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Deutschland / Welt Anklage gegen K+S-Chef Norbert Steiner
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18:00 04.03.2016
Es könnte eng für sie werden: K+S-Chef Norbert Steiner (links) und der Vorsitzende des Aufsichtsrats Ralf Bethke. Quelle: Uwe Zucchi
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Hannover

K+S-Chef Norbert Steiner gerät immer stärker unter Druck. Am Donnerstag kam die Hiobsbotschaft, dass die Aktie des Kasseler Kali- und Salzherstellers am 21. März aus dem Dax fliegt. Seit Freitag sieht sich Steiner ebenso wie sein Vorgänger, der heutige Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Bethge, offiziell mit einer Anklage der Staatsanwaltschaft im thüringischen Meinungen wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung und unerlaubtem Umgang mit gefährlichen Abfällen konfrontiert.

Insgesamt sind 14 Mitarbeiter des K+S-Konzerns angeklagt, wie die Staatsanwaltschaft berichtete. Außer den beiden Topmanagern seien weitere Vorstandsmitglieder darunter. Zudem richte sich die Anklage gegen zwei Mitarbeiter sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Thüringer Landesbergamtes. Von K+S war Freitag keine Stellungnahme zu erhalten.

Ob ein Hauptverfahren eröffnet wird, muss das Landgericht Meinungen entscheiden. Wegen des „sehr umfangreichen Aktenmaterials“ werde dies „einige Zeit“ dauern, teilte das Gericht mit.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft geht es um 9,5 Millionen Kubikmeter Salzabwasser. K+S soll diese Rückstände der Kaliproduktion von 1999 bis 2007 in den aus einer porösen Gesteinsschicht bestehende Boden im Gebiet der thüringischen Gemeinde Gerstungen „versenkt“ haben. Dadurch habe K+S „das über der Gesteinsschicht vorkommende natürliche Salzwasser, aber auch das Trinkwasser nachhaltig verunreinigt“, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Genehmigt wurden die „Versenkungen“ vom Landesbergamt Thüringen. Die Anklagebehörde zweifelt jedoch nach „umfangreichen Ermittlungen“ an der Rechtmäßigkeit: Zwischen K+S und Vertretern des Landesbergamtes müsse es ein „stillschweigendes Einverständnis“ gegeben haben, dass „die Genehmigungen rechtlich nicht zu vertreten gewesen sind“. Auch Gutachten, die quasi die Unbedenklichkeit der „Versenkungen“ bescheinigten, sind laut Staatsanwaltschaft „falsch“.

Den Stein ins Rollen brachte Gerstungens Bürgermeister Werner Hartung schon 2008 mit einer Anzeige gegen unbekannt. Er habe sich große Sorgen wegen einer Vergiftung des Trinkwassers gemacht, sagte der parteilose Kommunalpolitiker der HAZ. Doch offensichtlich gestalteten sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft „wegen des komplexen Vorgangs“ als schwierig. Im September 2015 gab es Durchsuchungen in der K+S-Zentrale - die dann zu der Anklage führten. Das sei für ihn eine späte Genugtuung, erklärte Hartung. Dies bestätige den Verdacht der Gemeinde von Anfang an, dass „mit gezinkten Karten“ gespielt worden sei.

Noch bleibt K+S bei seiner bisherigen Auffassung, dass die Vorwürfe „unbegründet“ und die erteilten Genehmigungen rechtmäßig seien. Erweist sich das als falsch, könnte es teuer für den Konzern werden. Laut Anklage werden die „Vorteile“, die K+S durch die „Versenkungen“ des Salzabwassers erlangt hat, „abgeschöpft“, ohne jedoch Zahlen zu nennen. Die „Wirtschaftswoche“ berichtete von etwa 325 Millionen Euro, die K+S zahlen müsste.

Die Börse zeigte sich weitgehend unbeeindruckt davon. Die K+S-Aktie lag lange im Plus und schloss leicht im Minus.

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