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Deutschland / Welt Abschied von dem VW-Chef, der nie einer werden wollte
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Abschied von dem VW-Chef, der nie einer werden wollte
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02:18 13.04.2018
Matthias Müller,  noch Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG. Quelle: dpa
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Wolfsburg

Zwei Berufe hat Matthias Müller für sich früh ausgeschlossen: Diplomat und Politiker. Später soll noch ein dritter dazu gekommen sein – Chef von Volkswagen. Als er es vor zweieinhalb Jahren dann doch werden musste, hielt sich seine Begeisterung in sichtbar engen Grenzen, Müller wäre gern bei Porsche in Rente gegangen. Seine Welt war die überschaubare von Zuffenhausen, in der kurze Wege und Klartext den Alltag bestimmten. 

Doch Müller hatte keine Wahl. Als Martin Winterkorn in Wolfsburg nicht mehr zu halten war, wurde der damals 62-Jährige von den Familien Porsche und Piëch ganz an die Spitze befohlen.  Viele zweifelten daran, dass ein Manager, der alle Stufen der Karriereleiter innerhalb des Konzerns heraufgeklettert war, der richtige Kandidat für einen Neuanfang sein könnte. 30 Monate später sind diese Stimmen sehr viel leiser geworden: Nach jetzigem Stand wird Volkswagen aus der Diesel-Krise eher gestärkt als geschwächt hervorgehen – kulturell wie bilanziell.

Natürlich kam Müller zugute, dass der Konzern bei der Wende vom Verbrennermotor zu alternativen Antrieben keine Wahl hatte. Aus Gründen des Klimaschutzes gibt es dazu keine Alternative – und wenn China als Tempomacher auftritt, muss Volkswagen notgedrungen diese Geschwindigkeit aufnehmen, um seinen größten Absatzmarkt nicht zu gefährden. Dennoch fällt der Gedanke schwer, dass auch unter Winterkorn die Entwicklung von Elektroautos und Mobilitätsdienstleistungen so schnell gelungen wäre. 

Für einen wie Müller war das hingegen der leichtere Part. Er gilt als akribischer Arbeiter, der Fakten analysiert, den Rat anderer annimmt, erst dann Entscheidungen trifft und die entsprechenden Taten einfordert.  Der Job als Vorstandschef aber verlangt mehr als das Management technikgetriebener Prozesse entlang der Hierarchiekette – der Spitzenmann ist auch der wichtigste Botschafter für das Unternehmen und dessen Werte. Ganz ohne Diplomatie geht es also nicht.

Müller hat es trotzdem versucht. Ausgerechnet in den USA ließ er sich früh zu der Äußerung hinreißen, VW habe in der Diesel-Affäre nie gelogen. Während die deutschen Kunden Fahrverbote fürchten, machte sich Müller für eine höhere Diesel-Besteuerung stark. Zuletzt verglich er die Forderung nach einer Obergrenze für Managergehälter mit der Regelungswut in der DDR – und handelte sich harsche Kritik aus der Staatskanzlei in Hannover ein. Zunächst blieb offen, ob nur Ministerpräsident Stephan Weil auf Distanz zu Müller gegangen war. Nun ist klar, dass der Manager auch die Rückendeckung der Porsches und Piëchs verloren hat

Die zuletzt oft zur Schau gestellte Unlust deutet darauf hin, dass ihm der Abschied aus Wolfsburg nicht allzu schwer fällt. 

Von Jens Heitmann

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