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„Wir brauchen ungefähr acht Zimmer“

Interview Federer „Wir brauchen ungefähr acht Zimmer“

Tennisprofi Roger Federer spricht im Interview über Reisen mit der Familie und seine Ziele bei den US Open.

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Roger Federer gehört in New York zu den Titelfavoriten.

Quelle: JULIAN FINNEY

New York. Der Slogan auf Roger Federers neuem T-Shirt scheint Programm: „Betterer“ hat sich der Ausrüster des 33-jährigen Schweizers einfallen lassen - eine Kombination aus dem englischen Wort für „besser“ und seinem Nachnamen. Der fünfmalige US-Open-Sieger ist in dieser Saison tatsächlich wieder besser, so stark wie lange nicht. Und so tritt der Weltranglistendritte in Abwesenheit von Titelverteidiger Rafael Nadal auch als einer der großen Favoriten in Flushing Meadows an.

Herr Federer, vor zehn Jahren haben Sie Ihren ersten US-Open-Titel gewonnen. Wenn Ihnen damals jemand gesagt hätte, dass Sie 2014 wieder zu den Favoriten gehören und so ganz nebenbei auch noch mit Frau und vier Kindern unterwegs sind - was hätten Sie da gedacht?
Mir war gar nicht bewusst, dass es schon zehn Jahre her ist ... Das ist unglaublich. Ich bin nicht sicher, ob ich damals dachte, ich würde jemals die US Open gewinnen. Ganz ehrlich, nach den Junioren habe ich immer gedacht, wenn ich mal etwas gewinne, dann hoffentlich Wimbledon. Daher ist der Sieg 2004 in New York ein Riesenerfolg für mich gewesen. Das ganze Jahr eigentlich, denn ich bin damals auch die Nummer eins geworden. Ich hätte damals wohl gedacht, dass ich 2014 noch dabei sein und eine Chance auf den Pokal haben könnte. Mein Ziel war ja immer, langfristig Tennis zu spielen. Aber vier Kinder? Da hätte ich wohl gesagt, dass das eher unwahrscheinlich ist (lacht). Aber ich bin froh, dass es jetzt so ist.

Wie viele Zimmer braucht die „Reisegruppe Federer“ eigentlich heutzutage?
Vielleicht acht ungefähr ... Für das ganze Team allerdings.

Vor einem Jahr sind Sie nach einem schwierigen Saisonverlauf mit wenig Selbstvertrauen zu den US Open gereist. Wie war das damals für Sie?
Ich hatte zwar immer noch das Gefühl, dass vieles möglich ist. Und dass ich vielleicht doch das Turnier gewinnen könnte. Gut, ich habe schon im Hinterkopf gewusst, dass ich dazu Glück brauche. Dass gewisse Leute vorzeitig verlieren müssten. Und dass bei mir vielleicht doch plötzlich der Knopf platzt und ich wieder super spiele. Aber ich habe leider zu viele Niederlagen gehabt, habe nicht genug trainiert und hatte zuviel Angst vor Rückschlägen. Wenn man dann alles zusammentut, dann merkt man, dass ich letztes Jahr nicht in Topform war.

Dann ist es im Vergleich zu diesem Jahr ein Gefühl wie Tag und Nacht?
Ja, irgendwie schon. Ich konnte die ganze Saison bisher souverän durchspielen, habe körperlich nie einen Rückschlag erlitten. Das hilft dann natürlich mental schon sehr. An meinen neuen Schläger habe ich mich sehr schnell gewöhnt, so ein Wechsel hätte ja auch Probleme mit sich bringen können. Stefan Edberg hat sich sehr gut ins Trainerteam eingefügt, das passt wunderbar, mit ihm zusammen zu schaffen. Und ich weiß, dass ich meinem Körper vertrauen kann. Dass ich in Brisbane und Indian Wells Einzel und Doppel gespielt habe, hat mich extrem stark im Kopf gemacht.

Haben Sie deshalb bei den Vorbereitungsturnieren auf die US Open wieder sicherer von der Grundlinie gespielt?
Sicherlich auch deshalb. Je besser man sich von der Grundlinie fühlt, umso mehr kann man dann auch im Spiel von hinten bewirken. Ich will ja nicht nur Serve-and-Volley spielen, ich spiele ja auch viel Slice. Aber das habe ich im letzten Jahr gar nicht viel machen können. Ich war im Kopf gar nicht bereit, durchzuziehen und dann nachzugehen. Am Netz muss ich sehr agil und in einer sehr guten Position sein, sonst hat man keine Chance. Und das mache ich dieses Jahr vor allem gut, dass ich durchgehend ans Netz vorgehe.

Nach der Finalniederlage in Wimbledon gegen Novak Djokovic waren Sie nicht sicher, ob Sie die Enttäuschung darüber ein paar Wochen später noch einmal überkommen würde. Ist das passiert?
Nein, ist es nicht. Ich muss sagen, dass es mir in Wimbledon 2008 gegen Rafael Nadal schwerer gefallen ist. Da bin ich so enttäuscht gewesen, weil ich wusste, dass ich nie wieder die Chance habe, sechs Wimbledontitel am Stück zu gewinnen. Das hat mehr an meinem Nervenkostüm gezerrt. Und dann bin ich auf die Amerika-Tour gegangen, und da waren die Reaktionen auf dieses Finale so unglaublich euphorisch, das hat mich schnell wieder aufgerichtet. Und dieses Mal wusste ich einfach: Es ist ein super Finale gewesen, ich habe gut gespielt das ganze Turnier lang. Es war schade am Ende, aber ich spiele eine sehr gute Saison, es läuft wunderbar. Deshalb habe ich mich nicht mehr lange damit beschäftigt.

Djokovic scheint nach dem Wimbledonsieg im Formtief zu stecken. Wie schätzen Sie das ein?
Ich habe wenig von ihm gesehen in den letzten zwei Wochen. Ich kann es schwer einschätzen, aber ich würde sagen, er wird hier wieder in seiner Normalform spielen. Es spielt für mich keine Rolle, wie seine Vorbereitung war. Das macht null Unterschied. Novak wird bei den US Open so gut spielen wie immer.

Sie haben kürzlich auch bei der „Ice Bucket Challenge“ mitgemacht. Wie viel Überwindung hat die Eisdusche gekostet?
Zugegeben, mir ist dabei kurz der Atem gestockt. Ich bin das ja nicht gewohnt, ich gehe ja nicht mal - wie viele Kollegen - ins Eisbad. Aber ich habe es gerne gemacht, mir war nur wichtig, dass es keine blöde Szenerie wird. Wir hatten ja zuletzt die Erfahrung mit Brad Drewett (ehemaliger ATP-Präsident, verstorben 2013, Anm. der Redaktion) gemacht, daher war es für mich schon eine emotionale Sache. Wichtig ist eben, dass man andere bewegt, etwas Gutes zu tun. Und nicht, dass es nur eine lustige Spaßaktion wird. Ich habe leider das Gefühl, dass es in diese Richtung abdriftet.

Interview: Petra Philippsen

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