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Die Zukunft liegt in der Türkei

Jonas Schomburg wechselt Verband Die Zukunft liegt in der Türkei

Beim Maschsee-Triathlon will Jonas Schomburg es noch einmal aufs Podium schaffen, bei der U23 sogar ganz vorn sein. Es wäre sozusagen ein goldener Abschluss im Heimrevier. Nach dem Maschsee-Triathlon wechselt Schomburg den Verband.

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„Ich habe ein gutes Gefühl“: Jonas Schomburg nimmt die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro ins Visier. Dort will der Langenhagener für die türkische Mannschaft an den Start gehen.

Quelle: Körner

Hannover. Diese Woche war gewöhnungsbedürftig für einen wie Jonas Schomburg. Seit Dienstag hat er statt zu trainieren die Beine hochgelegt und viel geschlafen. „Bis zu zwölf Stunden“, sagt der 20-Jährige, der Anfang der Woche erst vom WM-Finale im kanadischen Edmonton zurückgekehrt ist. Am Sonnabend aber will er wieder hellwach sein. Dann startet Schomburg, der Mitglied des SC Hannover ist, am Maschsee bei der deutschen Triathlon-Meisterschaft im Sprint. Zugleich geht es für ihn und sein Stadtwerke-Team Witten, den aktuellen Tabellenzweiten, beim abschließenden Bundesligarennen noch einmal um wichtige Punkte. Und der Langenhagener hat etwas vor. „Im Titelkampf möchte ich es aufs Podium schaffen“, sagt er. „Und in der ,U 23’-Wertung will ich ganz vorne sein.“

Es wäre sozusagen ein goldener Abschluss im Heimrevier, ehe Schomburg im Oktober einen Schritt wagt, den vor ihm noch kein anderer Leistungssportler aus Deutschland gemacht hat: Er startet dann für die Türkei. Die Formalitäten sind längst erledigt; im Februar war sogar ein Fernsehteam dabei, als er in Istanbul seine Absicht mit seiner Unterschrift besiegelte. Nächsten Monat wird der blonde junge Mann den türkischen Pass bekommen. Den deutschen behält er. „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt Schomburg. Bereits jetzt hat er fast täglich Kontakt mit Andrea Gabba, dem aus Italien stammenden Nationaltrainer im Triathlon-Entwicklungsland Türkei.

Er habe sich das Ganze auch gut überlegt, sagt Schomburg. Eine andere Chance, sich seinen sportlichen Traum zu erfüllen, sehe er nicht: den Start bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro und vier Jahre später in Tokio. In der Türkei, in dieser Disziplin beim weltweit wichtigsten Sportereignis noch ein unbeschriebenes Blatt, gilt er als Hoffnungsträger. „In Deutschland habe ich keine Möglichkeit mehr gesehen, das schaffen zu können“, sagt er. Was sicher auch mit der starken Konkurrenz zu tun hat.

Eine Frage des Talents ist das nicht. Schomburg gehört seit Jahren zu den besten Nachwuchsathleten hierzulande. Beim jüngsten Bundesligarennen in Düsseldorf war er als Achter bester Deutscher. Viermal in Folge war er zuvor nationaler Vizemeister bei der Jugend und den Junioren. Auf diese Weise hatte er sich 2013 auch für die Junioren-Weltmeisterschaft in London qualifiziert. Dort lief es nicht nach Wunsch: Als 21. kam er im Sprintwettbewerb ins Ziel – mit der Folge, dass Schomburg aus der Kaderförderung flog. Er hätte unter die ersten zehn kommen müssen. „Das tat weh“, sagt er rückblickend. Er entschied sich, sich grundlegend neu zu orientieren und den Verband zu wechseln. Ärger mit der Deutschen Triathlon Union (DTU) habe es nicht gegeben. „Da wurden mir keine Steine in den Weg gelegt.“

Auch in Österreich und Luxemburg hätte es für ihn die Möglichkeit gegeben, in seinem Sport, der mit viel Aufwand an Zeit und Geld betrieben werden muss, mit Blick auf Rio voranzukommen. Schomburg zog das Angebot aus der Türkei vor; der dortige Verbandspräsident habe sich persönlich eingeschaltet und ihm Unterstützung zugesagt. Am 18. Oktober, dann findet in Tongyeong (Südkorea) der nächste Weltcup auf der olympischen Distanz statt, wird er erstmals im türkischen Trikot starten.

Beim WM-Finale voriges Wochenende in Edmonton tauchte in der Ergebnisliste hinter dem Namen Schomburg das Kürzel ITU auf, das für Internationale Triathlon Union steht. Nur so war überhaupt ein Startplatz zu bekommen, denn Schomburg musste aufgrund der Nicht-nominierung durch den deutschen Verband in internationalen Wettbewerben zuvor möglichst viele Punkte sammeln. „Ein steiniger Weg“, sagt Vater Arnd Schomburg, früher selbst erfolgreicher Triathlet und Stützpunkttrainer in Hannover. Jetzt aber habe sich Jonas an die 100 Besten in der Welt herangekämpft. „Dann bekommst du auch viel leichter eine Einladung zu wichtigen Wettkämpfen.“
Seinen Lebensmittelpunkt wird Schomburg in Langenhagen behalten, trainieren will er weiterhin in Hannover. Vom Landesverband und vom Olympiastützpunkt erfahre er eine gute Unterstützung, sagt er. Und er hofft, dass das auch künftig so bleibt. Trotz der anstehenden Zäsur.

Mit dem Namen Jonas Schomburg verbindet sich damit auch ein Modellversuch: Aus Niedersachsen kommen nicht allzu viele Triathleten, die auch international etwas bestellen können. Der eine wandert nun aus, wie man es auch sehen kann – ein anderer, Justus Nieschlag (22) aus Lehrte, geht den anderen Weg, der ihn auch nach Rio führen soll. Er trainiert bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Während Schomburg morgen am Maschsee zum Dreikampf antritt, steht für Nieschlag in ein paar Kilometern Entfernung militärische Grundausbildung auf dem Programm. Das Ziel ist für beide das gleiche.

Auf den Spuren des Vaters

Triathlon als Familienangelegenheit: Der Name Schomburg ist in Sportlerkreisen seit mehr als 30 Jahren bekannt. Arnd Schomburg (49) gehörte von 1992 bis 2001 zur deutschen Triathlon-Nationalmannschaft. Bei der Weltmeisterschaft 1995 holte er zusammen mit Assen wie Stephan Vuckovic und Lothar Leder den Mannschaftstitel.

Nach der aktiven Karriere engagierte sich Schomburg von 2004 bis 2008 in der Anti-Doping-Kommission der Deutschen Triathlon Union (DTU); von 2006 bis 2008 war er Vizepräsident des Verbandes, er trat nach Differenzen mit den Landesverbänden zurück. In Hannover war er 2007 mit daran beteiligt, dass der Maschsee-Triathlon – 1992 von ihm mitinitiiert – wiederbelebt wurde.

Seit 2004 ist Arnd Schomburg in Hannover als Stützpunkttrainer auf Honorarbasis tätig. Von seinen drei Söhnen folgt vor allem Jonas seinem Vorbild als Triathlet. Um den aufwendigen Sport, dem der 20-Jährige seit 2004 nachgeht, finanzieren zu können, wird er von Lotto Niedersachsen, dem Airport Hannover und der relog-lohn GmbH unterstützt. Bruder Ole (22) war einst Kunstturner, Lasse (15) findet Spaß am Surfen.

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