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Airlines tricksen Kunden aus

Flugpreiserstattung Airlines tricksen Kunden aus

Fluggesellschaften drücken sich oft um Entschädigungen, die sie eigentlich zahlen müssten. Diese Sturheit zahlt sich offenbar aus - Experten glauben, dass allein deutsche Passagiere jedes Jahr 100 Millionen Euro Entschädigung verschenken, weil sie ihre Rechte nicht einfordern.

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Festsitzende Passagiere fühlen sich oft alleingelassen, wenn Flüge ausfallen.

Quelle: dpa

Hannover. Probieren kann man es ja mal. Weil sich der Rückflug von Lanzarote nach Hannover um viereinhalb Stunden verzögerte, verlangte ein Ehepaar von Air Berlin einen Schadensersatz von 400 Euro pro Person. So wie der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Fluggastrechtsverordnung ausgelegt hat, gab es an dieser Forderung nichts zu deuteln. Die Fluggesellschaft schaltete dennoch auf stur – erst als die Kunden vor dem Amtsgericht klagten, bot Air Berlin in einem Vergleich insgesamt 700 Euro an.

„Es ist immer die gleiche Masche“, sagt der hannoversche ADAC-Vertragsrechtsanwalt Patrick Alexander Petry. „Zunächst versuchen die Airlines, sich auf technische Probleme oder höhere Gewalt herauszureden, nach einer Klage bewegen sie sich dann meist doch.“ Dabei ist die Rechtslage vergleichsweise eindeutig: Bei Verspätungen müssen Fluggesellschaften ihre Passagieren Getränken oder Essen anbieten, kostenlose Telefonate, Faxe oder E-Mails ermöglichen und im Bedarfsfall eine Hotelübernachtung bezahlen.

Je nach Länge des Flugs wird zudem eine Entschädigung fällig. Bei Entfernungen bis 1500 Kilometer sind es 250 Euro, zwischen 1500 und 3500 Kilometer werden 400 Euro fällig und darüberhinaus 600 Euro. Zum Ärger der Airlines müssen sie auch dann zahlen, wenn sie selbst keine Schuld an Verspätungen oder Flugausfällen trifft – etwa als die Behörden den Luftraum über Europa wegen der Aschewolke eines isländischen Vulkans gesperrt hatten.

Als bester Schutz gegen Ansprüche der Kunden gilt in der Branche offenbar fehlende Aufklärung: Laut einer Umfrage der Verbraucherzentralen gab die Hälfte der Kunden an, von der Fluggesellschaft nicht über ihre Rechte informiert worden zu sein. Rund ein Drittel der von Verspätungen Betroffenen erklärte, dass ihnen weder Verpflegung noch Ausgleichszahlungen angeboten wurden. Vier von zehn Kunden beklagten, dass die Gesellschaft danach schwer zu erreichen war und die Bearbeitung ihrer Beschwerde zu lange dauerte.

Diese Sturheit zahlt sich aus. Die Experten von Euclaim glauben, dass allein deutsche Passagiere jedes Jahr 100 Millionen Euro Entschädigung verschenken, weil sie ihre Rechte nicht einfordern. Allerdings ist diese Schätzung mit Vorsicht zu genießen, weil das Unternehmen davon lebt, für Fluggäste gegen Provision Entschädigungen einzutreiben – eine hohe Summe bietet sich da als Werbebotschaft an. Ansonsten ist die Datenlage spärlich: Die Statistik des Luftfahrtbundesamts zeigt lediglich, dass die Zahl der eingegangenen Beschwerden aufgrund von Verspätungen oder Annullierungen in den vergangenen fünf Jahren deutlich gestiegen ist.

Die Fluggesellschaften selbst könnten dazu natürlich mehr sagen – sie schweigen aber. Die Lufthansa will nichts zur Zahl der eingegangenen Beschwerden sagen. Wie Unterlagen von Kunden zeigen, lässt sich der Konzern bei der Beantwortung von Regressforderungen zuweilen mehr als sechs Monate Zeit – und bittet dann per Formbrief darum, „von einer weiteren Nachfrage zu Ihrem Schreiben abzusehen“.

Bei Air Berlin äußert man die Hoffnung, dass die stetigen Klagen der Branche in Brüssel bald Gehör finden. Die EU-Kommission hat unlängst eine Überarbeitung der Fluggastrechteverordnung angekündigt. Bis zum kommenden Jahr will die Behörde unter anderem „Haftungsbeschränkungen bei außergewöhnlichen Umständen“ und „Entschädigungsschwellen“ überprüfen. Wer davon am Ende profitiert, ist offen: „Es werden Schlupflöcher gestopft und Regelungslücken geschlossen“, erklärte Kommissionsvizepräsident Sim Kallas.

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