Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
„Mit der Pfeife am Beckenrand stehen“

Waspo 98-Trainer im Interview „Mit der Pfeife am Beckenrand stehen“

Der Trainer und Vizepräsident des Wasserball-Erstligisten Waspo 98 Hannover, Karsten Seehafer, spricht im HAZ-Interview über das Training bei der Waspo 98, seinen Träumen vom Wasserballtitel und seinem Frust über Verbände. 

Voriger Artikel
White Sharks bekommen Verstärkung
Nächster Artikel
Strömender Regen bei Formel-1-Training

Waspo-Trainier Karsten Seehafer (rechts) weiß, wie es ist, als Spieler Meister zu werden. 

Quelle: Team zur Nieden

Herr Seehafer, Ihre Mannschaft hat sich immens verstärkt. Da kann es doch nur ein Ziel geben: nach 22 Jahren endlich wieder die deutsche Meisterschaft zu holen.
Dazu müssen wir erst einmal ins Endspiel kommen (Waspo 98 schied in der Vorsaison im Halbfinale gegen den ASC Duisburg aus, d. Red.).

Das sind ungewohnt vorsichtige Worte von Ihnen. Sie haben mit Alexander Radovic, Marek Tkac, Marin Ban und Pere Estrany vier internationale Größen dazugewonnen. Warum so zurückhaltend?
Mit diesen Verpflichtungen haben wir europaweit für Aufsehen gesorgt. Die anderen schlafen aber auch nicht auf dem Baum. Und man muss erst einmal die Wasserfreunde Spandau schlagen. Wir sind aber schon optimistisch.

Also wird Ihr Traum in Erfüllung gehen?
Für mich wäre das in der Tat ein Traum: deutscher Meister als Spieler und Trainer. Es gibt nicht viele, die das geschafft und nicht bei Spandau gespielt haben.

Hat sich außer im personellen Bereich noch etwas geändert in Ihrem Club?
Wir haben etwas geändert in unserer Trainingsstruktur. Einige sagen, es sei professioneller geworden, ich sage: Man muss den Spielern Verantwortung nehmen und eine klare Aufgabe geben – und schon mal mit der Pfeife am Beckenrand stehen. Das mögen und brauchen sie.

Wäre das für Sie in Ihrer aktiven Zeit auch das richtige Mittel gewesen?
(schmunzelt) Mit mir hätte man das nicht machen dürfen. Heute ist das anders. Man muss sehr viel vorgeben.

Die vier Neuzugänge sind Ausländer, im Kader stehen weitere nicht-deutsche Spieler. Wie passt das zu Ihrer Ankündigung, die Jugendarbeit auszubauen?
Wir sind dabei, beim Nachwuchs etwas aufbauen. Da werden wir in naher Zukunft nach vorne kommen. Da bin ich sicher. Und ganz deutlich: Es ist auf Dauer keine Lösung, Spieler von außerhalb zu holen. Wobei die vier, die jetzt gekommen sind, menschlich zu uns passen. Das sind keine Abzocker.

Die White Sharks setzen komplett auf deutsche Spieler, nur Center Igor Cagalinec kommt aus einen anderen Land. Hätten Sie sich nicht auch mit deutschen Spielern verstärken können?
Die Sharks, die auf ihre eigene Jugend setzen, sind die einzigen in Deutschland. Ansonsten interessiert es niemanden in der Bundesliga, mit wie vielen Ausländern du spielt ist. Außerdem muss ich sagen: Auf dem deutschen Markt war es unmöglich für uns, uns zu verstärken.

Warum?
Wir haben die Hannover-Problematik. Der Schnittstellentrainer des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), Milan Sagat, ist gleichzeitig Vereinstrainer der White Sharks, das ist für mich ein großer Missstand. Er nimmt seine Aufgabe viel zu sehr in Richtung Sharks wahr. Er kostet Geld und arbeitet im Ehrenamt bei einem Verein. Andere Clubs müssen ihre Trainer selbst finanzieren. Es gibt von DSV-Seite und auch vom Olympiastützpunkt Bestrebungen, dass junge deutsche Spieler in einem Verein platziert werden sollen. Bei Auswahllehrgängen wurde denen erzählt, dass sie nach Hannover kommen sollen und dann bei den Sharks spielen.

Starker Tobak.
Aber wahr. Ich will niemanden verunglimpfen. Das ist wirklich massiv passiert. Es wird aktiv gesagt zu den Spielern: „Geht nicht zu Waspo 98.“ Die Neutralität ist da nicht gegeben. Und: Auf der einen Seite will der Verband, dass wir die Jugendarbeit stärken und nimmt uns im Gegenzug Wasserfläche weg. Wir haben da niemanden wehgetan. Wir sind wahrlich nicht erfreut über die eine oder andere Aussage oder Maßnahme von Verbandsseite.

Fühlen Sie sich benachteiligt?
Der DSV muss sich schon fragen, wie seine Förderstrukturen sind und wen er unterstützt. Außerdem wundert es mich, dass ausländische Spieler zu uns kommen und das Angebot Sport und Job annehmen – deutsche hingegen nicht.

Interview: Jörg Grußendorf

Zur Person

Karsten Seehafer ist Fan, Mäzen, Trainer und Vizepräsident Sport des Wasserball-Erstligisten Waspo 98 Hannover. Er kann schon auf eine erfolgreiche Zeit als Spieler zurückblicken, feierte 1993 mit Waspo die deutsche Meisterschaft. Seehafer leitet zusammen mit seinem Vater Konrad die Hanomag Lohnhärterei. In diesem Unternehmen arbeiten viele der Waspo-Spieler. In diesem Jahr will er sich seine großen Traum von der Meisterschaft erfüllen.

Waspo 98 auf einen Blick

Zugänge: Alexander Radovic (Montenegriner, von Possilipo Neapel), Marek Tkac (Slowake, KVP Novaky – Tkac stand bis 2014 im Kader der White Sharks Hannover), Marin Ban (Kroate, von VK Mornar Split), Pere Estrany (Spanier, CN Mataro).

Abgang: Daniele „Chippo“ Polverino – der 35-Jährige hat seine lange Karriere beendet.

Tor: Roger Kong.

Feldspieler : Andreas Schlotterbeck, Erik Bukowski, Lukas Taplick, Ilja Immermann, Alexander Radovic, Marek Tkac, Mate Balatoni, David Kleine, Pedrag Jokic, Marin Ban, Pere Estrany, Ingo Pickert, Felix Harstick, Bence Toth, Marko Bolovic, Bojan Paunovic, Herrmann Alexander.

Der Star: Alexander „Sascha“ Radovic. Der montenegrinische Nationalspieler und Olympiateilnehmer ist amtierender Euro-Cup-Sieger. 2011 gewann er mit Partizan Belgrad die Champions League.

Trainer: Karsten Seehafer.

Das Ziel: Meisterschaft und/oder den Pokalsieg.

Der Auftakt: Waspo 98 startet am Sonnabend (19 Uhr bei SV Bayer Uerdingen 08. Weitere Termine: SSV Esslingen – Waspo 98 (31. Oktober, 16 Uhr), Waspo 98 – White Sharks (3. November, 20 Uhr), Spandau – Waspo 98 (7. November, 16 Uhr), SV Krefeld 1972 – Waspo 98 (21. November, 18 Uhr), Waspo 98 – ASC Duisburg (5. Dezember, 18 Uhr).
Heimspielstätte: Gespielt wird im Stadionbad (Robert-Enke-Straße).

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Wasserball

Hannover in der Champions League: Waspo 98 hat die Wasserball-Saison wie im Vorjahr mit Platz drei beendet. Im zweiten Playoff-Match siegte das Team am Samstag mit 18:4 gegen Bayer Uerdingen.

mehr
Mehr aus Sport
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wie hat mein Verein gespielt

Von Kreisliga bis Bundesliga: Hier finden Sie alle Fußball-Ergebnisse.

Recken besiegen HSC 2000 Coburg

Die TSV Hannover-Burgdorf bleibt sich treu in der Handball-Bundesliga. Starken Auftritten folgen Zitterpartien, und so wurde es am Sonntag gegen den HSC 2000 Coburg nichts mit dem allseits erwarteten klaren „Recken“ -Erfolg.