Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt American Apparel kämpft ums Überleben
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt American Apparel kämpft ums Überleben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:03 18.08.2015
Auch auf der Düsseldorfer Königsallee betreibt die US-Modekette eine Filiale. Quelle: Roland Weihrauch
Anzeige
New York

Von der Trendmarke zum Ladenhüter: Vor dem Eingang von American Apparel in Lower Manhattan steht ein großes Schild mit der Aufschrift „Sale“. Die Klamotten der New Yorker Modekette, die einst Hipster-Herzen höherschlagen ließen, werden zu Schleuderpreisen angeboten. Das Gefragteste, was American Apparel noch zu bieten hat, sind drei Sitzbänke vor der Glasfront, die Passanten zum Ausruhen einladen. Die Modemarke wagte eins den Gegentrend - und produzierte bewusst in den USA. Die Hipster goutierten es, die schlichten Basic-Teile waren Trend.

Nun ist im Laden wenig los, Trend sind jetzt andere. Das Unternehmen, das auch in Deutschland vertreten ist, befindet sich im freien Fall. Die ehemalige Trendmarke ist out. Dabei ist die Filiale auf der East Houston Street, der Demarkationslinie zwischen den New Yorker Szenevierteln East Village und Lower East Side, eine Topadresse.

Hippie-Kommune trifft Rambo-Kapitalismus

Der Niedergang ist eng mit dem exzentrischen Ex-Chef, Firmengründer und langjährigen Alleinherrscher Dov Charney verbunden. Der Kanadier machte die Kette groß, bevor er ihr Image mit seinen Skandalen ramponierte. Beobachter sprachen von einem absurden Regime, das die Gemeinschaftskultur einer Hippie-Kommune mit dem Leistungsdiktat des Rambo-Kapitalismus kombinierte. Eine Zeit lang galt die aggressiv-provokante Anzüglichkeit als chic, dann ging es bergab. Die Beschäftigung Illegaler flog auf, Mitarbeiterinnen warfen dem Chef sexuelle Belästigung vor.

2014 gelang es American Apparel, Charney loszuwerden. Doch der kämpft mit allen Mitteln um sein Erbe. Zwischen ihm und dem neuen Management tobt eine Schlammschlacht. Charney überzieht das Unternehmen mit Klagen und fordert über 40 Millionen Dollar (35,8 Millionen Euro) Entschädigung.

Firmengründer Dov Charney: „Ich bin ein dreckiger Typ"

American Apparel veröffentlichte kompromittierende Fotos, E-Mails, SMS und Videos, die Charney auf den Rechnern der Firma gespeichert haben soll. Die Sammlung sexistischer und rassistischer Ausfälle passt zum Eindruck des Macho-Chefs, der sich selbst „Bad Daddy“ genannt haben soll und in einem Interview einst sagte: „Ich bin ein dreckiger Typ, aber die Leute mögen das.“

Das ist über zehn Jahre her, damals lief es besser. Im letzten Quartal sank der Umsatz gegenüber der selben Zeit im Vorjahr um 17 Prozent auf 134 Millionen Dollar. Ein Grund sei die Schließung von Filialen, teilte American Apparel mit. Der Verlust stieg von 16,2 auf 19,4 Millionen Dollar. Existenzbedrohend ist der Kassenstand des Unternehmens, das in Los Angeles produziert und mit seinen Anti-Sweatshop-Kampagnen früher den Nerv des Szenevolks traf. Zum Quartalsende standen nur noch liquide Mittel von 13 Millionen Dollar in der Bilanz. Mitte Oktober werden Rechnungen bei Investoren fällig, für die das Geld nicht reicht.

Die Börse scheint American Apparel abgeschrieben zu haben. Mit 13 Cent stürzte die Aktie zuletzt auf ein Rekordtief. Seit Jahresbeginn ist der Kurs um 85 Prozent gefallen. Wegen der Pleitegefahr senkte die Ratingagentur Moody‘s die Bonitätsnote auf Ramschniveau. American Apparel hatte zuvor gewarnt, Kreditverträge könnten platzen. Der Streit mit Charney hat die Firma bereits in die Hände des Hedgefonds Standard General getrieben, der sie im Insolvenzfall günstig übernehmen könnte.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schöne Überraschung für Mieter in Niedersachsen: Wenn sie in den nächsten Wochen die Betriebskosten-Abrechnung von ihren Vermietern erhalten, können viele von ihnen mit Rückzahlungen für 2014 rechnen. Grund ist der geringere Verbrauch von Heizenergie in den Haushalten.

20.08.2015
Deutschland / Welt Deutsche Premiumhersteller planen E-Mobile - Autobauer wollen Tesla auskontern

Die deutschen Oberklasse-Hersteller planen einen Großangriff auf den Elektro-Autobauer Tesla. Sowohl bei Audi als auch bei BMW und Daimler gebe es Pläne für PS-starke E-Mobile mit einer Reichweite von mehr als 500 Kilometer pro Batterieladung, verlautet aus der Branche.

Lars Ruzic 20.08.2015

Mit seinem Verkaufsschlager A320neo hat sich Airbus einen Rekordauftrag aus Indien gesichert. Die Billigfluglinie IndiGo bestätigte ihre Order von 250 Passagiermaschinen vom Typ A320neo, wie Airbus mitteilte. So viele Maschinen seien noch nie zuvor auf einmal bei dem Flugzeugbauer bestellt worden.

17.08.2015
Anzeige