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„Du bist ein Nichts! Du wirst nie etwas erreichen“

Darts-Legende Phil Taylor „Du bist ein Nichts! Du wirst nie etwas erreichen“

Als Philip Douglas 16 Jahre alt ist, repariert er Klospülungen. Wenn er Zeit hat, wirft er in Kneipen Pfeile – bis er entdeckt wird. Heute kennt ihn jeder als Darts-Legende Phil Taylor. Hier erzählt der Brite von Fahrten im 75-Pfund-Auto, dem Moment seines ersten Weltmeister-Titels und verrät sein Erfolgsgeheimnis. Der Aufstieg vom Metallarbeiter zum Millionär.

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Lebende Darts-Legende: Publikumsliebling Phil Taylor gewann 2013 seinen bislang letzten WM-titel.

Quelle: afp

Es klingt wie ein kitschiges Weihnachtsmärchen: Ein mittelloser Metallarbeiter aus Stoke-on-Trent entdeckt seine Liebe zum Darts. Jeden Abend, wenn er zurückkehrt von der kräftezehrenden Arbeit, wirft er ein paar Pfeile. Eines Tages wird er beim Spielen in der Kneipe von einem Darts-Profi entdeckt und finanziell gefördert. Der mittellose Metallarbeiter kündigt seinen Job, konzentriert sich auf den Sport - und wird schon wenige Jahre später Weltmeister. Sein Name: Philip Douglas, genannt Phil Taylor. Der Rest ist bekannt: Taylor steigt in den folgenden Jahren auf zum Weltstar und Multimillionär, krönt sich mit 16 Titeln zum Rekordweltmeister.

Auch in diesem Jahr gehört er wieder zu den Favoriten im Londoner Alexandra Palace. Das Publikum liebt den inzwischen 55 Jahre alten Darts-Profi aus den englischen Midlands - gerade weil er es aus einfachsten Verhältnissen bis ganz nach oben geschafft hat.

Mister Taylor, können Sie sich noch an den 13. Januar 1990 erinnern?
Na klar! Das war der Wendepunkt in meinem Leben.

Es war der Tag Ihres ersten WM-Siegs. Bitte beschreiben Sie doch einmal die letzten Sekunden im Finale.
Ich hatte noch 49 Rest und drei Pfeile: Single-9, Single-20, Doppel-10, das war‘s. Unfassbar. Ich habe an diesem Tag 24 000 Pfund verdient. So viel Geld hatte ich noch nie zuvor besessen.

Was haben Sie mit dem Geld gemacht?
Ich habe meinem Vater ein Auto gekauft. Das erste in seinem Leben. Einen Austin Maestro. Er hatte mal erwähnt, dass ihm dieses Auto gefallen würde.

Ihre Eltern kommen aus einem Arbeiterviertel im englischen Stoke-on-Trent, sie hatten nie viel Geld.
Anfangs hatten wir in unserem Haus nicht mal einen Stromanschluss. Ich erinnere mich noch an den Tag, an dem mein Vater unseren ersten Fernseher gekauft hat. Die Monteure wussten nicht, wo sie das Gerät anschließen sollten. Wir hatten ja keine Steckdosen. Also hat mein Vater das Kabel aus dem Fenster heraus und in die Nachbarwohnung gelegt und dort angeschlossen.

Und Jahre später sind Sie plötzlich Weltmeister - und verdienen viel Geld …
Das beste Gefühl meines Lebens. Ich weiß es noch genau: Ich hatte damals ein altes Auto, das ich mal für 75 Pfund gekauft hatte. Mit dem bin ich zur Darts-WM 1990 gefahren. Sah schrecklich aus. Als ich das Turnier dann gewonnen hatte, kam ich am nächsten Morgen raus aus dem Hotel und da standen überall Menschen und haben mir zugejubelt. Und ich dachte: „Mist, ich muss jetzt zu meinem kaputten Auto.“ Also habe ich gerufen: „Danke, Leute. Aber bitte geht jetzt.“ Und dann haben sie mein Auto trotzdem gesehen. Einer rief: „Hey, Phil, dieses Auto wirst du nächste Woche bestimmt nicht mehr fahren.“ Und ich antwortete: „Vermutlich nicht mal mehr morgen.“ (lacht)

Also haben Sie den 75-Pfund-Wagen gegen ein moderneres Modell eingetauscht?
Nein. Ich war damals zufrieden mit meiner Klapperkiste. Ich hatte das bloß so gesagt.

Wie viele Autos stehen heute in Ihrer Garage?
Ein Mercedes, ein Lexus, ein Mitsubishi und zwei Honda.

Steiler Aufstieg.
Absolut. Ich weiß noch, wie ein Lehrer damals in der Schule zu mir sagte: „Du bist ein Nichts! Du wirst nie etwas erreichen.“ Ich habe dann mit 16 die Schule beendet und den ganzen Tag lang Klospülungen zusammengebastelt. Nach Dienstschluss habe ich zu Hause Autos repariert und verkauft. Und abends habe ich in einer Bar ausgeholfen. Mein Leben bestand nur aus Arbeit, Arbeit, Arbeit. Und am Ende kamen trotzdem nur 5000 Pfund im Jahr zusammen.

Wo blieb da noch Zeit für Darts?
(lacht) Gute Frage. Ich habe trainiert, wann immer es möglich war. Hier und da eine Stunde. Mehr ging nicht.

Mit Bier und Gesang

3000 grölende, teils aberwitzig verkleidete Fans kommen dieser Tage im Londoner Alexandra Palace zusammen, um Unmengen von Bier zu trinken, Lieder anzustimmen – und die weltbesten Darts-Spieler beim Wettstreit um den WM-Titel anzufeuern. Acht Millionen Briten schauen im TV zu. In Deutschland überträgt Sport 1 die bis zum 3. Januar laufende WM. Das Finale sahen vergangenes Jahr 1,36 Millionen Zuschauer.

Neben Phil Taylor und dem an Nummer eins gesetzten Niederländer Michael van Gerwen gilt Titelverteidiger Gary Anderson als Favorit. Die ersten beiden Deutschen sind mit Jyhan Artut und René Eidams, der gegen van Gerwen beim 2:3 nur knapp die Sensation verpasste, bereits ausgeschieden. Vergangene Nacht schied auch die deutsche Darts-Hoffnung, der 19-jährige Max Hopp, gegen den Niederländer Benito van de Pas aus. 

Bis Sie am Ende der Achtzigerjahre bei einem kleinen Turnier vom damaligen Darts-Weltmeister Eric Bristow entdeckt wurden.
Er hat mich mit 10 000 Pfund gefördert. So konnte ich mich auf Darts konzentrieren und musste nicht mehr arbeiten. Ohne ihn wäre meine Karriere nicht möglich gewesen.

Wie waren die Anfänge auf der Darts-Tour?
Hart. Ich habe bei jedem Turnier bis zu 800 Euro für Anreise, Hotel und Startgebühr bezahlt. Die Siegprämie betrug aber nur 1000 Euro. Ich musste also jedes Mal das Turnier gewinnen, um meine Kosten zu decken. Das ist heute natürlich ganz anders …

Bei dieser WM bekommt der Sieger umgerechnet knapp 425 000 Euro.
Unglaublich, oder? Es hat sich viel getan, seit sich Sky Sports 1992 dazu entschlossen hat, Darts zu übertragen. Es ist jetzt viel mehr Geld im Spiel.

Finden Sie es nicht kurios, dass man heute mit Pfeilewerfen Millionär werden kann?
Ja. Aber ich könnte das Gleiche auch über Menschen sagen, die einen Fußball treten.

Sie sind mit 16 Erfolgen Rekordweltmeister, haben zwischenzeitlich achtmal in Folge den Titel geholt. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Bedingungslose Hingabe. Wenn wir zu Turnieren fahren und sich die Konkurrenten an der Hotelbar vergnügen, liege ich schon im Bett. Langweilig, ich weiß. Aber ich will halt immer bereit sein für den Wettkampf. So bin ich erzogen worden. Meine Eltern haben immer gesagt: erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Arbeit? Darts sieht bei Ihnen immer so einfach aus?
Darts ist ja auch einfach. Fußball spielen ist auch einfach. Jeder kann einen Ball treten. Schwierig wird es erst, wenn man dafür 90 Millionen Euro bekommt und es entsprechend gut machen muss. Das ist reine Kopfsache.

Was genau passiert denn in Ihrem Kopf während eines Spiels?
Nichts. Das ist der Trick. Alle Gedanken verschwinden. Ich konzentriere mich dann nur noch auf die Scheibe. Auf die Sekunde des Wurfs. Wenn du beginnst, darüber nachzudenken, was du machst, geht es schief.

Laute Musik, ein ausverkaufter Alexandra Palace, Gejohle, Gegröle, Biergesänge - wie geht das?
Da höre ich manchmal hin. Aber generell versuche ich, das alles auszublenden.

Das Publikum hofft jeden Abend auf das perfekte Spiel, alle 501 Punkte mit nur neun Pfeilen runterzuspielen, den so genannten Neun-Darter.
Logisch! Das ist ja auch das ultimative Ziel beim Darts. Besser geht es nicht. Den live vor TV-Publikum zu schaffen, das ist noch mal etwas ganz Spezielles, denn dann bekommst du eine Sonderprämie. Und darum geht’s doch am Ende: Geld!

Ziemlich unromantisch.
Ja, nun. Ich würde Darts bestimmt nicht umsonst spielen. Für Pokale kann ich mir nichts kaufen.

Sie sind jetzt 55 Jahre alt. Wie lange wollen Sie noch weiterspielen?
So lange, wie ich gesund bin. Ich denke, dass ich jederzeit den Titel gewinnen kann. Auch in diesem Jahr.

Interview: Patrick Hoffmann

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