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„Wir sind die Ersten, die überleben wollen“

Red Bull Air Race „Wir sind die Ersten, die überleben wollen“

Sie fliegen unter Brücken hindurch, jagen durch Städte und machen Loopings – und das mit bis zu 370 Stundenkilometern! Das Red Bull Air Race gilt als schnellste Rennserie der Welt. Wie ticken die Menschen, die diesen Wahnsinn mitmachen? Wir haben Matthias Dolderer getroffen, den einzigen deutschen Starter.

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Ab durch den Hangar: Red-Bull-Piloten zeigen, was sie draufhaben. 

Quelle: Red Bull

Ventilatoren pusten die Hitze aus der weißen Edge 540 V3 von Matthias Dolderer (45). Eben ist er mit dem Rennflugzeug noch im Höllentempo durch Budapest gerast, unter der berühmten Kettenbrücke hindurch. Wenn Hunderttausende Zuschauer zum Himmel blicken, auf die Flugzeuge mit diesen waghalsigen Piloten, die an ihnen vorbeirasen mit Manövern, dass einem schon vom Zugucken schwindelig wird, dann ist Dolderer in seiner Welt. „Reinhard Mey hat mal gesungen: ,Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.‘ Natürlich gibt es da auch Gesetze, wie für alles auf dieser Welt“, sagt der Pilot aus Tannheim - der einzige Deutsche, der in der Master-Klasse der Red-Bull-Air-Race-WM startet, der „Formel 1 der Lüfte“. Für ihn scheinen diese Gesetze nicht zu gelten, wenn Kräfte auf ihn wirken, bei denen andere ohnmächtig werden, wenn Bruchteile von Sekunden entscheiden, und ihn und seine Maschine nur wenige Meter vom Brückenpfeiler trennen.

Wer ist dieser Mann, der in der Luft aufs Ganze geht, morgen wieder in Fort Worth, USA. Ruhig steht er im Hangar, die Arme verschränkt, Sonnenbrille auf. Am Boden wirkt er nicht wie jemand, der auf die große Show steht.

Herr Dolderer, haben Sie Familie?
Freundin und Tochter. Warum?

Die sehen, wie Sie im Rennen mit 370 Stundenkilometern 15 Meter über dem Erdboden durch die Gegend rasen ...
Sie wissen genau, dass ich einer bin, der auf sich Obacht gibt. Das tun alle Air-Race-Piloten. Wir sind die Ersten, die überleben wollen. Und wir geben alles dafür, um Risiken auszuschließen.

Trotzdem. Unter der Kettenbrücke sind nur zwölf Meter Platz. Sind Sie verrückt?
Gar nicht. Man muss kein Draufgänger sein bei dem, was wir machen. Für viele sieht das irre aus, aber beim Fliegen geht es darum, das Risiko zu minimieren. Immer. Mental ist alles bis auf das kleinste Detail geplant. Aber klar: Unter der Brücke durchfliegen ist einzigartig. Aber wir kriegen davon ja nichts mit.

Was kriegen Sie denn mit?
Du bist so fokussiert, dass du nur den Kurs im Kopf, im Sinn, im Fokus hast. Hinterher und vorher bekommen wir natürlich mit, wie begeistert alle sind, wie die Show läuft. Das ist natürlich geil.

Bleibt bei den Geschwindigkeiten Handlungsspielraum?
Natürlich hast du sehr wenig Zeit, musst vorher schon genau wissen, was du tust. Aber es bleibt auch noch die Möglichkeit, unterwegs zu sagen, „ich fliege jetzt eine halbe Sekunde länger geradeaus“ oder „ich biege früher ab“. Es gibt unterschiedliche Linien.

Klingt, als würden Sie im Rennen zeitlich in einer anderen Welt unterwegs sein.
Ja. Wenn du nur zwei, drei Meter oder eine Hundertstelsekunde vom Plan abweichst, musst du entsprechend schnell auch gucken, dass du dich auf die neue Situation einstellst. Hundertstelsekunden machen viel aus. Wir fliegen 60, 70 Meter pro Sekunde. Wenn es dabei auf ein oder zwei Meter ankommt, kann man sich ausrechnen, wie viel Zeit für die entscheidenden paar Meter bleibt.

Wie schaffen Sie es, so schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen?
Man muss gedanklich vor dem Flugzeug sein. Vorstellen kann man sich das nur, wenn man Ähnliches macht. Die Präzision, die es braucht, ist etwa die, die auch beim Versuch, ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 400 Stundenkilometern in einer Garage zu parken, nötig wäre.

Sie müssen Beschleunigungskräfte von bis zu 10 g wegstecken. Wie geht das?
Wir sind so festgeschnallt, dass wir mit dem Flugzeug verbunden sind. Das Hinterteil ist quasi an den Sitz angeschweißt. Nur so hast du das einhundertprozentige Gefühl. Wenn du positive Gs bekommst, das Blut aus dem Kopf in die Füße will, tut sich das Herz immer schwerer, genügend Blut und somit Sauerstoff zum Gehirn zu transportieren. Also gilt es zu verhindern, dass das Blut absackt. Das geht mit Training im Flieger. Da entwickelt der Körper ein Muskelgedächtnis, entsprechend presst du Beine, Arme und Oberkörper zusammen, um dem Absacken entgegenzuwirken. Je fitter dein Körper ist, desto einfacher fällt dir das.

Was machen Sie zwischen den Rennen?
Wir sind Piloten und gleichzeitig Teammanager. Wenn wir am Flugzeug etwas verändern wollen oder ein neues Flugzeug bauen, können wir ja nicht in den Supermarkt gehen und sagen: „Aus diesem Regal nehmen wir jetzt was.“ Da steckt viel eigene Entwicklung dahinter. Und zwischendurch fliege ich auch Air-Shows. Langweilig wird es nicht.

Wann begann Ihre Liebe zum Fliegen?
Ich bin auf dem Flugplatz aufgewachsen, den meine Eltern aufgemacht haben, als ich fünf Jahre alt war. Mit 14 habe ich angefangen, Segelflug zu betreiben, mit 17 bin ich in die Ultraleichtfliegerei eingestiegen. An meinem 18. Geburtstag habe ich dann meinen Motorflugschein bekommen.

Und wie kommt man als Pilot zum Air Race?
Indem man alles reinsteckt, was man hat. Ich wurde 2008 zu einem Qualifikations-Camp eingeladen. In diesem Quali-Camp hatten wir eine Woche Zeit, um uns an einen Rennkurs zu gewöhnen. Danach wurde entschieden, ob man die benötigte Superlizenz bekommt oder nicht. Ich habe sie bekommen.

Indem man alles reinsteckt, was man hat? Sie meinen, indem man viel Geld investiert.
Wenn du Formel-1-Pilot werden willst, fängst du mit Gokart an, dann Formel-Auto und so weiter. Da investieren die meisten Leute privat auch ziemlich viel Geld. Das war bei uns auch so der Fall, ja. Jetzt ist es so: Die Red Bull Air Race GmbH ist Organisator, wir haben einen Vertrag mit ihnen, wie Mercedes mit der Formel 1. Und wir müssen dann sehen, dass uns Sponsoren finanzieren.

Fliegen Sie privat auch durch die Welt?
Privat fliege ich fast gar nicht. Klar. Man kann schon mal was machen, aber das ist viel zu selten der Fall. Es ist nicht so, dass ich jede Woche nach Italien fliege, um eine Pizza zu essen.

Fliegen ist für Sie ...
... Freiheit. Du bist frei wie ein Vogel, steuerst ein Gerät, das supergeil um die Ecken geht. Das ist einfach ... geil.

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Von Redakteur Eric Zimmer

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