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„Herkommen, angucken, Lebensfreude teilen“

Interview mit Frank Busemann „Herkommen, angucken, Lebensfreude teilen“

In Hannover beginnen am Montag die Special Olympics Deutschland für Menschen mit Behinderungen: Frank Busemann, ehemaliger Zehnkämpfer und Botschafter der Spiele, spricht im Interview über schöne Erfolge und peinliche Stille.

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„Eine feine Veranstaltung“: Frank Busemann (Bild rechts) ist Botschafter der Special Olympics. 1996 gewann der Ex-Zehnkämpfer Silber bei Olympia in Atlanta. Fotos: dpa (2)

Quelle: (Alexander Körner)

Herr Busemann, Sie sind Botschafter der Special Olympics Deutschland, die am Montag in Hannover beginnen. Was macht diese Veranstaltung so besonders für Sie?

Die pure Lebensfreude der Teilnehmer. Ich treffe bei den Special Olympics fast 5000 Athleten, die auf diesen einen Tag hingearbeitet habe, die aufgeregt sind, ehrgeizig - und die sich über einen Erfolg unglaublich ehrlich freuen. Das ist wirklich schön zu sehen.

Wie sehr steht das Gewinnen für die Teilnehmer bei den Special Olympics im Vordergrund?

Das ist grundsätzlich wie bei allen anderen Sportlern auch: Jeder will das Beste geben. Auch wenn am Ende natürlich nicht jeder gewinnen kann. Ich habe bei den Special Olympics schon Leute erlebt, die sich nach dem Wettkampf so richtig geärgert habe, wo Tränen geflossen sind. Aber so muss das ja auch sein. Es geht doch darum, die eigenen Grenzen auszuloten, sich zu verbessern und mit anderen zu messen. Aber eigentlich hat mir in den vergangenen Jahren etwas ganz anderes an den Special Olympics imponiert ...

... und zwar?

Ich finde es einfach großartig, was der Sport für ein Selbstwertgefühl bei den Teilnehmern erzeugt. Das Motto „Geht nicht, gibt’s nicht“ wird hier noch wirklich gelebt.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Ich könnte etliche Beispiele nennen. Da war zum Beispiel vor ein paar Jahren ein Mädchen mit Downsyndrom, das sich nach dem Wettkampf vor eine große Menschenmenge gestellt und frei heraus erklärt hat, wie es sich trotz aller Schwierigkeiten auf den Wettkampf vorbereitet hat und wie wichtig die Teilnahme war. Und das alles mit einem Selbstbewusstsein - toll! Da haben die Erfolgserlebnisse durch den Sport bei dem Mädchen eine große Rolle gespielt, glaube ich. Die jungen Männer und Frauen können sich bei den Special Olympics austesten, sie spüren Erfolge und lernen, mit persönlichen Niederlagen umzugehen. Dazu kommt das Miteinander beim Training. Genau das soll durch den Sport doch erreicht werden.

Bei den Special Olympics wird der olympische Gedanke „Dabei sein ist alles“ vermutlich noch eher gelebt als bei den Sommerspielen in Rio, oder?

Ja. Definitiv. Die Special Olympics sind eine ganz feine Veranstaltung, sehr ehrlicher Sport. Deshalb gefällt es mir ja auch so gut.

Also gibt es keine Tricksereien, kein Doping?

Ich habe das noch nicht erlebt. Meine Empfehlung: Herkommen, angucken, diese Lebensfreude teilen und - wichtig - keine Berührungsängste haben!

Was vielen schwerfällt, aus Angst, etwas falsch zu machen.

Stimmt. Und dann entsteht so eine peinliche Stille. Das ist blöd. Lieber einfach drauflosreden, auch wenn man mal einen Fehler macht. Das ist mir vor zwei Jahren auch passiert, als ich als ARD-Reporter von den Special Olympics aus Düsseldorf berichtet habe. Da kannte ich mich auch noch nicht mit allen Behinderungen aus und habe hier und da etwas Falsches gesagt.

Wie waren die Reaktionen?

Ganz entspannt. Ich wurde darauf hingewiesen - und fertig. Sie brauchen sich nicht einzubilden, dass Ihnen hier einer was vormacht. Wenn dich bei den Special Olympics einer doof findet, dann sagt er es dir auch. Und das ist gut so.

Interview: Patrick Hoffmann

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