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„Ich möchte jeden Tag ein Stückchen besser werden“

Behindertensportler des Jahres 2016 „Ich möchte jeden Tag ein Stückchen besser werden“

Der 21-jährige Rennrollstuhlfahrer Timm Seestädt vom Förderverein Frielingen ist einer von sechs Kandidaten zur Wahl des Behindertensportlers des Jahres 2016. Machen Sie mit!

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Timm Seestädt

Quelle: NDR

Es gibt Zeiten, in denen sich Timm Seestädt fragt, warum er das alles macht. Neun bis zehn Trainingseinheiten pro Woche, Reisen zu Lehrgängen und Wettkämpfen – teils um die halbe Welt, parallel dazu die Schule mit dem Ziel, 2016 das Abitur zu bestehen. Doch in solchen Momenten hat der 21-jährige Rennrollstuhlfahrer vom Förderverein Frielingen die Antwort sofort parat: „Um etwas zu machen, das nicht jeder kann.“ So einfach scheint es zu sein, und zugleich ist es alles andere als das. Denn zu sportlichen Höchstleistungen, wie der junge Leichtathlet sie bringt, gehört weit mehr als eine gute Antwort. Wie hätte er es sonst zum Vize-Junioren-Weltmeistertitel über 1.500 m, zu zweiten Plätzen bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften über 200, 800 und 1.500 m sowie insgesamt sechs neuen persönlichen Bestleistungen gebracht?


Seestaedt 2,28 MB

Alle Porträts der Kandidaten finden Sie zum Nachhören und als Video bei NDR1 Niedersachsen.

Gelebte Inklusion von klein auf

Timm Seestädt hat in seinem Leben viel Glück gehabt. Dazu gehört nicht unbedingt die Tatsache, dass er mit einem offenen Rücken, einer sogenannten Spina bifida, geboren wurde. Dadurch hat er eine inkomplette Lähmung in den Beinen, weshalb er auf den Rollstuhl angewiesen ist. Doch seine Eltern haben Timm Seestädt schon als Kind ein inklusives Leben ermöglicht, um das andere zum Teil kämpfen müssen. „Ich bin in einen ganz normalen Kindergarten gegangen, habe eine Regelschule besucht und hatte Freunde ohne Behinderung“, erzählt er. Für die gehörte der Rollstuhl wie selbstverständlich zu ihrem Freund Timm dazu. „Irgendwann sind dann zwar auch mal Fragen dazu aufgetaucht, aber wir hatten ein so gutes Vertrauensverhältnis, dass wir immer ganz offen darüber gesprochen haben.“ Hänseleien oder gar Mobbing kennt er nicht.

Von der ersten internationalen Medaille ...

„Schnellfahren? Das klingt gut“, hat sich Timm Seestädt gedacht, als seine Eltern ihn im Alter von sieben Jahren fragten, ob er nicht an einem Schnupperlehrgang für das Schnellfahren teilnehmen wolle. „Das erste Mal war das nicht ganz einfach, weil ich ja nur in einem geliehenen Rennrollstuhl fahren konnte, der nicht optimal auf mich angepasst war“, erinnert sich der junge Sportler. Spaß gemacht haben ihm das Tempo und der Umgang mit dem Sportgerät aber sofort, so dass er zunächst einmal pro Woche mit dem Training begann. Mit neun Jahren kam das erste Rennen, ein Einlagewettkampf bei einer Leichtathletikveranstaltung – auf einer Aschenbahn, was heute kaum mehr denkbar ist. „Selbst das hat mich nicht aufgehalten“, sagt Timm mit einem Schmunzeln. So richtig ernst wurde es mit dem ersten internationalen Wettkampf zwei Jahre später – die Junioren-Weltmeisterschaft in Dublin. „Ich war der jüngste Teilnehmer, bin immer Vorletzter oder Letzter geworden, aber ich habe mich in der Mannschaft so gut aufgehoben gefühlt, dass es mir eine Riesenmotivation gegeben hat.“ Es folgten eine Steigerung des Trainings, viel Lehrgeld, das er bei großen Wettkämpfen zahlen musste, und schließlich der erste internationale Erfolg: Bei der Junioren-WM 2009 gewann er über 800 m Bronze.

... bis zum großen Traum Paralympics

Inzwischen hat Timm Seestädt sein Training weiter optimiert. 2011 zog er von Burg im Kreis Dithmarschen ins Lotto-Sportinternat nach Hannover, hat kurze Wege zu seinen Trainingsstätten und kann sich so voll auf den Sport konzentrieren. Kraft- und Schnelligkeitstraining gehören je nach Jahreszeit ebenso zu seinen Einheiten wie Ausdauer- und Intervalltraining. Mit der Leichtathletikhalle des Olympiastützpunktes, dem nahen Maschsee und der KGS Hemmingen findet er ideale Bedingungen vor. Und auch, wenn er manchmal seinen inneren Schweinehund überwinden muss, kann er sich ein Leben ohne Sport kaum mehr vorstellen. Was ihn motiviert? „Ich möchte nicht unbedingt der Beste sein, sondern jeden Tag ein Stückchen besser werden. Es ist der eigene Ehrgeiz, mich selbst zu überbieten“, sagt er. Ein Grund, warum er seit 2010 auch Marathonrennen bestreitet. „Bei Kilometer 32 fängt der Marathon erst richtig an. Wenn man diesen Punkt überwunden hat, kommt man auch an.“ Folglich kann er den berühmten „Mann mit dem Hammer“ mit dieser Einstellung regelmäßig bezwingen. Beste Voraussetzungen für das Erreichen seiner Ziele: „Für die Paralympics in Rio habe ich in den Bahnrennen eine Außenseiterchance, aber den Anschluss an die Männer zu schaffen und 2017 bei der WM gut abzuschneiden, ist realistisch.“ Das Fernziel lautet Paralympics in Tokio 2020. Und auf dem Weg dahin will Timm Seestädt die schönsten Momente seines Sports in vollen Zügen genießen: sich bei internationalen Wettkämpfen zu messen und sich eben immer wieder selbst zu überbieten.

Heike Werner

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