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Aktionäre kritisieren VW-Umgang mit Diesel-Skandal

Volkswagen AG Aktionäre kritisieren VW-Umgang mit Diesel-Skandal

Mehr als eineinhalb Jahre nach Auffliegen des Volkswagen-Diesel-Skandals haben Anteilseigner dem Konzern mangelnde Transparenz vorgeworfen. Der Autobauer lehnt einen ausführlichen Bericht zu den Ermittlungserkenntnissen weiter ab. Bei Aktionären stieß dies auf deutliche Kritik - dennoch haben sie den Vorstand mit deutlicher Mehrheit für 2016 entlastet.

 

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Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG (l.) und Hans Dieter Pötsch, Vorsitzender des VW-Aufsichtsrats, bei der letzten Hauptversammlung der Volkswagen AG in Hannover.
 

Quelle: dpa

Hannover. Nach Ansicht von Aktionären hat Volkswagen noch großen Nachholbedarf bei der Aufklärung der Diesel-Affäre. Anderthalb Jahre nach Bekanntwerden der Abgas-Manipulationen habe der Konzern bei der Bewältigung der Folgen zwar große Fortschritte gemacht, sagte Hans-Christoph Hirt vom Aktionärsberater Hermes EOS am Mittwoch bei der Hauptversammlung in Hannover. „Aber bei der Aufklärung über die Gründe geht es nur unzureichend voran.“ Wie andere Redner erneuerte er die Forderung nach einer unabhängigen Prüfung der Vorgänge.

„Alles andere wäre für Volkswagen unvertretbar riskant“

Volkswagen hat die US-Kanzlei Jones Day damit beauftragt, die Hintergründe und Verantwortlichen für die Installation von Betrugssoftware bei Diesel-Modellen zu ermitteln - der Konzern weigert sich jedoch, die Ergebnisse zu veröffentlichen. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch begründete das vor den Aktionären mit der Einigung mit den US-Behörden. VW hatte im Januar in einem „Statement of Facts“ gegenüber dem Justizministerium in Washington Fehlverhalten eingeräumt und eine Strafe von 4,3 Milliarden Dollar akzeptiert. Wegen dieses Vergleiches unterliege man Beschränkungen mit Blick auf weitere Veröffentlichungen, sagte Pötsch. Einen schriftlichen Abschlussbericht werde es nicht geben: „Alles andere wäre für Volkswagen unvertretbar riskant.“

Diese Auskunft wollen Aktionärsvertreter nicht akzeptieren. Nach US-Recht gebe es sehr wohl die Möglichkeit, weitere Details zur Abgas-Affäre zu veröffentlichen - sofern dies mit Zustimmung der dortigen Behörden geschehe, sagte der Wirtschaftswissenschaftler Christian Strenger, der früher Mitglied der Regierungskommission zur Festlegung von Grundsätzen guter Unternehmensführung (Corporate Governance) war.

Müller zuversichtlich, dass „2017 noch besser wird als 2016“

Auch Ulrich Hocker, Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, warf VW mangelnde Transparenz vor. Die entscheidende Frage sei seit der Aufdeckung des Diesel-Skandals im September 2015 noch immer ungeklärt: „Wer wusste wann was?“ Da die Ermittlungsergebnisse von Jones Day unter Verschluss gehalten würden, lasse das nur den Schluss zu, „dass sie nicht im Sinne von Volkswagen ausgefallen sind“, erklärte Andreas Thomae von der Fondsgesellschaft Deka Invest.

Im Konzern möchte man sich mit der Vergangenheit nicht mehr groß beschäftigen. Ein Großteil der elf Millionen betroffenen Diesel-Modelle sei inzwischen umgerüstet, sagte Vorstandschef Matthias Müller. Trotz weiterer Strafzahlungen in zweistelliger Milliardenhöhe wolle der Konzern 2017 besser abschneiden als im Vorjahr. Im ersten Quartal hat VW unter dem Strich 3,4 Milliarden Euro verdient - ein Plus von fast 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

VW-Anteilseigner stimmen für Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat

Die VW-Aktionäre haben den Vorstand des Konzerns mit deutlicher Mehrheit für 2016 entlastet. VW-Konzernchef Matthias Müller wurde mit 99,05 Prozent der abgegebenen Stimmen der Vertrauensbeweis gewährt, wie die Abstimmung auf der Hauptversammlung ergab. Ex-Vorstand Christine Hohmann-Dennhardt, umstritten wegen einer Millionenabfindung, erhielt 99,73 Prozent der Stimmen, VW-Markenchef Herbert Diess 99,05 Prozent. Auch der Aufsichtsrat erhielt die Entlastung - Hans Dieter Pötsch als Vorsitzender des Kontrollgremiums bekam 99,04 Prozent der Stimmen.

Vor einem Jahr hatte der VW-Großaktionär Niedersachsen dem Konzernvorstand wegen offener Fragen in der Abgas-Affäre eine komplette Entlastung für 2015 verweigert. Konkret verweigerte Niedersachsen damals mit seinem 20-Prozent-Anteil an Volkswagen dem zurückgetretenen Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und VW-Markenchef Diess den Vertrauensbeweis.

Der Abgasskandal erschüttert den Volkswagen-Konzern. Lesen Sie hier alle Berichte und Hintergründe zur Diesel-Affäre. mehr

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