Vielleicht war es ein gutes Omen. Als Tino Boos gestern Mittag beim Abschlusstraining im Mellendorfer Icehouse zu seinem letzten Schuss ansetzte, lag er plötzlich auf dem Hosenboden. Sein Schläger war bei dem Versuch, die Scheibe in Richtung Tor zu dreschen, in der Mitte durchgebrochen. Doch der Stürmer der Hannover Scorpions machte gute Miene zum bösen Spiel, kroch auf allen vieren in Richtung Spielerbank und grinste dabei über das ganze Gesicht. Immerhin kann jetzt – getreu der Redensart von der verpatzten Generalprobe – im Spitzenspiel der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) am Sonnabend, 21. Februar, gegen die Eisbären Berlin (16 Uhr, TUI Arena) eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.
Es war eine Mischung aus selbstbewusster Lockerheit und angespannter Vorfreude, die man gestern bei den Profis des Tabellenführers beobachten konnte. „Man merkt in der Kabine und auf dem Eis schon, dass es kein Spiel wie jedes andere ist“, meint Stürmer Thomas Dolak, der in den vergangenen fünf Spielen zehn Scorerpunkte gesammelt hat. Immerhin wolle das Team den 1. Platz unbedingt halten und sich durch einen Sieg über die Eisbären noch ein wenig mehr absetzen. „Jeder weiß, dass es ein großes Spiel ist. Und je näher wir ihm kommen, desto konzentrierter werden wir.“
Auch Trainer Hans Zach ist nicht entgangen, dass die Partie gegen den Meister, der schon 20 Stunden später das Spiel bei den Kassel Huskies folgt (Sonntag, 14.30 Uhr), etwas Besonderes für seine Mannschaft ist. „Wir bereiten uns so normal wie möglich vor“, sagt der 59-Jährige, der voraussichtlich auf seine Bestbesetzung zurückgreifen kann. „Aber man merkt schon, dass die Spieler im Training besonders konzentriert sind.“
Der Tatsache, dass es in den bisherigen drei Vergleichen mit den Berlinern in dieser Saison drei Siege (5:3, 2:0, 5:2) für sein Team gegeben hat, will er aber nicht zu viel Gewicht beimessen. Es sei lediglich eine Bestätigung dafür, dass seine Mannschaft dreimal gut gegen die Eisbären gespielt habe. Dass der Druck vor allem bei den Gästen liegt, die bei einem Nachholspiel in der Hinterhand fünf Punkte Rückstand auf den Tabellenführer haben, das sieht auch Zach so: „Aus Sicht der Eisbären ist es eigentlich das Spiel schlechthin – ihre wahrscheinlich letzte Chance.“
Unter genau diesem Vorzeichen lief auch die Vorbereitung des Meisters ab, der mit dem ehemaligen deutschen Nationalstürmer Stefan Ustorf (Kieferbruch) und Verteidiger Richie Regehr (Hodenprellung) gleich zwei Leistungsträger ersetzen muss. Dabei sprach Manager Peter-John Lee zuletzt sogar ein Machtwort und verbot aus Sorge vor übertrieben viel Respekt die Vorführung weiterer Videos über die Stärken der Scorpions.
HAZ.de Anmeldung