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Rios Anti-Doping-Labor verliert Lizenz

Olympia Rios Anti-Doping-Labor verliert Lizenz

Nächste Hiobsbotschaft für Rios Olympia-Macher: Während der Spiele können im Anti-Doping-Labor vor Ort womöglich keine Tests analysiert werden. Die Welt-Anti-Doping-Agentur entzog die Akkreditierung - im Notfall müssen Proben ausgeflogen und woanders analysiert werden.

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Quelle: EPA/Antonio Lacerda/dpa (Symbolbild)

Rio de Janeiro. Sechs Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele gibt es für die Organisatoren in Rio de Janeiro den nächsten Schock. Dem Anti-Doping-Labor der Olympiastadt wurde vorläufig die Lizenz entzogen. Wie die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) mitteilte, sei die Einrichtung, in der bei den Sommerspielen rund 5000 Dopingproben analysiert werden sollen, nicht konform mit den internationalen Standards. Damit müssen im schlimmsten Fall alle Dopingproben ausgeflogen und in einem anderen Land untersucht werden. In der Vergangenheit war es in Rio zu falschen Testergebnissen gekommen.

Nach dem Verdacht einer massiven Manipulationen mit Doping-Proben russischer Athleten bei den Winterspielen 2014 in Sotschi steht die Arbeit der Doping-Kontrolleure in Rio noch stärker im Fokus. Das brasilianische Anti-Doping-Labor reagierte mit Unverständnis.

Man habe die modernsten Einrichtungen weltweit geschaffen. "Allein in diesem Jahr hat das Labor mit Erfolg rund 2000 Urin- und Blutproben analysiert." Nach einer Visite von Spezialisten der Wada im Juli hoffe man, dass die Analysen noch rechtzeitig zu den am 5. August beginnenden Olympischen Spielen wieder in dem Labor ausgewertet werden können. Brasiliens Anti-Doping-Agentur erklärte, man hoffe, dass die Suspendierung "so schnell wie möglich aufgehoben werde." 

Philipp Wilkinson, einer der Sprecher des Organisationskomitees, sagte der Deutschen Presse-Agentur in Rio de Janeiro: "Rio 2016 sieht sich absolut verpflichtet zu sauberen Spielen mit einem vollständigen Anti-Doping-Programm. Wir arbeiten zusammen mit der WADA und der brasilianischen Regierung, um das auch zu gewährleisten."

Wenn es allerdings nicht gelingt, alle Standards der WADA zu erfüllen, könnten die tausenden Proben zum Beispiel in einem Labor in den USA, Kolumbien oder Mexiko untersucht werden, das wäre aber mit einem erheblichen logistischen und finanziellen Aufwand verbunden.

Die Suspendierung ist bereits seit Mittwoch wirksam und gilt für maximal sechs Monate. Urin- und Blutproben müssten in dieser Zeit in einem ausländischen Labor mit WADA-Lizenz analysiert werden. Nach dem Warnschuss hat die WADA dem Rio-Labor aber noch eine Hintertür offen gelassen. Das Exekutivkomitee der WADA oder ihr Vorsitzender könnten die Sperre wieder aufheben, sollte ein Disziplinarkomitee im Juli entscheidende Verbesserungen feststellen. "Sportler können darauf vertrauen, dass die Sperre erst aufgehoben wird, wenn das Labor wieder optimal arbeitet", sagte WADA-Generaldirektor Olivier Niggli.

Details zu den Problemen teilte die WADA allerdings nicht mit. Die Analyse der Proben sei aber gesichert, betonte Niggli. Die WADA garantiere, dass es weder bei den Olympischen Spielen noch bei den anschließenden Paralympics Lücken im Analyseverfahren gebe.

Das Rio-Labor hat nicht zum ersten Mal seine Akkreditierung verloren: Bereits 2012 wurde es von der WADA wegen eines fälschlichen positiven Tests suspendiert; erst 2013 durfte es wieder Analysen durchführen. Das Labor befindet sich an der Universität Federal do Rio de Janeiro und hat rund 188 Millionen Reais (rund 47 Millionen Euro) gekostet.

130 bis 140 brasilianische Kontrolleure sollen im Einsatz sein und das Labor rund um die Uhr arbeiten. Neben den 5000 Proben bei Olympia sind bei den Paralympischen Spielen weitere 1000 Proben geplant.

Bisher ist in Rio kaum Olympiastimmung auszumachen, zu groß sind die Probleme. Vor einer Woche hatte der Bundesstaat Rio de Janeiro wegen Geldproblemen den finanziellen Notstand erklärt, seit Wochen gibt es eine Versorgungskrise zum Beispiel in Krankenhäusern. Die Regierung will nun mit einem Darlehen von umgerechnet rund 755 Millionen Euro aushelfen. Immerhin wird am Samstag mit dem Velodrom die letzte Sportstätte offiziell übergeben – allerdings hat die Bahnrad-Elite wegen der Bauverzögerungen keine Möglichkeit mehr für größere Tests.

Ein Sorgenkind ist auch das größte Infrastrukturprojekt der knapp zehn Milliarden Euro kostenden Spiele: eine neue Metrolinie Richtung Olympiapark im Stadtteil Barra. Dieser liegt rund 35 Kilometer vom Strandviertel Copacabana entfernt. Wird die Linie, die bis zu 300.000 Menschen am Tag befördern soll, nicht rechtzeitig fertig, droht ein Transportchaos. Durch die vorläufige Absetzung von Staatspräsidentin Dilma Rousseff und die Übernahme durch eine von Korruptionsskandalen erschütterte Interimsregierung unter Führung von Michel Temer befindet sich das fünftgrößte Land der Welt Land neben einer der tiefsten Rezessionen auch noch in einer schweren politischen Krise. 

Von Georg Ismar und Stefan Tabeling, dpa

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