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Langenhagener gilt als große Radsporthoffnung

Radrennen Langenhagener gilt als große Radsporthoffnung

Leo Appelt von Blau-Gelb Langenhagen gilt als große deutsche Radsporthoffnung. Selbst wenn er sich verfährt, haben seine Gegner selten eine Chance, ihn einzuholen.

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Tempo, Tempo: Leo Appelt lässt sich beim Training auf der Bahn in Wülfel von Trainer Gernot Backhaus anfeuern.

Quelle: Martin Steiner

Hannover. Auf dem Weg zum deutschen Straßentitel hat er sich verfahren. Obwohl er blitzschnell reagierte und umdrehte, war der Vorsprung ruck, zuck von 30 auf zehn Sekunden geschmolzen. „Dann haben sie mich gejagt, aber sie haben mich nicht gekriegt“, sagt Leo Appelt. Im Ziel hatte er dann einen Vorsprung von 40 Sekunden. Der 14-jährige Radsportler erinnert sich nicht gerne an seinen Patzer, mit Stolz blickt er jedoch auf die Situation zurück, die er im Juni unter großem Druck bewältigt hat.

Leo hat Biss, das weiß auch Gernot Backhaus, der das Talent seit fünf Jahren beim RC Blau-Gelb Langenhagen trainiert: „Er hat die Gabe, keinen Schmerz zu spüren. Und er will ganz hoch hinaus, das sagt er mir immer wieder.“
Doch manchmal muss er sich auch gedulden. Am Freitagabend zum Beispiel, wenn die Radprofis bei der „Nacht von Hannover“ um die Oper rasen, ist Leo nur Zuschauer. Für einen Start ist er noch zu jung. Dabei hat er genug Talent, um eines Tages bei den „Großen“ mitzufahren: Drei Meistertitel hat Leo in diesem Jahr bereits gewonnen; außer dem Titel auf der Straße auch im Cross zu Jahresbeginn, und seit dem Wochenende ist er obendrein noch deutscher „U 15“-Meister im Omnium auf der Bahn.

Bei seinem ersten Anfängerrennen war Leo der Konkurrenz auf seinem Mountainbike davongefahren. Jetzt sitzt er auf einem sieben Kilogramm leichten Rad des Tour-de-France-Teilnehmers Tejay van Garderen. Mit dem Gefährt des niederländischen Rabobank-Teams ist er zur Radrennbahn in Wülfel gekommen. Zum Einsatz kommt das gute Stück beim Training an diesem Tag aber nicht. „Für die Bahn habe ich ein anderes Rad“, erklärt Leo, dessen Lieblingsdisziplin der Kampf gegen die Uhr ist. „Leo ist unglaublich gut darin. Und die großen Rennen werden nun mal im Zeitfahren entschieden“, sagt sein Trainer.

Die Radsportbegeisterung liegt in Leos Familie. Sein Onkel war Cross-Bundestrainer Klaus Jördens, dessen Sohn Roman ist mehrmaliger deutscher Meister. Außer der Verwandtschaft zählt der Hannoveraner Grischa Niermann vom Rabobank-Team zu Leos großen Vorbildern. „Keiner von denen hat etwas mit Doping zu tun“, da ist sich Leo sicher. Er weiß um den schlechten Ruf, mit dem der Radsport nicht nur in Deutschland zu kämpfen hat.

„Früher habe ich auch immer gedacht, das kann nicht mit rechten Dingen zugehen. Aber Leo hat mich eines Besseren belehrt. Nur einige Radfahrer dopen, und die bekommen leider die ganze Aufmerksamkeit“, sagt sein Vater Rainer. Gerne spielt Appelt bei Wettkämpfen am Straßenrand den Helfer für seinen Sohn. „Ich versuche, überall dabei zu sein und sorge dafür, dass Leo früh ins Bett kommt. Aber ich treibe ihn nicht an. Radfahren will er von ganz alleine“, unterstreicht der Vater.
Obwohl Leo dreimal in der Woche trainiert und an fast jedem Wochenende Rennen fährt, steht die Schule in Absprache mit Eltern und Trainer an erster Stelle. „Ich will mein Abitur machen und danach Profifahrer werden“, sagt der Neuntklässler der Bismarckschule.

Leos Erfolge sind vielen nicht entgangen. Wenn das Telefon klingelt, melden sich am anderen Ende schon einmal Sportinternate und interessierte Trainer. „Das kommt für mich alles nicht infrage. Ich bin zufrieden in Langenhagen, und Gernot ist sowieso der beste Trainer, den es in Deutschland gibt“, stellt der Nachwuchsradfahrer klar.

Eine Anfrage von einem Profiteam gab es bisher nicht. Dafür ist Leo auch noch viel zu jung und muss bis zu seinem 19. Lebensjahr auf eventuelles Interesse warten. Doch ganz unabhängig davon hat er das nächste Ziel schon fest vor Augen: einen Start bei der „Nacht“. „Im nächsten Jahr“, sagt Leo, „bin ich dann dabei.“

Kristin Kunze

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