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Deutschland / Welt Hat nicht nur VW getrickst?
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23:21 23.09.2015
Eine Sonde eines Gerätes zur Abgasuntersuchung für Dieselmotoren steckt im Auspuffrohr eines VW Golf 2.0 TDI. Quelle: Patrick Pleul
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Hannover

Volkswagen soll nicht der einzige Konzern sein, der bei den Abgaswerten von Dieselfahrzeugen getrickst hat. Dies berichtet das RedaktionsNetzwerk Deutschland unter Berufung auf Peter Mock, Direktor am renommierten International Council on Clean Transportation (ICCT). Nach bislang unveröffentlichten Untersuchungen hätten sich nicht nur bei Dieselfahrzeugen von VW, sondern auch bei Herstellern wie Volvo, Opel, Hyundai und Citroen in ersten Laboruntersuchungen Stickoxid-Werte ergeben, die den Angaben der Konzerne widersprechen. Zwar müssten diese Laborwerte noch in weiteren Beweismessungen und Straßentests bestätigt werden. Nach Einschätzung des ICCT-Chemikers Mock sei dies jedoch „ein erstes Indiz“.

Mock deutete im Gespräch mit dem RND an, dass die Frage des Benzinverbrauchs zum nächsten großen Thema werden könne. „Wir wissen jetzt zuverlässig, dass alle Fahrzeughersteller den Benzin-Verbrauch um durchschnittlich 40 Prozent zu niedrig angeben“, sagte Mock dem RND.

"Ich war sehr erstaunt"

Mock hatte im ICCT im Jahr 2013 ein neues Verfahren entwickelte, um deutsche Diesel-Fahrzeuge genauer zu untersuchen.  „Wir wollten eigentlich nur zeigen, dass die deutschen Autos in den USA sauberer sind als in Europa, weil die Grenzwerte in den USA strenger sind“, sagt Mock. Die Ergebnisse seien dann jedoch ganz anders ausgefallen als erwartet. „Ich war sehr erstaunt.“ Bei einem VW Jetta und einem Passat seien bis zu 40-fach höhere Stickoxidausstöße gemessen worden als vom Hersteller angegeben. So deckte Mock, statt nachzuweisen, wie sauber deutsche Diesel-Motoren arbeiten, den bislang größten Skandal in der Geschichte der Automobilindustrie auf.

Im Mai 2014 stellte Mock die Diesel-Ergebnisse erstmals in einer Studie der Öffentlichkeit vor – damals noch anonymisiert, ohne das Nennen der Fabrikate. Schnell habe sich VW bei ihm gemeldet, um zu wissen, ob es sich um ihre Motoren handele, die dort untersucht und als auffällig eingestuft worden seien. „Das haben wir bestätigt. Spätestens zu dem Zeitpunkt musste Volkswagen klar sein, was auf den Konzern zukommt. Alle Verantwortlichen dort wussten Bescheid.“ Die US-Behörden hätten umgehend Untersuchungen eingeleitet. „Von der kriminellen Energie, die hinter den Abgas-Unregelmäßigkeiten steckte, habe auch ich erst in der vergangenen Woche das erste Mal erfahren“, betont Mock.

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