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Amazon geht Umwege über Polen

Onlineversandhändler Amazon geht Umwege über Polen

Der Onlineversandhändler Amazon will seine deutschen Kunden künftig offenbar zu großen Teilen aus Logistikzentren in Osteuropa beliefern. Nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels will das Unternehmen „ab September 2014 nahezu die Hälfte seines Vertriebs mit Deutschland über Polen abwickeln“.

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Im Amazon-Lager im osthessischen Bad Hersfeld gibt es viel Arbeit. Der Internetkonzern will jedoch deutsche Bücherbestellungen künftig in Polen bearbeiten lassen.

Quelle: dpa

Hannover. Deutsche Verlage und Zwischenhändler seien bereits angewiesen worden, ihre Lieferungen künftig an die neuen Versandzentren in Breslau und Posen zu schicken, die Mitte und Ende September ihre Arbeit aufnehmen, heißt es in einer Mitteilung des Branchenverbands.

„Durch die umfangreiche Verlagerung sind an den acht Amazon-Standorten in Deutschland mittelfristig Tausende Arbeitsplätze in Gefahr“, meint der Börsenverein. Schließlich profitiere Amazon in Polen von deutlich niedrigeren Lohnkosten und Steuerermäßigungen. Zudem werde der Onlinehändler dort „auf weniger gewerkschaftlichen Widerstand stoßen, als dies in letzter Zeit in Deutschland der Fall war“. Auch die Ökobilanz bereitet den Verlagen Sorgen. „Die Folgen für das Klima sind katastrophal.“ Die Strecken, die für die Lieferung der Bücher zurückgelegt werden müssten, würden immens ansteigen. Der Verband schätzt, dass sich die Wege gegenüber einer Belieferung des klassischen Buchhandels schlimmstenfalls um den Faktor zehn verlängern könnten.

Der amerikanische Konzern hatte schon im vergangenen Jahr angekündigt, weitere Logistikzentren in Polen und Tschechien zu bauen. Die neuen Lager „unterstützen Amazons anhaltendes Wachstum in Europa“, teilte der Konzern auf Anfrage mit. Zudem würden Kunden schon seit Langem auch grenzübergreifend beliefert. Es gebe keine Pläne, nun andere Logistikzentren in Europa zu schließen. Zu den konkreten Vorwürfen des Börsenvereins schwieg der Konzern.

Den Verlagen gegenüber hat Amazon offenbar bereits vor Wochen in einem Brief offengelegt, dass sie ihre Bücher künftig zu großen Teilen nach Polen verschicken sollten, von wo aus sie dann den Weg zurück nach Deutschland nehmen. Die Kosten für den Export nach Polen sollten allerdings die Verlage selbst übernehmen, heißt es aus der Branche. Dazu jedoch sei man nicht bereit.

Die beiden neuen Logistikzentren in Breslau und Posen liegen jeweils nur etwa anderthalb Autostunden von der deutschen Grenze entfernt. Schon im vergangenen Jahr war deshalb der Verdacht aufgekommen, der Konzern wolle Teile der deutschen Logistik auch über das Nachbarland abwickeln. Der weltgrößte Internethändler liegt in Deutschland im Clinch mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, die auf mehr Mitbestimmung und die Übernahme des Einzelhandel-Tarifvertrags dringt. Amazon unterhält in Deutschland Logistikzentren an acht Standorten und beschäftigt rund 9000 Mitarbeiter. Inzwischen gebe es in jedem Lager einen Betriebsrat, heißt es. Deutschland ist für das Unternehmen der größte Auslandsmarkt.

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