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Mit breiten Schultern nach Rio

Judoka Igor Wandtke Mit breiten Schultern nach Rio

Fünf Ringe für Hannover: Judoka Igor Wandtke setzt auf Disziplin und Kampfgeist und hofft auf eine Olympiamedaille in Rio.

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Der Schulterwurf ist Igor Wandtkes Spezialität. Der Judoka aus Hannover, der den weißen Anzug trägt, hebt bei der Europameisterschaft 2016 in Kasan den Tschechen Jaromir Jezek (blauer Dress) aus. 

Quelle: Maxim Shipenkov

Hannover. Ein Hoch auf die Familie! Das gilt für die Talentesichtung im Leistungssport - ohne elterliche Anstöße hätte es weder die Kanu-Karriere von Sabrina Hering noch die Bahnrad-Erfolge von Emma Hinze gegeben. Und auch Igor Wandtke, ein weiterer Olympiastarter aus Hannover, wäre auf der Judomatte kaum so erfolgreich, wenn das Interesse und die Liebe am Sport nicht früh geweckt worden wären. „Beide Eltern sind Judokas“, sagt der 25-Jährige. Vater und Mutter tragen den schwarzen Gurt, und sie haben Igor zu ihrem Sport schon als Kleinkind mitgenommen. „Ich habe zunächst am Rand gesessen und gespielt und dann mit vier Jahren selbst die ersten Versuche unternommen.“

Der Start vor mehr als 20 Jahren lässt eine schnurgerade Judo-Laufbahn vermuten, die jetzt in der Teilnahme in Rio in der Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm mündet. Doch Wandtke hat auch manche Nebenwege genommen - freiwillig, aber auch dem Sportsystem geschuldet. „Als Jugendlicher habe ich auch einmal American Football ausprobiert“, erzählt er und verblüfft, weil er so gar nicht die Statur der typischen Vertreter dieser US-Sportart hat. Der Körperbau hat ihn dann letztlich auch zum Judo zurückgebracht: „Es wäre doch schwer gewesen, sich im Football gegen diese Schränke durchzusetzen.“

In der asiatischen Kampfsportart wurde Wandtke vor sieben Jahren deutscher Jugendmeister, der erste Erfolg auf überregionaler Ebene. Dieser Titel forderte aber kurze Zeit später eine Entscheidung von dem Sportler, der mit seiner Familie in Lübeck lebte. „In Schleswig-Holstein gibt es keinen Olympiastützpunkt“, sagt er. Von einem Sportler im Nationalkader wird aber erwartet, dass er an einer solchen Einrichtung trainiert. Wandtke orientierte sich zunächst nach Köln, doch recht schnell zog es ihn zurück nach Norddeutschland, nach Hannover. „Ich kannte Sven Loll von norddeutschen Meisterschaften, und mir hat die Art gefallen, wie er seine Sportler betreut“, erzählt Wandtke.

"Igor hat einen unbändigen Kampfeswillen"

Der Trainer und der Athlet harmonieren nicht nur, weil beide in nahezu derselben Gewichtsklasse aktiv waren beziehungsweise sind. Der Berliner Loll, heute 52 Jahre alt, gehörte in den Achtzigerjahren zur Weltspitze in der Klasse bis 71 Kilogramm und gewann bei den Olympischen Spielen in Seoul die Silbermedaille.

Seit 1996 arbeitet Loll als Trainer in Hannover, zunächst im Nachwuchsbereich, jetzt als Leitender Landestrainer. Auf Wandtke hält er große Stücke: „Igor hat einen unbändigen Kampfeswillen. Und er ist unheimlich diszipliniert, im Sport, im Training und in puncto Ernährung.“

Disziplin ist ohnehin in allen Kampfsportarten mit ihren Einteilungen nach Gewichtsklassen unabdingbar. „Man versucht, im Wettkampf schon dicht am oberen Limit zu sein“, sagt Loll. Deshalb haben Sportler wie Wandtke in der Trainingsphase bis zu 10 Prozent „Übergewicht“, das sind immerhin sieben Kilogramm im Falle Wandtkes. Wie aber schafft der Judoka dann das Limit? „Fünf Kilogramm bekomme ich durch ,FdH‘, weg. Den Rest durch Wasserverlust, aktives Schwitzen“, sagt Wandtke. Das heißt in seinem Fall, er läuft vor dem Wiegen, aber nicht in Hemd und Turnhose, sondern dick eingepackt, damit es mit dem Schwitzen auch klappt.

„Ich möchte eine Medaille gewinnen“

In Rio trifft der Hannoveraner auf 31 Konkurrenten. „Fast alle sind Weltklasse“, sagt Wandtke. Er musste daher nicht nur die deutsche Nummer 1 werden, sondern auch in der internationalen Rangliste ordentlich punkten, um sich den Olympiatraum zu erfüllen. Das gelang ihm mit drei Medaillen bei Judo-Grand-Slams, solche Ergebnisse nähren Hoffnungen. „Ich möchte eine Medaille gewinnen“, sagt er. Das klappt dann, wenn er seine Spezialität ansetzen kann - den Seoi-Nage, einen Schulterwurf.

Beruflich ist der Judoka abgesichert - als Sportsoldat. Nach Olympia will Wandtke ein Lehramtsstudium in den Fächern Sport und Mathematik aufnehmen. Doch er behält auch seine sportliche Karriere im Blick. „2020 bin ich 30 Jahre alt, im besten Judoalter.“ Dann finden die Olympischen Spiele in Tokio statt, der Heimat des Judosports.

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