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Aktionäre rechnen mit Delticom-Chefs ab

Online-Reifenhändler Aktionäre rechnen mit Delticom-Chefs ab

Die Aktionäre des Online-Reifenhändlers Delticom haben die Hauptversammlung des Konzerns in der hannoverschen Börse zu einer beispiellosen Generalabrechnung mit den Unternehmenslenkern genutzt. Stein des Anstoßes war ein Kettengeschäft aus dem Februar.

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„Steigender Wettbewerbsdruck“: Lange war das hannoversche Unternehmen Delticom ein reiner Reifenhändler. Jetzt ist der Internet-Lebensmittelhandel dazugekommen.

Quelle: Thomas

Hannover .  Dabei hatte Delticom seinem Mitgründer und Vorstandschef Andreas Prüfer zwei Firmen für 30 Millionen Euro in bar und in Aktien abgekauft und war damit in den für das Unternehmen bis dato völlig fremden Internet-Lebensmittelhandel eingestiegen. Prüfer wiederum hatte 20 Millionen Euro vom Kauferlös dafür verwendet, seinem Kompagnon, Delticom-Mitgründer und Aufsichtsratschef Rainer Binder, ein Aktienpaket 30 Prozent über dem Marktpreis abzunehmen.

Von „Abgriff-Mentalität“, „Geschäften nach Gutsherrenart“ und „abenteuerlichen Wendemanövern“ sprachen Aktionäre und Aktionärsschützer gestern beim Jahrestreffen der Anteilseigner. Die Gründer hätten nicht nur „Cash aus dem Unternehmen gezogen“, sondern auch den Aktienbesitz der Kleinanleger verwässert und den gesamten Kapitalmarkt verunsichert, sagte Josef Gemmeke von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Die Aktie steht heute bei 16 Euro – das ist weniger als ein Fünftel ihres Höchstkurses aus dem Februar 2012.

Delticom expandiere in ein komplett neues Geschäftsfeld, das keinerlei Überschneidungen mit dem Reifenbereich habe, kritisierte Alexander von Vietinghoff-Scheel von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Ich sehe die Gefahr, dass wir uns verzetteln.“ Noch weiter ging die Kritik von Alfred Schneider, Chef der an der hannoverschen Börse notierten Allerthal-Werke, einem Finanzinvestor. „Ich traue Ihnen nicht mehr über den Weg“, rief er Prüfer und Binder zu. Er äußerte den Verdacht, Prüfer habe sich privat mit den  Engagements im Online-Lebensmittelhandel übernommen und sich durch die Abgabe an Delticom gesundstoßen wollen. Er überlege „wirklich, wirklich ganz ernsthaft“, ob er nicht Strafanzeige stellen solle, so der Beteiligungsmanager.

Delticom hatte von Prüfer die Firmen Gourmondo aus München und ES Food samt Mitarbeitern und Logistik übernommen. Die Firmen betreiben mehr als zehn Internetseiten, darunter auch lebensmittel.de. Das zentrale Lager bildet die frühere Campo-Arena im hannoverschen Stadtteil Anderten. Im vergangenen Jahr kamen die Firmen auf 14 Millionen Euro Umsatz und vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) auf einen Verlust von 2 Millionen Euro. Angesichts dieser Zahlen sei der Kaufpreis von 30 Millionen Euro zu hoch gegriffen, kritisierten Aktionäre. Dafür hätte man es auch selbst aufbauen können, sagte Vietinghoff-Scheel. Er erinnerte daran, dass Delticom schon vor drei Jahren bei der Übernahme des Reifen-Konkurrenten Tirendo zu viel Geld in eine Übernahme gesteckt hatte.

Prüfer verteidigte den Einstieg in den Lebensmittelhandel. Hier seien künftig die größten Wachstumsraten zu erwarten. Außerdem sei Delticom gut beraten, sein Geschäft auf mehrere Beine zu stellen. Seit Jahren steige der Wettbewerbsdruck im Reifenhandel. Zudem sei in ferner Zukunft mit selbstfahrenden Autos gar nicht mehr klar, ob es noch genug private Autobesitzer gebe, die dann selbst noch Reifen kauften. „Wir müssen auch auf solch ein negatives Szenario eingestellt sein.“ Der Erwerb von Aktien seines Kompagnons Binder sei als Signal gedacht gewesen, dass der Vorstandschef den Kaufpreis in Delticom reinvestiert. Der Preis von 25 Euro je Aktie sei eben „das Ergebnis der Verhandlungen zwischen Binder und mir“ gewesen.

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