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Steht der Reisekatalog vor dem Aus?

Apps statt Prospekte Steht der Reisekatalog vor dem Aus?

Die Tui will in Großbritannien gedruckte Prospekte abschaffen: Dort wird bereits jetzt mehr als jede zweite Reise im Internet gebucht. In Deutschland setzt der Konzern aber weiter auf Hochglanzbroschüren. Vorerst.

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Aus der Mode? Die Tui will Kataloge abschaffen - zumindest in Groß­britannien. Foto: dpa

Quelle: Caroline Seidel

Hannover. Wer sich im Reisebüro nur aufs Hören und Sagen verlässt, kann sich schnell am falschen Ort wiederfinden. Das hat eine Sächsin erfahren müssen, die einen Flug nach Porto buchen wollte. Die Verkäuferin verstand jedoch „Bordo“ - und reservierte prompt Plätze in einer Maschine ins französische Weinbergparadies und nicht an die portugiesische Atlantikküste. Die Kundin musste den Flug am Ende bezahlen, obwohl sie ihn nicht antreten wollte. Für das Unverständnis im Reisebüro sei ausschließlich sie selbst verantwortlich, urteilte ein Amtsrichter.

Ein gemeinsamer Blick in den Reisekatalog hätte den Ärger vermeiden können, doch die bunten Prospekte wirken inzwischen ähnlich aus der Zeit gefallen wie die dicken Wälzer der Versandkaufhäuser. Während früher ganze Großfamilien durch das 1000-Seiten-Angebot blätterten, wird heute per Fingerwisch über das Smartphone oder den Tablet-PC bestellt. Für einen Abgesang auf den Katalog sei es aber gleichwohl noch zu früh, heißt es etwa beim Großhändler Otto: Langjährige Stammkunden wollten nicht darauf verzichten - und auch bei jüngeren Zielgruppen zahle sich Produktpräsentation auf Hochglanzpapier nach wie vor aus, vor allem aber als Marketing­instrument.

Die Tui ist sich da nicht mehr ganz so sicher - zumindest der britische Teil des Konzerns. Bis 2020 werde man die Reisekataloge abschaffen, kündigte Landes-Chef Nick Longman jetzt im Branchenmagazin „Travelweekly“ an. Stattdessen sollen künftig VR-Brillen und Touch-Screen-Schirme ein virtuelles Bild von der Realität am Urlaubsort vermitteln. „Unsere Kunden verbringen nicht mehr Stunden damit, sich durch Broschüren zu wälzen“, sagte Longman. „Die Dinge entwickeln sich weiter.“

Das könne schon sein, heißt es bei Tui Deutschland - aber nicht bei uns. In England würden mehr als die Hälfte aller Reisen online gebucht, hierzulande seien es deutlich weniger. Bis 2021 wolle man sogar noch rund 100 weitere Reisebüros akquirieren - und Kataloge dienten hier nach wie vor als Hauptberatungsinstrument: „Für Kunden bieten sie gerade in Zeiten schneller, vielfältiger Massenkommunikation eine Entscheidungshilfe und machen es Urlaubern leichter, sich über ihre Vorstellungen und Wünsche im Klaren zu werden“, sagt eine Unternehmenssprecherin.

Und vielleicht lassen sie sich so auch verständlicher formulieren.

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