland erst einen Männer-Weltmeister im Hochsprung; Buß hatte zwei Jahre zuvor schon Bronze geholt. Bei der Weltmeisterschaft 2013 sprang der Ukrainer Bogdan Bondarenko mit 2,41 Metern zum Titel.

Bei seinen bisherigen zwei WM-Starts wurde Onnen 2007 mit 2,26 Metern Siebter, 2011 kam er auf Platz 15 (2,28). Die Olympischen Spiele 2008 in Peking, für die der Hannoveraner bereits qualifiziert war, verpasste er aufgrund einer Fußverletzung. fe

Hätten Sie sich das vor einigen Wochen träumen lassen?

In Bezug auf die vergangenen zwei Jahre eher nicht. In der Hallensaison hat es sich angedeutet, dass meine Formkurve nach oben geht. Ich habe da auch den Spaß am Springen wiederentdeckt. Danach habe ich mich an die 2,20 Meter herangearbeitet, dann ging es Schritt für Schritt weiter nach oben. Auf diese Weise ist die Zuversicht zurückgekehrt, dass ich es noch kann.

Sie haben auch Ihren Sprungstil verändert?

Ich springe derzeit wieder ähnlich wie 2007 (da schaffte Onnen seinen Hausrekord von 2,34 – d. Red.). Es fehlt derzeit noch dieser „Sit and Kick“ über der Latte. Wenn ich das noch besser hinbekomme, dann könnte noch mehr drin sein.

Trainieren Sie mehr oder anders als früher?

Ich achte sehr viel auf meine Beweglichkeit und die Pflege der Muskeln. Dazu gehört auch regelmäßiges Turnen. Ansonsten versuche ich die Form zu halten und mit Blick auf Peking möglichst noch zu steigern. Vielleicht kommt da ja eine neue Bestleistung heraus.

Nach Osaka 2007, wo Sie Siebter wurden, und Daegu 2009 (15.) sehen Sie Ihrer dritten WM-Teilnahme entgegen. Wann wäre diese aus Ihrer Sicht ein Erfolg?

Gemessen an den vergangenen zwei Jahren wäre es der Finaleinzug. Wenn es dann noch in Richtung Bestleistung ginge ...

Aufgrund Ihrer jüngsten Leistungen müssen Ihnen doch Veranstalter von Sportfesten derzeit die Bude einrennen.

Gerade hat es eine Anfrage aus Eberstadt gegeben, ob ich da Anfang August starten möchte. Auch Viersen wäre eine Option. Da der Deutsche Leichtathletik-Verband schon Wochen vor der WM ein Trainingslager plant, müsste ich aber eine Sondergenehmigung einholen. Ich muss also die Nominierung abwarten.

Ihre Mutter Astrid Fredebold-Onnen ist auch Ihre Trainerin. Macht es das für Sie eher einfacher oder schwieriger?

Wir sind ein gut eingespieltes Team, alles läuft recht harmonisch – und wie man sieht auch erfolgreich. Ich bin auch nicht mehr in einem Alter, in dem man rumzickt.

Ihre Schwester Imke ist ebenfalls eine erfolgreiche Hochspringerin, diese Woche startet sie bei der U23-EM. Wie realistisch ist es, dass ein Onnen-Duo bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro für Deutschland antritt?

Das haben wir uns schon vorgenommen. Es wäre für uns beide ein Traum.

Interview: Norbert Fettback

Die Onnens – eine sportliche Familie

Eike liefert das Vorbild: Wenn es um Sport in der Familie Onnen geht, dann fällt dabei nicht nur der Vorname Eike. Das älteste der fünf Geschwisterkinder hat eine Art Vorbildrolle übernommen. Das gilt in erster Linie für Schwester Imke (20), eine ebenfalls erfolgreiche Hochspringerin. Dieses Jahr holte sie den deutschen Titel in der Halle – in der Frauenkonkurrenz. Diese Woche startet Imke bei der U23-EM in Tallinn, der große Bruder traut ihr dort den Finaleinzug und im Saisonverlauf einen Sprung über 1,90 Meter zu. In Verden meisterte sie gerade 1,85 Meter.

Bei den Landesmeisterschaften waren auch die Brüder Lasse (29), laut Eike Onnen ein sportlicher „Spätstarter“, als Sieger über die 100 Meter und Kjell (25), Zweiter im Weitsprung, erfolgreich. Alle vier gehören dem VfL Eintracht Hannover an und bestreiten ihre Wettkämpfe für die LG Hannover. Auch das hat das Geschwister-Quartett gemein: Trainerin ist mit Astrid Fredebold-Onnen die Mutter. Sie war mal deutsche Meisterin im Fünfkampf. Allein das fünfte Onnen-Kind Maie tanzt in Sachen Sport aus der Reihe.  fe

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Leichtathletik-Weltmeisterschaft

Der Hannoveraner Eike Onnen hat sein Ziel erreicht: Er qualifizierte sich bei bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Peking für das Finale. Der 33-Jährige übersprang die geforderten 2,31 m im zweiten Versuch und erreichte damit die Medaillen-Entscheidung am Sonntag (12.30 Uhr/ARD).

mehr
Mehr aus Sport
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wie hat mein Verein gespielt

Von Kreisliga bis Bundesliga: Hier finden Sie alle Fußball-Ergebnisse.

Recken besiegen HSC 2000 Coburg

Die TSV Hannover-Burgdorf bleibt sich treu in der Handball-Bundesliga. Starken Auftritten folgen Zitterpartien, und so wurde es am Sonntag gegen den HSC 2000 Coburg nichts mit dem allseits erwarteten klaren „Recken“ -Erfolg.