Hannover. „Einige Spieler hatten wohl nicht erkannt, welche Möglichkeiten für uns in diesem Spiel gesteckt haben“, sagte der TSV-Geschäftsführer nach dem Kellerduell in der Handball-Bundesliga. „Die gute Ausgangsposition nach dem Sieg in Nettelstedt ist nun wieder passé.“
Der Eindruck, dass die Mannschaft die Lage nicht erkannt hatte, drängte sich vor allem in der 1. Hälfte auf. Mangelnde Aggressivität in der Abwehr und fehlende Geduld gepaart mit ungewohnt vielen technischen Fehlern im Angriff verhalfen den Gästen zu einer schnellen 6:2-Führung. „Wir haben nicht das gemacht, was wir abgesprochen hatten“, räumte Mittelblocker Vignir Svavarsson ein, der mit sieben Toren vom Kreis aus zumindest offensiv überzeugen konnte. „Es war nicht unser Tag.“
Und doch hätte nach 45 Minuten noch alles anders kommen können. Morten Olsen und Aivis Jurdzs hatten die Burgdorfer bis auf zwei Tore herangebracht (23:25), als der BHC im Angriff plötzlich fahrig wurde. Lars Lehnhoff verkürzte per Gegenstoß und kurz darauf ließ sich Torge Johannsen für den Ausgleich feiern – ebenfalls per schnellem Gegenzug. „Bis dahin war es ein ganz ,normales‘ Spiel“, urteilte TSV-Trainer Christopher Nordmeyer.
Allerdings liegen im Handball Licht und Schatten oft dicht beieinander. So patzte Johannsen schon beim nächsten Gegentor durch Kenneth Klev und wurde wegen des Versuchs diesen Gegner beim folgenden Torwurf zu stoppen, für zwei Minuten auf die Bank verwiesen. Zwar war diese Strafe aus Nordmeyers Sicht nicht entscheidend, den daraus resultierenden 26:28-Rückstand holte die TSV aber nicht mehr auf. Zumal sich in der Schlussphase auch die Fehlerquote im Angriff der Burgdorfer wieder erhöhte und Torwart Nenad Puljezevic den wohl schwächsten Tag im TSV-Trikot erwischt hatte.
„Ich bin nicht von meiner Mannschaft enttäuscht, nur vom Ergebnis“, sagte Nordmeyer später. Dass vier Spieler verletzt fehlten, habe sein Team merklich geschwächt. Allerdings hätte auch schon eine bessere Siebenmeterquote die TSV länger im Spiel halten können. Alle drei Schützen – Lehnhoff, Hannes Jon Jonson und Olsen – vergaben je einen Strafwurf. Eine Schwäche, die den Burgdorfern schon mehrfach das Leben schwerer gemacht hat. „Auch darüber wird in der Analyse des Spiels zu reden sein“, kündigt Chatton an.
Der Geschäftsführer hofft, dass das Team nun wieder „im Hier und Jetzt angekommen“ ist. Es besteht noch kein Grund zur Panik oder Dramatik“, sagt er. „Es reicht aber nicht, gegen die Topmannschaften gut auszusehen. Wir müssen auch unsere ,Hausaufgaben‘ machen.“ Und dazu gehören Heimsiege gegen Abstiegskandidaten.
Tore für Burgdorf: Olsen (7/davon 2 Siebenmeter), Svavarsson (7), Hallgrimsson (6), Jurdzs (5), Johannsen (3), Lehnhoff (2) und Jonsson – Bergischer HC: Oelze (12/3), Nippes, Pekeler (je 5), Karason, Klev, Wöss (je 4) und Böhm – Strafminuten: 8/6 – Zuschauer: 2558 – Nächstes Spiel: Rhein-Neckar Löwen – TSV Hannover-Burgdorf (Mi., 20.15 Uhr).
Die Leistung gegen den Bergischen HC war zwar keine Empfehlung, Nenad Puljezevic ist sich aber dennoch sicher, auch über diese Saison hinaus bei der TSV zu spielen. „Alles ist klar“, sagte der Burgdorfer Torwart über den Stand der Verhandlungen. Die Unterschrift sei eine Frage der Zeit: „Heute oder morgen oder übermorgen“, sagte er. Geschäftsführer Benjamin Chatton bremste dagegen: „Wir haben gute Gespräche geführt, unterschriftsreif ist aber nichts.“
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