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„Wir wollen auch eine nationale Note“

Interview mit Christoph Kopp „Wir wollen auch eine nationale Note“

Internationale Stars? Neue Streckenrekorde? Oder besser ein homogenes Läuferfeld? Sportmanager Christoph Kopp berichtet im Interview, wie er das Läuferfeld für den HAJ Hannover-Marathon zusammenstellt.

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„Ich bin damit beauftragt, die Schnellsten einzuladen“: Für den Hannover-Marathon 2016 holte Athletenmanager Christoph Kopp gleich eine Handvoll starker Afrikaner nach Hannover. Foto: Sielski

Quelle: sp / Sielski

Herr Kopp, sind Sie selbst schon mal einen Marathon gelaufen?

Ich war Sprinter als Jugendlicher. Aber bei 1000 Metern habe ich aufgehört. Mit 18 Jahren habe ich dann als Übungsleiter angefangen.

Was genau machen Sie als Einkäufer der Topathleten?

Ich bin damit beauftragt, so gut es geht, die Schnellsten einzuladen. Und ein homogenes Feld zusammenzustellen - entsprechend der Philosophie und dem Wunsch des Veranstalters. Das ist auch von der Budgetgröße abhängig.

Und wie sind Sie dazu gekommen?

Ich bin da reingewachsen, das ist ja kein Lernberuf. Bei meinem Verein in Berlin habe ich ein bisschen die Funktionärskarriere eingeschlagen, und dort lagen die Anfänge für den Berlin-Marathon. Da habe ich die Aufgabe bekommen, mich um die Topathleten zu kümmern. Das habe ich dann 18 Jahre lang gemacht, zum ersten Mal 1980. Dann haben mich auch andere Veranstalter angesprochen. Seit 2003 bin ich für das Rennen in Frankfurt tätig, für Hannover seit 2009. Dazu kommen noch weitere Veranstaltungen.

Wann haben Sie mit der Planung begonnen für Hannover?

Sechs Monate vorher führen wir Gespräche mit dem Veranstalter. Was gibt es für ein Budget, was will der Veranstalter - mehr schnelle Frauen, Rekorde bei den Männern, bestimmte Athleten. So wie in diesem Jahr mit Arne Gabius oder Lusapho April. Wir wollen ja nicht nur 20 Kenianer haben, die keiner kennt, sondern auch ein bisschen eine nationale Note dabei. Wir haben wirklich wieder ein gutes Feld zusammenbekommen.

Wie kommen Sie an die Topläufer?

Marktkenntnis ist nicht verkehrt wie in jedem Beruf. Die Manager bieten ihre Läufer an, oder wenn ich einen Wunsch habe, spreche ich die Manager an. Natürlich muss man die Ergebnislisten permanent studieren, die Biografien der Athleten. Man muss nicht regelmäßig nach Kenia fahren, um Talente zu sichten. Das mache ich aber trotzdem.

Was machen Sie dort genau?

Es ist gut, wenn man die Läufer nicht nur in Deutschland starten sieht und kennenlernt, sondern auch in ihrer normalen Umgebung und ihren Trainingsgruppen. Ich besuche zum Beispiel regelmäßig die Crossmeisterschaften in Kenia. Dort sieht man die Läufer in Aktion, da kann man schon ein bisschen ablesen, wer in guter Form ist. Und auch einfach mal mit den Läufern sprechen.

Bei den Männern haben in Hannover 14-mal in Folge Sportler aus Afrika gewonnen. Warum kommen dort die besten Läufer her - und warum gibt’s verhältnismäßig wenig deutsche Top-Marathoni?

Es gab da viele Untersuchungen. Die Afrikaner haben eine gute Genetik fürs Laufen, einen guten muskulären Aufbau. Und Kenianer trainieren permanent in 2000 bis 2500 Meter, wie in einem dauerhaften Höhentrainingslager. Da haben sie oft die Nase vorne. Talente findet man eigentlich auch in unseren Breitengraden. Es ist aber schwer, sie für den Leistungssport zu begeistern. So ein Marathontraining ist umfangreicher als bei einem 100-Meter-Läufer.

Die Strecke in Hannover gilt als sehr schnell. Welche Rekorde sind dieses Jahr drin - und ist auch mal ein Weltrekord möglich?

Bei den Frauen rechne ich mit einem Streckenrekord, bei den Männern muss man sehen, wie gut die Form der Athleten am Ende ist. Vom Höhenprofil wäre sogar ein Weltrekord möglich. Aber es gibt einige Spitzkurven, die etwas störend sind. Aber wir sprechen schon mit den Veranstaltern darüber, die zu entschärfen. Mal sehen, was dann passiert.

Interview: Jonas Szemkus

Zur Person

Christoph Kopp ist einer der erfahrensten Athletenverpflichter in der Straßenlaufszene. Der 69 Jahre alte Berliner bietet diesen Service über das Unternehmen International Sport Service (ISS) an. Seine Tätigkeit beschränkt sich nicht nur auf Veranstaltungen in Deutschland, auch für Organisatoren in Österreich, Italien, Polen, der Ukraine und der Türkei hat Kopp schon gearbeitet. Aktuell kümmert er sich um die Marathonläufe in Hannover, Frankfurt und Düsseldorf.

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