Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Gericht ordnet Freigabe von Dopingproben an

Zehn Jahre nach "Operación Puerto" Gericht ordnet Freigabe von Dopingproben an

Die "Operación Puerto" war Ausgangspunkt einer der umfassendsten Dopingermittlung der Sportgeschichte. Mehr als 200 Beutel mit Blut von Spitzenathleten wurden sichergestellt. Danach kamen die Proben unter Verschluss. Bis heute. Ein Gericht hat nun die Herausgabe angeordnet.

Voriger Artikel
Hamilton nach Kanada-Sieg auf WM-Kurs
Nächster Artikel
Cleveland erzwingt gegen Golden State siebtes Spiel

Symbolfoto

Quelle: dpa

Madrid. Zehn Jahre nach der Aufdeckung des großen spanischen Dopingskandals um die "Operación Puerto" hat ein Madrider Berufungsgericht den Arzt Eufemiano Fuentes freigesprochen.

Darüber hinaus ordneten die Richter an, dass die im Jahr 2006 sichergestellten Blutbeutel von Dutzenden von Radprofis an die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und andere sportliche Institutionen ausgehändigt werden müssen.

Affäre weit über den Radsport hinaus

Damit könnte einer der größten Dopingskandale der Sportgeschichte doch noch aufgeklärt werden. Die Alternative wäre gewesen, dass die vor vor etwa zehn Jahren im Zuge der "Operacion Puerto" gefundenen Blutproben zerstört werden.

Zuvor hatten Spitzenvertreter des spanischen Sports sowie unter anderem auch die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und der Radsport-Weltverband UCI gegen die 2013 durch ein Gericht angeordnete Vernichtung Einspruch eingelegt. Richter Alejandro Maria Benito ordnete jetzt an, dass die Blutproben unter anderem an den spanischen Radverband, die UCI, die WADA sowie die Nationale Olympische Komitee Italiens (CONI) ausgehändigt werden müssen.

Ob noch Sanktionen gegen die betreffenden Sportler verhängt werden können, ist wegen der Verjährungsfristen derzeit noch offen. Die 211 Blutbeutel stammen von Spitzenathleten und wurden im Jahr 2006 beim spanischen Frauenarzt Eufemiano Fuentes sichergestellt.

Fuentes soll eine Vielzahl von Top-Athleten mit leistungssteigernden Substanzen versorgt haben und wurde damals im Zuge von Razzien festgenommen. Die Klarnamen von über 50 verdächtigen Radsportler - darunter auch der einzige deutsche Tour-Sieger Jan Ullrich - wurden einen Tag vor dem Start der Tour de France am 30. Juni 2006 öffentlich. Doch auch Athleten aus anderen Sportarten, wie Fußball, Leichathletik oder Tennis, gehören angeblich dazu.

Wurde auch im Fußball gedopt?

Fuentes  deutete schon kurz nach seiner Verhaftung im Mai 2006 an, dass sich die Affäre weit über den Radsport hinaus erstrecke. Im Prozess Anfang des Jahres 2013 hatte Fuentes bei einer Vernehmung davon gesprochen, auch Fußballer, Tennisspieler, Leichtathleten und Boxer behandelt zu haben und bot sogar die Herausgabe seiner Kundenliste an.

Ende April 2013 verurteilte Richterin Julia Patricia Santamaria Fuentes zu einem Jahr Haft auf Bewährung sowie zu vier Jahren Berufsverbot und 4500 Euro Geldstrafe. Die Richterin verfügte, dass die 211 Blutbeutel größtenteils zerstört werden müssten, um die Persönlichkeitsrechte der Sportler zu wahren. Richter Alejandro Maria Benito sah das nun anders.

Operacion Puerto

  • 17. September 2005: Der Radprofi Roberto Heras wird bei der Spanien-Rundfahrt, die er gewann, positiv auf EPO getestet. Dieser Vorfall gilt als zentraler Ausgangspunkt der Ermittlungen der Guardia Civil.
  • 23. Mai 2006: Im Zuge von Razzien werden in Madrid und Saragossa insgesamt fünf Personen, darunter der Frauenarzt Eufemiano Fuentes, festgenommen.
  • 25. Mai 2006: Jan Ullrich gerät in Verdacht, Kunde von Fuentes gewesen zu sein. Sein T-Mobile-Team bestreitet dies.
  • 30. Juni 2006: Am Tag des Startes der Tour de France wurden auf Druck des Veranstalters ASO insgesamt neun verdächtige Radsportler von der Frankreich-Rundfahrt ausgeschlossen. Vom Team T-Mobile sind Jan Ullrich und Oscar Sevilla betroffen.
  • 4. Juli 2006: Fuentes sagt im Interview mit dem spanischen Radiosender Cadena Ser: "Auch Sportler anderer Sportarten wurden betreut, besonders Fußballer. Namen, die auftauchen müssten, wurden noch nicht genannt, ich weiß nicht, warum."
  • 20. Juli 2006: "Die Bielefelder Rechtswissenschaftlerin und Kriminologin Britta Bannenberg erstattet Anzeige gegen Jan Ullrich wegen Betruges, der Heidelberger Molekularbiologe Werner Franke schließt sich kurz darauf an.
  • August 2006: Die Bonner Staatsanwaltschaft nimmt die Ermittlungen auf. 9. Oktober 2006: Die Staatsanwaltschaft Madrid verfügt, dass kein Radsportverband belastendes Material aus der "Operacion Puerto" für eigene Verfahren benutzen darf. Das Verfahren müsse zunächst beendet werden.
  • 24. November 2006: Spanische Medien berichten, dass in 8 von 90 in Fuentes' Wohnungen gefundenen Blutbeuteln EPO nachgewiesen wurde. Doping ist in Spanien kein krimineller Tatbestand. Fuentes droht jedoch eine Anklage wegen Gefährdung der öffentlichen Gesundheit.
  • 8. Dezember 2006: Die französische Tageszeitung Le Monde interviewt Fuentes und schreibt dann über Verstrickungen mehrerer spanischer Fußball-Klubs, darunter Real Madrid und der FC Barcelona. Fuentes dementiert seine Aussagen öffentlich, bestätigt sie aber angeblich intern. Real und Barca verklagen Le Monde auf je drei Millionen Euro Schadenersatz, Le Monde muss schließlich je 15.000 Euro zahlen.
  • 26. Februar 2007: Jan Ullrich kündigt während einer Pressekonferenz in Hamburg sein Karriereende an. Nach einem 43-minütigen Monolog ließ er keine Fragen zu. Erst in einem späteren Bild-Interview bestritt er erneut Doping: "Niemals. Ganz klipp und klar."
  • 9. Juli 2007: Jan Ullrichs langjähriger Betreuer Rudy Pevenage bestätigt Kontakte zu Fuentes.
  • 12. März 2007: Die spanische Justiz beendet die "Operacion Puerto". Gut ein Jahr später werden erneut Ermittlungen aufgenommen und im Oktober 2008 wieder abgebrochen.
  • 14. April 2008: Die Staatsanwaltschaft Bonn stellt das Verfahren gegen Jan Ullrich gegen eine Zahlung in sechsstelliger Höhe an eine gemeinnützige Einrichtung und die Staatskasse ein. Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel stellte dennoch fest: "Unsere Ermittlungen über 21 Monate haben ergeben: Jan Ullrich hat gedopt." Ullrich erklärte: "Die Zahlung ist kein Schuldeingeständnis. Ein Geständnis konnte es auch deshalb nicht geben, weil es keinen Betrogenen gibt."
  • 10. Januar 2011: Alberto Leon , ehemaliger Mountainbiker und Fuentes' mutmaßlicher Kurier, erhängt sich in seinem Haus.
  • 15. März 2011: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Eufemiano Fuentes, dessen Schwester Yolanda, den ehemaligen Radsport-Manager Manolo Saiz und zwei weitere Fuentes-Komplizen wegen Gefährdung der öffentlichen Gesundheit.
  • 28. Januar 2013: Erster Verhandlungstag. 30. April 2013: Fuentes wird zu einem Jahr Haft, die nach spanischem Recht auf Bewährung ausgesetzt wird, vier Jahren Berufsverbot und 4500 Euro Geldstrafe verurteilt. Vier Monate (auf Bewährung) und vier Monate Berufsverbot erhielt der Mitangeklagte Jose Ignacio Labarta. Freigesprochen wurden Fuentes' Schwester Yolanda sowie die früheren Teamchefs Manolo Saiz und Vicente Belda. Die Blutbeutel der rund 200 Spitzenathleten bleiben unter Verschluss und sollen vernichtet werden. Richterin Julia Patricia Santamaría argumentiert, eine Freigabe würde die Persönlichkeitsrechte der Sportler verletzen.
  • 14. Juni 2016: Das Provinzgericht in Madrid widerruft die Entscheidung, die Blutbeutel zu vernichten. Sie sollen Einrichtungen wie der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und der Radsport-Weltverband UCI zur Verfügung gestellt werden.

sid/RND/zys

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Sport
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wie hat mein Verein gespielt

Von Kreisliga bis Bundesliga: Hier finden Sie alle Fußball-Ergebnisse.

Recken besiegen HSC 2000 Coburg

Die TSV Hannover-Burgdorf bleibt sich treu in der Handball-Bundesliga. Starken Auftritten folgen Zitterpartien, und so wurde es am Sonntag gegen den HSC 2000 Coburg nichts mit dem allseits erwarteten klaren „Recken“ -Erfolg.