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Der Start ist gratis – der Sieg nicht

Angebliche Gratis-Spiele im Netz Der Start ist gratis – der Sieg nicht

Angebliche Gratis-Spiele wie „Candy Crush“ gibt es im Netz wie Sand am Meer. Doch um richtig spielen zu können, verlangen die Entwickler immer wieder Geld für Kleinigkeiten – wirklich kostenlos ist nur die Nervenprobe für die Nutzer.

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Bei Gratis-Spielen steigt irgendwann nur noch das Frustrationslevel – denn ohne den Einsatz von Geld kommen die Spieler meist nicht weiter.

Quelle: dpa

Tiffis Job ist ein reines Zuckerschlecken. Ihre Aufgabe ist es, mit möglichst viel Geschick Reihen von Süßigkeiten aus dem Weg zu räumen und so kniffligen Aufgaben zu lösen. Dafür gibt es Punkte. Dann zieht sie weiter, in das nächste von gut 300 Levels. Das Mädchen mit den blonden Zöpfen ist die Heldin des kostenlosen App-Spiels „ Candy Crush Saga“.

Das Puzzle-Prinzip erinnert stark an das legendäre „Tetris“ das ab 1984 erst Daddelautomaten, in den Neunzigerjahren dann Konsolen eroberte und schon früh zur Standardausstattung klobiger Handys gehörte. Wie bei „Tetris“, wird auch „Candy Crush“ von Level zu Level komplizierter – wer nicht aufpasst oder ungeschickt ist, verliert sein Leben oder muss von vorne anfangen. Doch dann einfach aufzuhören, das kommt für viele Spieler nicht infrage. Zum einen wegen des hart erarbeiteten Fortschritts, zum anderen wegen des Suchtfaktors des charmanten Spiels in knalliger Gaga-Grafik. Deswegen zögern wenige Spieler und investieren Geld, um Extraleben kaufen und ins nächste Level vordringen zu können.

Kosten zwischen einem und 100 Euro

Der Start ist gratis, dafür werden zusätzliche Anschaffungen wie Extraleben berechnet. Das ist das Prinzip zahlloser Free-to-play-Spiele. Die Kosten liegen zwischen knapp einem und weit über 100 Euro. Wichtige Tugenden, wie Geschick und Geduld, die man bestens bei kniffligen Rätseln und aufregenden Abenteuern in Videospielen lernt, sind auf diese Weise ganz einfach zu lösen – mit Geld. „Menschen, die nicht gut mit unbefriedigenden Situationen umgehen können, sind dafür besonders anfällig“, sagt Stephan Günzel, Professor für Game Design an der BTK Hochschule für Gestaltung in Berlin.

Von der Konsole über den PC-Browser – Gratis-Spiele mit zusätzlichen In-App-Käufen sind überall erhältlich. Populär sind sie aber vor allem auf Smartphones und Tablets: Laut Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) haben Spieler auf mobilen Plattformen im ersten Halbjahr 2015 rund 153 Millionen Euro in sogenannte In-App-Käufe investiert. Für den Kauf von Spiele-Apps gaben sie dagegen nur 22 Millionen Euro aus. „Das verändert natürlich auch das Design der Spiele“, sagt Stephan Günzel. „Denn die Entwickler, die das eigentliche Spiel entwerfen, müssen sich permanent mit den Experten für die Finanzierung absprechen.“

Entwickler bauen Hürden ein

Diesen Prozess nennen Fachleute Monetarisierung. „Candy Crush“ hat seit 2011 für Rekordzahlen in diesem Bereich gesorgt: Allein 805.000 Dollar (738.000 Euro) verdient die Entwicklerfirma King jeden Tag an zusätzlichen In-App-Käufen. Bezahlen müssen vor allem die Ungeschickten. Wer alles ohne Hilfe und auf Anhieb schafft, könnte theoretisch weiter gratis spielen. Tatsächlich bauen die Entwickler auch für solche Fälle entsprechende Hürden ein. Spätere Level etwa sind ohne Unterstützung kaum lösbar und der Spieler muss einige Tage warten, bis das Spiel wieder freigeschaltet wird. „Man kann das Spiel nicht ohne zusätzlich gekaufte Goldbarren spielen, ohne dabei an Altersschwäche zu sterben“, klagt eine Spielerin im App-Store, die es ohne Geldeinsatz probiert hat. Ähnlich genervt klingen viele Kommentare in den App-Stores von Android und Apple – eigentlich habe man ja ein Gratisspiel heruntergeladen.

Die Entwickler locken die Spieler zusätzlich mit käuflichen Extras, die ihnen im Spiel Vorteile verschaffen: wirkungsvollere Waffen, ein hochwertigeres Autoequipment oder eine ausgefallenere Frisur für den Science-Fiction-Helden. Ob solche Spiele auch ganz ohne Geld noch Spaß machen, kommt ganz auf den einzelnen Titel an. „Das hängt immer davon ab, wie sich der Designer gegen die BWLer im Unternehmen durchsetzt“, sagt Günzel.

An der Grenze zum Glücksspiel?

Inzwischen können Kunden in den App-Stores In-App-Kauf-Preislisten der Spieletitel einsehen. Aus den Kommentaren anderer Nutzer erfahren Spieler auch, welche Titel besonders penetrant für ihre Kaufoptionen werben. Besonders unbeliebt unter Spielern ist auch das sogenannte Pay-to-win-Prinzip: Wer im Onlinemodus mit bezahlten Artikeln und aufgemotztem Equipment spielt, hat klare Vorteile gegenüber den Gratisspielern.

Überschreiten Free-to-play-Titel auf diese Weise die Grenze zum Glücksspiel? „Ich würde die Mechanismen von Free-to-play-Spielen nicht mit Glücksspiel oder Spielautomaten gleichsetzen“, sagt Michael Dreier vom Fachverband Medienabhängigkeit an der Medizinischen Hochschule Hannover. „Es gibt jedoch Überschneidungen.“ Deshalb hält Dreier solche Spiele auch nicht für bedenkenlos: „Die Suchtgefahr ist bei Free-to-play-Spielen deutlich höher als bei anderen Computerspielen“, sagt er. Problematisch sei dabei vor allem, dass sich Schwierigkeiten immer mit Geld lösen lassen. Für die Nutzer kann das teuer werden. Die süße Tiffi lässt das jedoch schnell vergessen.

Von Manuel Behrens und Tobias Hanraths

Free-to-play und Kinder

Beliebter Zeitvertreib: Die Jugend-, Information- und Medien-Studie (JIM) von 2015 belegt: Handyspiele sind die beliebteste Spielform unter Jugendlichen: 47 Prozent der 1200 Befragten spielen täglich. Die Gefahren des Free-to-play-Prinzips betreffen auch Kinder. Bei ihnen sprechen Experten nicht so schnell von Sucht: „Ein abhängiges Verhalten kann es in dem Alter jedoch schon geben“, sagt Michael Dreier vom Fachverband Medienabhängigkeit. „Kinder und Jugendliche mit schlechter Selbstregulation sind besonders gefährdet.“

Trotzdem sprechen viele Free-to-play-Titel gezielt Jüngere an, zum Beispiel mit virtuellen Ponyhöfen. „Das wird dann schnell problematisch“, sagt Game-Design-Professor Stephan Günzel. „Kinder lassen sich schneller zum Kauf verführen oder durchschauen oft nicht so ganz, was sie da anklicken.“

Um den Nachwuchs und das Konto zu schützen, können Eltern die In-App-Käufe bei iOS und Android gezielt sperren oder mit einem Passwort schützen. Auf PC und Konsole lassen sich mit Bordmitteln jedoch nur ganze Spiele und Websites sperren. Wer verhindern will, dass Kinder Geld ausgeben, muss seine Kreditkartennummer und seine Zugangsdaten entfernen.

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