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Arbeitsmarkt braucht mehr Zuwanderer

Zahl der Erwerbstätigen Arbeitsmarkt braucht mehr Zuwanderer

Eine aktuelle Studie zeigt: Die Zahl der Erwerbstätigen sinkt bis 2060 deutlich, sollten nicht mehr Zuwanderer nach Deutschland kommen. Niedersächsische Wirtschaftsverbände fordern allerdings eine höhere Qualifikation.

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Auszubildender aus Afghanistan: Ohne Zuwanderung sinkt die Zahl der Arbeitskräfte bis 2030 um sechs Millionen. 

Quelle: Jens-Ulrich Koch

Hannover. Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland hat Ende des vergangenen Jahres einen Höchststand erreicht. Wegen der guten Konjunktur und vieler Aufträge für Dienstleister gingen im vierten Quartal 43,7 Millionen Menschen einer festen Beschäftigung nach - das waren noch einmal 267 000 Erwerbstätige mehr als Ende 2015. Allerdings hat sich die Zuwachsrate im Verlauf des Vorjahres verringert - von den 1,3 Prozent im Winter halbierte sie sich nahezu.

Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung nähert sich die Zeit der Rekorde am Arbeitsmarkt allmählich dem Ende: Selbst bei einer jährlich Zuwanderung von 200 000 Emigranten würde das Arbeitskräfteangebot hierzulande bis 2060 auf unter 40 Millionen Menschen sinken. Das gelte selbst dann, wenn ältere Beschäftigte länger im Job ausharrten und noch mehr Frauen erwerbstätig würden, schreiben die Autoren. Um die Zahl der Arbeitskräfte auf heutigem Niveau zu halten, müssten jährlich 400 000 Emigranten einreisen - und bleiben.

Die Babyboomer gehen in Rente

Ohne Zuwanderung und steigende Erwerbsquoten würde die Zahl der Arbeitskräfte bereits bis 2030 um sechs Millionen sinken - bis 2060 wäre ein Rückgang um weitere zwölf Millionen Menschen wahrscheinlich, heißt es. Verantwortlich dafür sind die niedrige Geburtenrate und die damit verbundene Alterung der Gesellschaft. So gehen die sogenannten Babyboomer in den nächsten Jahren in Rente - der geburtenstärkste Jahrgang 1964 erreicht 2031 das 67. Lebensjahr und verschwindet spätestens dann vom Arbeitsmarkt.

Die zuletzt hohe Zahl der Flüchtlinge beeinflusst die Prognose der IAB-Forscher kaum. Grundsätzlich verbessere die Ankunft vieler junger Emigranten die Altersstruktur in Deutschland - letztlich dürfte sich das Potenzial der Erwerbstätigen dadurch aber nur um 460 000 Personen erhöhen, hieß es in einer Studie aus dem Jahr 2016.

Für seine Analyse legt das Institut die durchschnittliche Zuwanderung seit 1991 zugrunde. Dass auf längere Sicht im Wanderungssaldo dauerhaft mehr als 200 000 Menschen nach Deutschland kommen, halten die Autoren für unwahrscheinlich. Zum einen greife der demografische Wandel auch in den Nachbarstaaten, aus denen die meisten Zuwanderer kommen - das dämpfe den Migrationsimpuls. Zum anderen zögen viele Einwanderer auch wieder fort.

„Wir stehen auf dem Arbeitsmarkt vor einer riesigen Herausforderung“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, Volker Müller. Technische Fortschritte und intelligentere Produktionsprozesse könnten zwar helfen, die Probleme zu lindern - gleichzeitig wüchsen jedoch auch die Anforderungen an die Fachkräfte. Verstärkte Zuwanderung könne allenfalls ein Teil der Lösung sein, sagte Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer von Niedersachsen-Metall: „Es stellt sich nicht nur die Frage, wie viele zu uns kommen - es muss auch darum gehen, wer zu uns kommt.“ Deutschland müsse daher für Hochqualifizierte aus stabilen Ländern attraktiv bleiben und die eingereisten Flüchtlinge möglichst schnell in den Arbeitsmarkt integrieren.

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